Neue Studiengänge an deutschen Unis
Lernen & Familie

Neue Studiengänge an deutschen Unis

Bild: Foto: Frank Vincentz, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

Wie wär's mit einem MBA im Studiengang Cultural Engineering? Kein Problem mehr: Die zunehmende Vernetzung und Globalisierung der Informationsgesellschaft hat das deutsche Hochschulwesen eingeholt; neue interdisziplinäre Studiengänge wie Integrated Coastal Zone Management, Life Science, European Studies oder Cultural Engineering bilden mit modernem Know-how zwischen Flensburg und Passau die Global Player von morgen aus - in der Regel zwei- oder gar dreisprachig. Auch die "klassischen" Fächer der Wirtschaftswissenschaften, Jura, Medizin und Geisteswissenschaften werden von der Internationalisierung des Bildungssystems erfasst: Mittlerweile stellt sich fast jede deutsche Uni um: vom altehrwürdigen Magister und gestandenen Diplom auf angloamerikanische Abschlüsse wie Doppeldiplom (DD), Bachelor (BA), Master of Science (MSc), Master of Arts (MA) oder dem Master of Business Administration (MBA).

Wie wär's mit einem MBA im Studiengang Cultural Engineering? Kein Problem mehr: Die zunehmende Vernetzung und Globalisierung der Informationsgesellschaft hat das deutsche Hochschulwesen eingeholt; neue interdisziplinäre Studiengänge wie Integrated Coastal Zone Management, Life Science, European Studies oder Cultural Engineering bilden mit modernem Know-how zwischen Flensburg und Passau die Global Player von morgen aus - in der Regel zwei- oder gar dreisprachig. Auch die "klassischen" Fächer der Wirtschaftswissenschaften, Jura, Medizin und Geisteswissenschaften werden von der Internationalisierung des Bildungssystems erfasst: Mittlerweile stellt sich fast jede deutsche Uni um: vom altehrwürdigen Magister und gestandenen Diplom auf angloamerikanische Abschlüsse wie Doppeldiplom (DD), Bachelor (BA), Master of Science (MSc), Master of Arts (MA) oder dem Master of Business Administration (MBA).

Verstärkt “interdisziplinär” studieren

Spezialisierung bei der Arbeit ist wichtig und steigert die Effizienz. Heute sind auf dem Hochschul-Arbeitsmarkt allerdings neben Expertenwissen auch Kenntnisse in anderen Berufsbereichen gefragt. Ein Beispiel: Am Institut für Politikwissenschaft in Münster lehrt man neben der Internationalen Politik Grundkenntnisse der Internetsprache HTML und greift bei der Analyse des Neoliberalismus gerne auf spieltheoretische Überlegungen aus der Statistik zurück, mit denen in der Ökonomie Konsumentenentscheidungen simuliert werden können.

Das entscheidende Stichwort lautet "interdisziplinär" - diese Eigenschaft haben die meisten neuen Studiengänge gemeinsam. Sie blicken über den Tellerrand der eigenen Disziplin und nutzen Methoden anderer Wissenschaften. Kritiker interdisziplinärer Studiengänge führen dagegen ins Feld, dass das Wissen der Cultural Engineers oder Integrated Coastal Zone Manager weniger fundiert sei als das der Absolventen klassischer Einzelstudiengänge wie der BWL, Biologie oder Geografie.

Neue Lehrmethoden und Abschlüsse

Zudem hat sich die Lehre an den Hochschulen gewandelt. Ein neuer Wind hält Einzug: "Bummelstudenten" haben keine Chance bei den meisten neuen Studiengängen, die in der Regel nur zwei bis vier Jahre dauern. Anstelle von starren Vorlesungen rückt zudem projektbezogene Teamarbeit in überschaubaren Gruppen in den Mittelpunkt. Auf diese Weise bekommen die Studierenden die Gelegenheit, ihre "soft skills", wie soziale Kompetenz, Teamfähigkeit, emotionale Belastbarkeit und Kommunikationsfähigkeit zu verbessern.

Am Ende eines Studiums stehen auch in Deutschland neuerdings Abschlüsse, die sich - unter dem Gesichtspunkt der Globalisierung - an das angelsächsische Hochschulsystem anlehnen. Der Bachelor gilt dort als erster Hochschulabschluss. Die Studiendauer liegt etwa bei drei Jahren. Je nach Studienfachrichtung lautet der Abschluss bei Geisteswissenschaften z. B. Bachelor of Arts (BA), Ökonomen können mit einem Bachelor of Business Administration (BBA) graduieren. In Deutschland gibt es hierfür keine äquivalenten Titel, man neigt aber dazu, den Bachelor mit einer erfolgreichen Zwischenprüfung oder dem Vordiplom zu vergleichen. Das heißt: Hochschulabsolventen mit Bachelor-Abschluss sei geraten, weiter zu studieren, z. B. auf Master oder Promotion.

