Merktechniken
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Merktechniken

Bild: Foto: Zimmermann, Peter, CC BY-SA 3.0 de, via Wikimedia Commons

Obwohl sie nicht unser heutiges Wissen über die Funktionsweise des Gedächtnisses hatten, entwickelten schon die Menschen der Antike einige wirksame Techniken, mit deren Hilfe sie sich das Einprägen von Informationen erleichterten. Seitdem ist die Zahl solcher Mnemotechniken (griech. mneme = "Gedächtnis") bedeutend größer geworden. Sie helfen nicht nur bei der Bewältigung von Lernpensen, sondern können auch wichtige Gedächtnisstützen im Alltag sein.

Einleitung

Obwohl sie nicht unser heutiges Wissen über die Funktionsweise des Gedächtnisses hatten, entwickelten schon die Menschen der Antike einige wirksame Techniken, mit deren Hilfe sie sich das Einprägen von Informationen erleichterten. Seitdem ist die Zahl solcher Mnemotechniken (griech. mneme = "Gedächtnis") bedeutend größer geworden. Sie helfen nicht nur bei der Bewältigung von Lernpensen, sondern können auch wichtige Gedächtnisstützen im Alltag sein.

Viele solcher hilfreichen Merktechniken arbeiten mit dem Mittel der Assoziation. Denn sie ist für den Prozess des Lernens(Arbeitstechniken: Die biologischen Voraussetzungen des Lernens) von fundamentaler Bedeutung. Lernen geschieht, indem neue Informationen mit alten, bereits im Langzeitgedächtnis gespeicherten Daten verglichen und assoziiert werden. Hier sollen einige gängige Merktechniken vorgestellt werden.

Assoziationskette

Diese Methode hilft dabei, sich Begriffe in einer bestimmten Reihenfolge zu merken. Die Begriffe werden dabei im Geiste verbildlicht und immer zwei der Bilder miteinander verbunden.

Ein Beispiel: Zu lernen sind die Begriffe Buch, Fotoapparat, Socke, Bierflasche, Hund, Telefon. Stellen Sie sich ein Buch vor und verknüpfen Sie dieses Bild mit dem des zweiten Begriffs, beispielsweise, indem Sie vor Ihrem geistigen Auge ein Buch entstehen lassen, auf dem ein Fotoapparat abgebildet ist. Danach stellen Sie sich einen Fotoapparat vor, über den eine Socke gezogen wurde, danach eine Socke, in der eine Bierflasche steckt usw. Um so verrückter die Bilder, desto besser prägen sie sich ein.

Geschichtentechnik

Diese Methode ähnelt der Assoziationskette. Hierbei werden jedoch die zu lernenden Begriffe in eine Geschichte verpackt. Durch die Konstruktion eines Bedeutungszusammenhanges lassen sie sich leichter lernen. Für Menschen, denen das Visualisieren schwer fällt, ist die Geschichtentechnik deshalb eine gute Alternative zur Assoziationskette. Eine Geschichte, die sich um die oben genannte Begriffsreihe rankt, könnte folgendermaßen lauten:

"Gestern wollte ich mir ein Buch kaufen und meinen Fotoapparat zur Reparatur bringen. Leider verlor ich nach dem Aufstehen sehr viel Zeit damit, meine Socken zu suchen. Schließlich fand ich sie neben einer leeren Bierflasche. Als ich das Haus verließ, sah ich einen Hund, der ein Telefon in der Schnauze hielt."

Natürlich ist es hilfreich, sich die Geschichte bildlich vorzustellen, sie wie einen Film vor dem inneren Auge ablaufen zu lassen.

Locitechnik

Die Locitechnik wurde schon im antiken Rom und Griechenland benutzt. Auch hier geht es darum, sich Begriffe in einer bestimmten Reihenfolge zu merken. Dafür werden sie im Geiste an Orte (lat. loci) gebunden. Wählen Sie einen Ort aus, den Sie gut kennen, zum Beispiel ein Zimmer. Verknüpfen Sie jeden Begriff mit einem Gegenstand in diesem Raum. Um die Begriffe wieder abzurufen, müssen Sie dann in Gedanken durch das Zimmer gehen. Besonders gut eignen sich auch Wegstrecken, die man häufig zurücklegt. So können die Begriffe beispielsweise mit Bahnstationen verbunden werden. Für frei sprechende Redner ist die Locitechnik eine hervorragende Methode, um sich die Reihenfolge ihrer Argumente zu merken. Auch kann sie eingesetzt werden, um in einer Diskussionsrunde gerade angestellte Überlegungen systematisch vortragen zu können.

Gegenüber der Assoziationskette hat die Locitechnik den Vorteil, dass das Vergessen eines Begriffes nicht den Abbruch der Kette nach sich zieht.

Das Prinzip der assoziativen Verbindung eines Begriffes mit einem Ort ist auch hilfreich, wenn Sie häufig denselben Gegenstand zu Hause vergessen. Nehmen wir an, es handelt sich dabei um Ihr Portemonnaie. Stellen Sie sich vor Ihrem geistigen Auge die Geldbörse vor, wie sie vor Ihrer Wohnungstür schwebt. Wenn es Ihnen gelingt, jedesmal beim Erblicken der Wohnungstür auch das Portemonnaie zu sehen, werden Sie wohl nie mehr vergessen es einzustecken.

