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Mythos Blaulichtschaden - Sind Displays eine Gefahr für Augen und Schlaf?
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Gesundheit

Mythos Blaulichtschaden - Sind Displays eine Gefahr für Augen und Schlaf?

Blaues Licht ist ein natürlicher Anteil des Sonnenlichts und auch des Lichts der meisten Lampen und Leuchten. Mit einer Wellenlänge von 400 bis 475 Nanometern bildet diese elektromagnetische Strahlung den kurzwelligsten Anteil des sichtbaren Lichts. An ihn grenzt das noch energiereichere, nicht sichtbare UV-Licht an.
Veröffentlicht
26. Februar 2022
Lesezeit
4 Minuten
Rubrik
Gesundheit
Artikelbild

Gettyimages, Pongchart

Blaues Licht ist ein natürlicher Anteil des Sonnenlichts und auch des Lichts der meisten Lampen und Leuchten. Mit einer Wellenlänge von 400 bis 475 Nanometern bildet diese elektromagnetische Strahlung den kurzwelligsten Anteil des sichtbaren Lichts. An ihn grenzt das noch energiereichere, nicht sichtbare UV-Licht an.

Wachmacher und Schlafstörer

In der Natur hat der blaue Lichtanteil eine wichtige Funktion als Zeitgeber für die innere Uhr von Mensch und Tier. Spezielle Sensoren in unseren Augen detektieren dieses energiereiche Licht und leiten ein Signal an das Gehirn weiter, das in die Produktion des Schlafhormons Melatonin eingreift. Wen wir morgens hellem Lampenlicht oder dem Sonnenlicht ausgesetzt sind, hat dies den positiven Effekt, dass es uns wach macht und die vom Schlafhormon ausgelöste Müdigkeit schnell vertreibt. Auch viele Stoffwechselprozesse werden durch dieses Lichtsignal beeinflusst.

Abends dagegen kann Licht mit einem hohen Blaulichtanteil unseren natürlichen Rhythmus stören. Denn dann benötigen wir das Melatonin, damit unser Körper zur Ruhe kommt und wie die nötige Bettschwere entwickeln. Während das eher rötliche Abendlicht der Sonne vergleichsweise wenig blaue Anteile enthält und daher die Melatonin-Ausschüttung nur wenig hemmt, ist dies bei Kunstlicht anders: Vor allem weiße LEDs, aber auch das Licht von Fernsehern, Smartphones oder Computerbildschirmen können die Produktion des Schlafhormons hemmen – und uns damit Schlafstörungen bescheren – so jedenfalls die gängige Ansicht.

Schadet die abendliche Handynutzung dem Schlaf?

Aber was ist dran am schlafraubenden Effekt der Displays und LEDs? Eine Studie hat dazu vor kurzem zumindest zum Teil Entwarnung gegeben. In ihr hatten Forscher das Schlafverhalten und die Schlafqualität von 167 Testpersonen verglichen, die in unterschiedlich starkem Maße dem bläulichen Licht ihres Smartphone-Displays ausgesetzt waren.

Eine Gruppe benutzte ihr Handy dabei ganz normal, ohne besondere Rücksicht auf die Tages- oder Nachtzeit zu nehmen. Die zweite Gruppe verwendet ihr Handy nur in der sogenannte "Nicht Shift"-Einstellung – bei dieser wird der blaue Anteil des Displaylichts stark gedimmt, so dass vorwiegend unkritische rötliche Lichtanteile die Augen erreichen. Die dritte Gruppe verzichtete ab einer bestimmten Zeit am Abend völlig auf die Handynutzung.

Nach sieben Tagen wurden die Testpersonen befragt und die Daten ihrer am Handgelenk getragenen Sensoren ausgewertet. Das Ergebnis: "Es gab keinen Unterschied in Bezug auf die Schlafqualität zwischen der Gruppe, die die Night Shift-Einstellung aktiviert hatte, und der Gruppe, die keine Night Shift-Funktion aktiviert hatte, oder der Gruppe derer, die gar kein iPhone genutzt hatten", berichtet Michael Bach vom Universitätsklinikum Freiburg.

Bei denjenigen, die regelmäßig länger schliefen als 6,8 Stunden pro Nacht, war die Schlafqualität aber ohne Handynutzung vor dem Schlafengehen etwas besser als mit Handy – egal ob dieses im Nachtmodus war oder nicht. Der Sehforscher empfiehlt jedoch: „Wer vor dem Einschlafen auf einem elektronischen Gerät lesen möchte, sollte eine maximale Helligkeit vermeiden – diese Empfehlung klingt trivial, ist aber richtig.“

Entwarnung auch für Netzhautschäden

Und was ist dran an der Annahme, dass das blaue Licht unseren Augen schaden kann? Angeblich soll es die Augen verstärkt ermüden und kann auf lange Sicht sogar Netzhautschäden hervorrufen. Auch hier geben Ophthalmologen Entwarnung – zumindest bei den gängigen Displays: „Die Lichtstärke bei der Nutzung elektronischer Geräte ist viel zu gering, um Netzhautschäden an den Augen hervorzurufen", sagt Bach.

Das illustriert auch dieser Vergleich: Die natürliche Beleuchtungsstärke im Freien bei bedecktem Winterhimmel beträgt in unseren Breitengraden etwa 5.000 Lux, an einem Sonnentag kann sie bis zu 100.000 Lux erreichen. Ein Computer-Bildschirm, selbst wenn er sehr hell eingestellt ist, bleibt bei einem Abstand von 50 Zentimetern jedoch unter 500 Lux. „Auch wenn Kinder durch Corona-bedingten Fernunterricht stundenlang vor Bildschirmen sitzen, sind zumindest Blaulicht- Augenschäden dadurch nicht zu befürchten“, sagt Bach.

Was bringen Bildschirmbrillen mit Blaufilter?

Und wie ist das mit der Augenermüdung durch blaues Licht? Augenoptiker und Internetanbieter bieten zum Schutz davor spezielle Brillen und Kontaktlinsen mit Blaufilter an. Was das bringt, haben US.-Forscher in einer Studie mit 120 Testpersonen überprüft. Alle Teilnehmer bekamen dafür eine angeblich Blaulicht-filternde Brille und sollten damit zwei Stunden lang am Computerbildschirm Aufgaben lösen. Was die Probanden nicht wussten: Nur die Hälfte von ihnen trug tatsächlich eine Brille mit Filter-Effekt, beim Rest war es Fensterglas.

Das Ergebnis: Weder die Befragung der Testpersonen noch Augenuntersuchungen konnten  hinterher einen signifikanten Unterschied feststellen. Die Augen der Teilnehmer mit Blaufilter waren nach der Bildschirmarbeit genauso müde oder fit wie die der Fensterglas-Probanden. Nach Ansicht der Forscher legt dies nahe, dass die Wirksamkeit solcher Sehhilfen zumindest in Bezug auf die Augenermüdung eher fragwürdig ist. Allerdings konnte die Studie nicht klären, wie es langfristig mit den Folgen des Display-Blaulichts aussieht – das müssen nun weitere Studien untersuchen.

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