Master-Thesis heißt die Abschlussarbeit eines Master-Studiums. Der Master of Arts ist in etwa mit dem Magister-Titel zu vergleichen. Eine Abschlussarbeit ist aber nicht bei allen Master-Studiengängen Pflicht. In manchen Fällen reicht eine bestandene Abschlussprüfung zum Master. Neben dem Master of Arts gibt es im Bereich Wirtschaft bzw. Management den MBA, einen Master of Science in Business (MSB) oder den Master of Science in Industrial Administration (MSIA).

Der Postgraduate-Abschluss, wie zum Beispiel der MBA, ist ein Abschluss, der bereits einen ersten akademischen Titel voraussetzt, in der Regel den Bachelor. Zur Zeit ist der Zulassungsprozess zu einem Postgraduate-Studiengang an deutschen Hochschulen noch sehr unterschiedlich. Manchmal ist man für einen Postgraduate-Studiengang bereits mit einem Vordiplom qualifiziert, an anderen international renommierten Ausbildungsstätten wird ein volles Uni-Diplom verlangt.

Integrated Coastal Zone Manager: Meer und Mensch

Was genau lernen aber beispielsweise Integrated Coastal Zone Manager? "Früher erledigten spezialisierte Geografen, Städteplaner und Biologen diese Aufgaben", erklärt Thomas Klenke von der Uni Oldenburg das Fach Integrated Coastal Zone Management, das sich mit dem komplexen Verhältnis von Mensch und Meer beschäftigt. Seit dem Wintersemester 2001/02 lernen Studierende z. B. wie man etwa optimal ein Windenergie-Feld an der Küste plant oder wie die Fischereiwirtschaft an der Nordsee funktioniert und aufrechterhalten werden kann. In gewissem Maß sei der Oldenburger Studiengang mit dem unmittelbaren Bezug zur Nordsee weltweit einzigartig, so Klenke. Deshalb hätten sich für die kommenden Semester aus der ganzen Welt bereits Interessenten fürs Küsten-Management gemeldet.

Die Konsequenz: Der Mix aus Erdkunde, Raumplanung, Landschaftsökologie und Wirtschaft ist zulassungsbeschränkt - und nur für Postgraduates möglich, d.h. für Studierende, die bereits einen Bachelor-Abschluss im Rucksack haben oder ein anderes sechssemestriges Studium mit Leistungsnachweisen vorweisen können. Und weil das Coastal Zone Management-Studium lediglich vier Semester dauert, müssen sich Interessenten auf einen harten Studienalltag vorbereiten. Der Fleiß zahlt sich aus: Maritime Organisationen oder Behörden wie die EU suchen Meeres-Experten, die ebenfalls im Management zu Hause sind.

Life Science: Dem Leben auf der Spur

Wem das Küsten-Management zu maritim ist, seine berufliche Zukunft aber dennoch den Naturwissenschaften widmen will, sollte über den Studiengang Life Science an der Uni Hannover nachdenken. Der künftige "Life Scientist" verbindet die Erkenntnisse aus Biologie und Chemie und muss zusätzlich kräftig Bioinformatik, Bioprozesstechnik, Protein- und Naturstoffchemie büffeln. Die Studierenden können mit einem Bachelor of Science nach sechs Semestern oder mit einem Master of Science nach weiteren vier Semestern abschließen. Jobsorgen müssen sich künftige Life Science-Bachelors oder Masters nicht machen. Die Biotechnologie-Branche boomt - und verspricht eine goldene Zukunft. Der Einsatz im Umweltschutz oder der Landwirtschaft ist ebenfalls vorstellbar.

Cultural Engineering: Arbeiten als Schnittstellen-Manager

Für alle, die sich gerne sowohl mit Kultur und Informatik als auch mit Jura und BWL beschäftigen möchten, bietet die Uni Magdeburg seit dem Wintersemester 2001/02 den Studiengang Cultural Engineering an, der alle diese Module zum einem interessanten Wissensmix verquickt. Als "Schnittstellen-Manager" würde Doris Alfert, die den Kultur-Studiengang koordiniert, die Arbeit eines Cultural Engineers übersetzen - "Kultur-Ingenieur" klingt in ihren Ohren zu sehr nach Bühnentechniker. Als allroundfähiger Schnittstellen-Manager könnte man flexibel in Unternehmen eingesetzt werden, z. B. im Marketing, im PR-Bereich, im Personalwesen oder in der Medienberatung.