Zahlenkodierung

Dies ist etwas für all jene, die Schwierigkeiten haben, sich Zahlen zu merken. Verschiedene Kodierungssysteme ordnen den Ziffern assoziativ Buchstaben, Begriffe oder Bilder zu und erlauben damit eine Übersetzung von Zahlen in Worte oder Bilder und umgekehrt. Das Erlernen des jeweiligen Kodes erfordert zunächst einen gewissen Arbeitsaufwand, für den man aber durch den baldigen Lernerfolg entschädigt wird.

Buchstaben

Jeder Ziffer werden ein oder mehrere Buchstaben zugeordnet, und zwar ausschließlich Konsonanten. Diese Zuordnung erfolgt nicht willkürlich, sondern die jeweiligen Konsonanten und Ziffern sind leicht miteinander assoziierbar.

Ein Beispiel:

0s, ß, ss, zMit "z" beginnt das englische Wort für "Null", "zero".
1t,d, th"d" und "t" haben eine senkrechte Linie wie die Ziffer 1.
2n"n" hat zwei Striche.
3m"m" hat drei Striche.
4 .r"r" ist der letzte Buchstabe des Wortes "Vier"
5l"L" ist das römische Zeichen für 50.
6j, sch, ch"Sechs" enthält ein "ch" und auch ein verdrehtes "sch".
7k, ck, g, q, x"K" stellt- um 90 Grad gedreht - eine 7 dar.
8f, ph, v, wEin handschriftliches "f" kann man leicht zu einer 8 erweitern.
9b, pDie 9 sieht aus wie eine Umkehrung von "b" und "p".

Und so wird der Kode angewendet:
Statt den Ziffern einer Zahl setzen Sie die entsprechenden Konsonanten ein. Damit sich sinnvolle Wörter bzw. Sätze ergeben, die Sie sich leicht merken können, verbinden Sie die Buchstaben mit beliebigen Vokalen und/oder den nicht vergebenen Konsonanten.

Zum Beispiel:
3.10.1990 (Tag der deutschen Wiedervereinigung)
mtstbpss
Maat sieht Bypass

Begriffe oder Bilder

Hierbei wird jeder Ziffer ein Begriff zugeordnet, der einen visuellen Bezug zu dieser Ziffer hat.

Ein Beispiel:

0Ball
1Mast
2Schwan
3Dreieck
4Quadrat
5gespreizte Hand
6Würfel
7Keil
8Sanduhr
9Schnecke

Mit Hilfe dieser Methode können Sie sich gut kurze Nummern merken. Eine weitere Anwendungsmöglichkeit besteht darin, die Positionen einer Liste mit Hilfe ungewöhnlicher Assoziationen besser im Kopf zu behalten:

1. Einkaufen (Ich kaufe einen Ball.)
2. Tanken (Ein Schwan sitzt auf einer Zapfsäule.)
3. Unkraut jäten (Im Garten ist ein dreieckiges Blumenbeet.)
4. Tante Martha besuchen (Tante Martha hat einen quadratischen Hut auf dem Kopf.)

Benutzen Sie den Kode für das Lernen von Reihenfolgen, können Sie natürlich auch den Zahlen ab 10 aufwärts Begriffe zuweisen. In diesem Fall werden Sie aber früher oder später auf Wörter zurückgreifen müssen, die keinen Bezug zu der jeweiligen Zahl haben.

Um sich Reihenfolgen mit Hilfe verrückter Assoziationen zu merken, können Sie statt der Ziffern oder Zahlen auch den Buchstaben des Alphabetes Kennwörter zuweisen - am besten solche, die mit dem jeweiligen Buchstaben beginnen.

Eselsbrücken

Eselsbrücken sind Merksätze, die das Behalten von Daten, Regeln - überhaupt von allem, was sich kurz und prägnant beschreiben lässt - erleichtern. Wohl jeder hat schon einmal Eselsbrücken benutzt. Bekannt sind Merksätze wie "Drei - drei - drei: bei Issos Keilerei!" und "Sieben - fünf - drei: Rom kroch aus dem Ei!" Wie diese Beispiele zeigen, werden für Eselsbrücken häufig Reime verwendet. Auch Rhythmus oder Gleichklang ("Wer nämlich mit 'h' schreibt, ist dämlich.") unterstützen das Einprägen. Eselsbrücken kann sich jeder leicht selbst ausdenken. Es gibt allerdings auch interessante Sammlungen von Merksätzen, die sogar nach Sachgebieten gegliedert sind. Hier einige Beispiele:

Bibliografie

Birgit Adam: Mein Kopf ist fit! Mehr Leistung mit Denk- und Gedächtnistraining, 2001

Wolfgang Ettig: Gedächtnistraining mit Eselsbrücken, Niedernhausen/Ts. 1993

Roland Geisselhart/Christiane Hofmann-Burkart: Memory. Gedächtnistraining und Konzentrationstechniken, Freiburg i. B. 2002.

Jürgen Hesse, Hans Schrader: Gedächtnistraining, Frankfurt a. M. 2000.

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