Die Entstehung der Kinder-Unis: ein Rückblick
Den Anstoß zu einer Vorlesungsreihe für Kinder an der Tübinger Universität hatten die Journalisten Ulla Steuernagel und Ulrich Janssen gegeben. Am 4. Juni 2002 öffnete die Tübinger Universität daher den ersten Hörsaal für eine Vorlesung, die sich an Kinder im Alter von acht bis zwölf Jahren richtete. Professor Gregor Markl machte mit der Klärung der Frage, warum Vulkane Feuer spucken, den Anfang einer Vorlesungsreihe. Auch die folgenden Vorlesungen beschäftigten sich mit den typischen Warum-Fragen, die Kinder Eltern und Lehrern häufig stellen und die sich meist als recht komplexe Sache erweisen. Ob das die Kinder nicht überfordern würde, fragten Kritiker – die gut besuchten Hörsäle brachten sie zum Schweigen.
In den folgenden Jahren gab es einen regelrechten Boom: In Deutschland, Österreich, Italien und der Schweiz entstanden zahlreiche Kinder-Unis. 2005 erhielt die Tübinger Universität die höchste Auszeichnung für wissenschaftliche Projekte der Europäischen Union, den Descartes-Preis. Zu diesem Zeitpunkt hatten bereits 70 Hochschulen ihre Hörsäle für den Nachwuchs geöffnet.
Mit dem Ziel, die europäischen Kinder-Unis zu vernetzen, fördert das Netzwerk EUCU.NET (European Children’s Universities Network) seit Juni 2008 den Erfahrungsaustausch sowie Know-how-Transfer der europäischen Kinder-Unis. EUCU.NET macht unter anderem eine Bestandsaufnahme der laufenden Aktivitäten und erarbeitet Standards für die Organisation und Durchführung von Kinder-Unis. EUCU.NET wird für vorerst zwei Jahre von der Europäischen Kommission gefördert.
Lernen als Motor
Die Professoren der unterschiedlichen Disziplinen – Medizin, Archäologie, Mathematik, Astrologie u. a. – haben es normalerweise mit Studenten zu tun, die ihre Kurse teils aus Interesse belegen teils als Pflichtveranstaltung absolvieren. Wissbegierige Kinder sind eindeutig eine andere Klientel: Sie können Erwachsenen ein Loch in den Bauch fragen und sie manchmal ziemlich ratlos dastehen lassen. Außerdem müssen auch komplexe Zusammenhänge für sie verständlich und unterhaltsam aufbereitet werden.
Die Kinder-Uni verfolgt jedoch noch höhere Ziele: Sie soll die Neugier der Kinder wecken, sie für die Wissenschaft begeistern und die Hemmung vor der Institution Universität nehmen.
Die Begegnung von Kindern mit Wissenschaft hebt sich deutlich vom Schulalltag ab: Die Kinder-Unis sind binnen weniger Jahre ein fester Bestandteil der Bildungslandschaft geworden.
Eltern, die ihre Kinder auf den Campus schicken, versprechen sich mehr Bildung und mehr Wissen – etwas von dem man zweifellos nie genug bekommen kann.



