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Misteln gegen Krebs? Was ist dran an der Arzneipflanze?
Bildquelle nicht angegeben
Gesundheit

Misteln gegen Krebs? Was ist dran an der Arzneipflanze?

Misteln sind immergrüne Gewächse, die hoch oben in Bäumen in kleinen Nestern wachsen. In der Antike glaubte man, sie seien vom Himmel gefallen und deshalb heilig. Aus diesem Grund sollen sie unter anderem von keltischen Druiden genutzt worden sein, um ihre Zeitgenossen mutig und unbesiegbar sowie immun gegen Gifte…
Veröffentlicht
26. Februar 2022
Lesezeit
3 Minuten
Rubrik
Gesundheit
Artikelbild

GettyImages, Thomas Faull

Misteln sind immergrüne Gewächse, die hoch oben in Bäumen in kleinen Nestern wachsen. In der Antike glaubte man, sie seien vom Himmel gefallen und deshalb heilig. Aus diesem Grund sollen sie unter anderem von keltischen Druiden genutzt worden sein, um ihre Zeitgenossen mutig und unbesiegbar sowie immun gegen Gifte zu machen.

Im Altertum und Mittelalter wurde die Mistel dann von Ärzten gezielt als Arzneimittel eingesetzt. So etwa gegen so unterschiedliche Dinge wie schlechte Stimmung, erfrorene Gliedmaßen oder Schwindelanfälle, aber auch zum Blutstillen. Im 19. Jahrhundert behielt das immergrüne Gewächs seinen guten Ruf: In einigen Teilen Deutschlands kam die Mistel als Wirkstoff unter anderem gegen Epilepsie, Brustenge sowie Fruchtbarkeits- und Geburtsstörungen zur Anwendung. Und die weißlichen, klebrigen Mistelbeeren wurden bei leichten Verbrennungen, Erfrierungen oder Entzündungen auf die Haut aufgetragen.

Mistelwirkstoffen in Krebstherapie

Heute weiß man, dass Misteln tatsächlich medizinisch wirksame Inhaltsstoffe enthalten. Dazu zählen zum Beispiel sekundäre Pflanzenstoffe wie die sogenannten Mistellektine oder Polyphenole sowie verschiedene Enzyme, Fette, Flavonoide und Mineralien wie Kalium. Um diese Wirkstoffe für den Menschen nutzbar zu machen, müssen die Misteln allerdings auf die richtige Art und Weise zubereitet werden. So entstehen etwa aus den Blättern Misteltee, Extrakte, Salben oder Tabletten.

Besonders bekannt ist der Einsatz dieser Präparate bei Krebstherapien. Sie können zwar nicht direkt einen Tumor bekämpfen, werden aber von schätzungsweise bis zu 70 Prozent der Krebspatienten für die Neben- oder Nachbehandlung nach Operation, Chemotherapie und Co. genutzt.

Der Grund: Die Inhaltsstoffe der Misteln, darunter die Lektine, wirken anregend auf das Immunsystem, indem sie wie ein Fieberanfall für eine erhöhte Körpertemperatur sorgen. Dadurch arbeitet dann das Immunsystem auf Hochtouren und der Körper wird angeregt, sich selbst zu heilen. Außerdem können die Lektine nach aktuellem Kenntnisstand dafür sorgen, dass die Zahl natürlicher Killerzellen, Lymphozyten und Granulozyten ansteigt, die für eine effektive Immunabwehr nötig sind. Zudem gilt beispielsweise das Polypeptid Visotoxin als zellteilungshemmend und soll wie ein mildes Zellgift wirken.

Zusätzlich können die Extrakte vermutlich auch die Nebenwirkungen von Chemo- und Strahlentherapien vermindern und das Wohlbefinden mancher Patienten verbessern: Erfahrungsberichten zufolge kann sich nach der Einnahme der Mistelpräparate zum Beispiel der Appetit steigern, man leidet seltener unter Erbrechen und Übelkeit und neigt weniger zu Depressionen und Schlafstörungen.

Artikelbild

GettyImages, Madeleine_Steinbach

Kein Ersatz für klassische Krebsmittel

Doch die Forschung an den Mistelextrakten läuft noch und die Wirkung der Präparate ist in vielen Fällen nicht vollständig untersucht. Wichtig ist jedoch: Bisher deutet alles darauf hin, dass Mistelpräparate eine klassische Krebstherapie durch Bestrahlung, Chemotherapie oder Biologika nicht ersetzen, sondern nur unterstützen können. Die pflanzlichen Mittel werden als ergänzende Behandlungsoption empfohlen und können dabei klinischen Studien zufolge durchaus hilfreich sein und Nebenwirkungen abmildern.

In jedem Falle ist vor der Einnahme der Extrakte als Krebs-Nebenbehandlung immer ein Gespräch mit dem behandelnden Arzt ratsam. Denn für einige Patienten sind Mistelextrakte nicht geeignet: Umstritten ist zum Beispiel die Anwendung bei Krebsarten, die vom Immunsystem ausgehen wie die Leukämie. Bei diesen Erkrankungen sind besonders die Zellen des Abwehrsystems betroffen, die dann durch die immunstimulierenden Mistel-Wirkstoffe möglicherweise beeinträchtigt würden.

Gegen Bluthochdruck, Herzerkrankungen und Co.?

Neben der unterstützenden Krebstherapie mit Misteln, wurde das immergrüne Gewächs vor einigen Jahren auch als das beste Pflanzenmittel gegen Bluthochdruck bezeichnet. Heute ist die Mistel als Blutdrucksenker zwar weiterhin bekannt, aber wird gezielter in Säften, Tabletten oder Injektionen und meist nur in der Naturheilkunde eingesetzt. Die Mistelwirkstoffe sollen unter anderem die Ausschüttung von Botenstoffen wie Serotonin verringern, das eine starke Wirkung auf den Blutdruck hat. Allerdings ist diese Wirksamkeit gegen Bluthochdruck wissenschaftlich nicht eindeutig belegt.

Auch gegen weitere Krankheiten raten Naturheilkundler manchmal zu Mistelpräparaten, obwohl es bisher keine handfesten Daten aus wissenschaftlichen Studien dazu gibt. So sollen Injektionen das Herz-Kreislauf-System unterstützen und Schlaganfällen vorbeugen sowie bei verstopften Blutgefäßen helfen. Einige Mistel-Fans gehen außerdem davon aus, dass Mistelextrakte krampflösend und blutstillend wirken und empfehlen sie deshalb bei übermäßigen Unterleibsblutungen oder Nasenbluten. Auch bei Unfruchtbarkeit oder Gelenkschmerzen wird über eine positive Wirkung spekuliert.

Diese Heilmethoden sind aber nicht nur kaum wissenschaftlich geprüft, sondern können auch zu Nebenwirkungen führen: So kann die Einnahme von Mistelpräparaten unter anderem leichte Rötungen und Schwellungen, grippeähnliche Symptome, allergische Reaktionen oder Verhärtungen im Fettgewebe hervorrufen.

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