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Rund ums Bier: Was Südamerika mit Pils zu tun hat und warum Bier gesund sein kann
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Gesundheit

Rund ums Bier: Was Südamerika mit Pils zu tun hat und warum Bier gesund sein kann

Ohne die Seefahrer und Entdecker des 15. Jahrhunderts gäbe es heute vermutlich weder Pils noch Bockbier. Denn für deren Brauprozess wird Bierhefe benötigt, die schon bei niedrigen Temperaturen gärt. Diese aber gab es vor dem 15. Jahrhundert in Europa nicht. Deshalb kannte man hier nur obergärige Sorten ähnlich dem…
Veröffentlicht
26. Februar 2022
Lesezeit
3 Minuten
Rubrik
Gesundheit
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Ohne die frühen Entdecker gäbe es kein Pils

Ohne die Seefahrer und Entdecker des 15. Jahrhunderts gäbe es heute vermutlich weder Pils noch Bockbier. Denn für deren Brauprozess wird Bierhefe benötigt, die schon bei niedrigen Temperaturen gärt. Diese aber gab es vor dem 15. Jahrhundert in Europa nicht. Deshalb kannte man hier nur obergärige Sorten ähnlich dem heutigen Kölsch, Weißbier oder Ale.

Vor rund 500 Jahren jedoch änderte sich dies: In Süddeutschland kultivierten Braumeister erstmals eine neue Hefesorte, die schon bei 4 bis 9°C gärte. Mit dieser untergärigen Bierhefe wurden nun auch Biersorten wie Pils, Bockbier, Lager oder Export möglich. Aber woher kam diese Hefe? Die Antwort entdeckten Forscher vor einigen Jahren durch Zufall: In Patagonien stießen sie auf Gallen an Buchenholz, in denen sich eine zuvor unbekannte Hefevariante fand. Gen-Analysen zeigten, dass diese Hefe einst von den ersten Entdeckungsreisenden und Händlern nach Europa eingeschleppt worden sein muss - möglicherweise in Holzstücken oder sogar im Bauch von Fruchtfliegen. Dort kreuzte sich dieser Hefepilz-Sorte mit der einheimischen Bäckerhefe und es entstand die Hefeart Saccharomyces carlsbergensis – der "Urvater" der hiesigen Bierhefe.

Bier ist gut für die Knochen

Das wird die Biertrinker freuen: Wissenschaftler haben festgestellt, dass der Gerstensaft gut für die Knochen ist. Denn er liefert Silizium in Form der Orthokieselsäure – und damit ein wichtiges Mineral, die der Körper für den Knochenaufbau benötigt. Das Silizium in Form der Orthokieselsäure ist zu immerhin 50 Prozent vom Körper nutzbar und hat damit eine hohe Bioverfügbarkeit. Allerdings: Der genaue Gehalt dieses Minerals schwankt von Biersorte zu Biersorte stark: In vielen dunkleren Bieren fanden die Forscher nur 6,4 Milligramm pro Liter, in vielen helleren immerhin bis zu 56,5 Milligramm.

Ursache für diese Unterschiede ist zum einen die Röstung des Malzes: Hellere Biere gehen auf nur leicht geröstetes Gerstenmalz zurück, dabei werden die Siliziumverbindungen weniger Hitzestress ausgesetzt und bleiben besser erhalten. Aber auch der Hopfengehalt spielt eine Rolle, weil Hopfen sogar vier Mal mehr Silizium enthält als die Gerste. Biere mit hohen Konzentrationen von gemälzter Gerste und Hopfen sind daher am silikatreichsten. Weizenbier dagegen enthält nur wenig  von dem gesunden Mineral, denn Weizen ist siliziumärmer.

Bier macht jung – zumindest Hefen

Bier und andere alkoholhaltige Getränke gelten allgemein nicht gerade als sonderlich gesundheitsfördernd. Aber zumindest auf die Zellalterung scheint sich Bier eher positiv auszuwirken – jedenfalls bei Hefen. Denn setzten Forscher diese einzellligen Pilze geringen Mengen Alkohol aus, wie sie etwa einem Glas Bier entsprechen, dann begannen sich diese sogar zu verjüngen: Die Enden ihrer Chromosomen wuchsen an, das wiederum verlängerte die Lebensdauer der Zellen. Dummerweise ist bisher allerdings nicht klar, ob sich dieser Effekt auch auf den Menschen übertragen lässt.

Warum auch alkoholfreies Bier für Alkoholiker gefährlich sein kann

Bier macht Durst auf mehr. Für viele Alkoholiker ist genau das ein Problem. Denn selbst wenn sie nur alkoholfreies Bier trinken, weckt dies in ihnen einen erhöhten Drang zum Trinken. Aber warum? Häufig wird vermutet, dass dies am Restalkohol liegt, der in winzigen Mengen auch im alkoholfreien Gerstensaft enthalten ist. Doch das stimmt nicht, wie US-Forscher kürzlich herausfanden. Der Grund für die gesteigerte Trinklust beim Biergenuss liegt nämlich woanders.

Bei ihrer Untersuchung stellten die Forscher fest, dass der Genuss von alkoholfreiem Bier im Gehirn ihrer Versuchspersonen deutliche Veränderungen aus: In den Belohnungszentren wurde der Botenstoff Dopamin ausgeschüttet. Dieses gilt als Glückshormon und als der Botenstoff, der auch für Süchte eine entscheidende Rolle spielt. Denn er löst Glücksgefühle und im Extremfall einen Rausch aus, sein Fehlen weckt aber bei Entzug auch den Drang, rückfällig zu werden.

Genau dieses Glückshormon aber wird bei Biertrinkern schon dann freigesetzt, wenn die Zunge nur das Bieraroma schmeckt. Das wiederum löst im Gehirn einerseits Wohlgefühl, andererseits die suchttypische Gier nach mehr aus. "Das ist unseres Wissens nach das erste Experiment, das zeigt, dass schon der Geschmack eines alkoholischen Getränks - selbst ohne Alkohol - diese Dopamin-Reaktion in den Belohnungszentren des Gehirns auslösen kann", erklärt David Kareken vom Indiana Alcohol Research Center.

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