Auf die Frage, was Cultural Engineers einem klassischen Marketing-BWLer voraushaben, antwortet Alfert: "Bei uns lernen die Leute mehr über geisteswissenschaftliche Hintergründe". Außerdem: Im Gegensatz zu den meisten BWL-Lehrveranstaltungen, die zurzeit hoffnungslos überfüllt sind, findet die Ausbildung zu Cultural Engineers mit Bachelor-Abschluss in überschaubaren Kleingruppen statt

Das neue Kultur-Fach hat sich mittlerweile in Deutschland herumgesprochen. "Fast täglich kommen mittlerweile Anfragen zum Studium herein", erzählt die Dozentin. Deshalb arbeiten die Magdeburger Kulturwissenschaftler an einer Zulassungsbeschränkung. Dabei will man allerdings auf einen internen Numerus Clausus im weiteren Sinne verzichten. Die Kulturwissenschaftler stellen sich eher ein Bewerbungsschreiben mit einem Essay vor.

Europa-Profi in Hannover werden

Wer sich ebenfalls eine Zukunft als Consulter mit geisteswissenschaftlichem Hintergrund vorstellen kann, der z. B. Verbände, Organisationen oder politische Parteien berät, sollte sich über Aufbaustudiengänge in der Politikwissenschaft informieren, die immer häufiger an Instituten für Politikwissenschaft mit Master of Arts-Abschluss angeboten werden. An der Uni Hannover beispielsweise können sich Absolventen eines sozialwissenschaftlichen Studiums darum bewerben, am Master-Studiengang Europäische Integration teilnehmen zu dürfen. In vier Semestern wird eine profilierte Ausbildung vermittelt, die Studierende mit wissenschaftlichen Forschungen zur europäischen Politik, Geschichte, Kultur, Gesellschaft, Wirtschaft und dem EU-Rechtssystem vertraut macht. Gute bis sehr gute Englisch-Kenntnisse gehören übrigens mittlerweile in der Politikwissenschaft zum absoluten Muss.

Buch-Tipps

Online bestellen:

Birgit Giesen: Das MBA-Studium

Mehr aus Lernen & Familie

Weitere aktuelle Artikel aus der Rubrik Lernen & Familie.

Alle Lernen & Familie-Artikel
Universität Regensburg: Eine Zusatzmessung halbiert Fehlerrate von Quantenbits
Lernen & Familie

Universität Regensburg: Eine Zusatzmessung halbiert Fehlerrate von Quantenbits

4. November 2026

Forscher aus Regensburg zeigen: Eine einzige zusätzliche Messung vor Rechenoperationen senkt die Fehlerrate von Quantenbits um mehr als die Hälfte – ein möglicher Baustein für künftige Quantencomputer.

Universität Hohenheim und Max-Rubner-Institut suchen Rezeptur mit weniger Nitrit in Wurst
Lernen & Familie

Universität Hohenheim und Max-Rubner-Institut suchen Rezeptur mit weniger Nitrit in Wurst

3. November 2026

Seit Oktober 2025 gelten in der EU strengere Grenzwerte für Nitrit und Nitrat in Wurst und Schinken. Ein deutsch-belgisches Forschungsteam sucht nun Rezepturen, die trotzdem sicher und schmackhaft bleiben.

Bessere Noten in Deutsch: Mit diesen Tipps klappt es Schritt für Schritt
Lernen & Familie

Bessere Noten in Deutsch: Mit diesen Tipps klappt es Schritt für Schritt

21. Oktober 2026

Bessere Noten in Deutsch gelingen, wenn man die eigenen Schwächen genau kennt, regelmäßig übt, Textanalysen strukturiert aufbaut und sich bei Bedarf gezielt Unterstützung holt. Dieser Beitrag ordnet die wichtigsten…

Medizinstudium in Deutschland: Wie die Studienplatzvergabe wirklich funktioniert
Lernen & Familie

Medizinstudium in Deutschland: Wie die Studienplatzvergabe wirklich funktioniert

14. Oktober 2026

Einen festen Numerus clausus, den man vor der Bewerbung nachschlagen könnte, gibt es für Humanmedizin in Deutschland nicht. Die Grenzwerte, die nach jeder Vergaberunde kursieren, sind das Ergebnis eines mehrstufigen…

← Zurück zu Lernen & FamilieZur Startseite