Schlafprobleme: Wenn das Tablet den Schlaf raubt
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Schlafprobleme: Wenn das Tablet den Schlaf raubt

Bild: Foto: Santasantaxxx, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Wer sich spät am Abend noch mit Tablet, Handy und Co beschäftigt, kann später oft schlecht einschlafen. Schuld daran ist das bläuliche Licht des Bildschirms. Seine Wellenlängen wirken auf unser Nervensystem wie Tageslicht: Sie hemmen die Ausschüttung von Müdigkeitshormonen und rauben uns damit den Schlaf. Technische Lösungen können diesem Effekt entgegenwirken.

Schlaf ist für unsere Gesundheit unverzichtbar. Der Körper braucht die Ruhepausen, um sich zu erholen und zu regenerieren. Heilungsprozesse etwa laufen dabei schneller ab als im wachen Zustand – und das Gehirn kann in dieser Phase Abfälle loswerden und Erinnerungen speichern. Doch für all diese lebenswichtigen Prozesse bleibt unserem Organismus oft nur wenig Zeit.

Denn wenn nach einem langen Tag abends Ruhe eingekehrt ist, greifen viele Menschen zu Laptop oder Tablet: Erwachsene schreiben vor dem Schlafengehen eine Email, checken die Nachrichtenlage oder schauen eine Serie. Teenager verschicken noch schnell ein paar Selfies oder chatten mit Freunden. Schneller als gedacht ist auf diese Weise wieder einer Stunde vergangen und der Schlaf in weite Ferne gerückt.

Schlafen wir zu wenig?

Als Folge sind die Nächte kurz: Im Durchschnitt kommen wir nur auf etwa 6,5 Stunden Schlaf pro Nacht. Zu wenig, sind viele Experten überzeugt. "Man nimmt an, dass die Erfindung des elektrischen Lichts, gefolgt von Technologien wie Fernsehen, Internet und Co den Schlaf des modernen Menschen gegenüber der natürlichen Dauer verkürzt und stört", sagt Jerome Siegel von der University of California in Los Angeles.

Doch stimmt das wirklich? Um das zu überprüfen, haben der Wissenschaftler und seine Kollegen das Schlafverhalten von Naturvölkern untersucht, die von der modernen Zivilisation noch völlig unberührt sind. Das erstaunliche Ergebnis: Diese Menschen schlafen genauso kurz wie wir – auch ohne Lichtschalter, TV-Gerät und Smartphone.

Schlaflosigkeit – ein modernes Problem

Weniger als acht oder neun Stunden zu schlafen ist demnach womöglich gar kein krankhaftes Symptom der modernen Gesellschaft. Etwas Anderes hingegen schon: Schlaflosigkeit. Während heutzutage bis zu zwanzig Prozent aller Menschen unter Einschlafproblemen und unruhigen Nächten leiden, kennen die von Siegel untersuchten Völker noch nicht einmal ein Wort für dieses Leiden.

Schuld an den Schlafstörungen könnte wiederum sehr wohl die Technik sein. Genauer: Das helle, bläuliche Licht, mit dem LEDs Tablet, Laptop oder Handy beleuchten. Das Licht dieser Wellenlängen, dessen Blaufärbung wir gar nicht wahrnehmen, beeinflusst unseren Schlaf-Wach-Rhythmus erheblich.

Blaues Licht hält wach

Licht ist für den Takt unserer inneren Uhr von großer Bedeutung: Das Licht der Sonne sorgt dafür, dass der interne Zeitmesser mit dem 24-Stunden-Takt einer Erdumdrehung gleichgeschaltet wird und die richtigen Körpervorgänge zur passenden Zeit in Gang gesetzt werden. So schüttet die Zirbeldrüse im Gehirn bei Dunkelheit das Schlafhormon Melatonin aus und macht uns müde. Helligkeit hingegen hemmt die Sekretion dieses Botenstoffs.

Dabei hat nicht nur die Sonne, sondern auch elektrisches Licht diesen Effekt – und blaues Licht unterbindet die Ausschüttung der Müdigkeitshormone besonders effektiv. Der Grund: Spezielle Photorezeptoren, die Lichtsignale an die innere Uhr im Gehirn weiterleiten, reagieren auf blaue Wellenlängen um 480 Nanometer sehr viel empfindlicher als auf Licht aus anderen Bereichen des Spektrums. Unser Hirn interpretiert solches Licht als Tageslicht.

Ein Teufelskreis

Nur knapp 40 Minuten einer Glühbirne reichen bereits aus, um die Menge an ausgeschüttetem Melatonin um die Hälfte zu drosseln. Moderne LEDs senden noch wesentlich mehr blaues Licht aus und wirken dementsprechend stärker. Studien zeigen etwa, dass Jugendliche bis zu eine Stunde verzögert Einschlafen, wenn sie die Zeit vor dem Schlafengehen an PC, Spielekonsole, TV, Handy oder Tablet verbringen.

Die Einschlafprobleme werden oft zu einem echten Teufelskreis: Wer nicht einschlafen kann, widmet sich weiter dem Bildschirm. Das wiederum verhindert nun erst recht den Schlaf. Forscher empfehlen daher, die Geräte am besten schon zwei bis drei Stunden vor dem Zubettgehen auszuschalten und gar nicht erst mit ins Schlafzimmer zu nehmen. Das würde neben dem Lichteffekt auch ein weiteres Schlafhindernis beseitigen: Möglicherweise aufregende Medieninhalte, die uns emotional aufwühlen und eine entspannte Nachtruhe ebenfalls erschweren.

Gelbes Display für eine gute Nacht

Doch auch wer auf elektronische Unterhaltung im Bett nicht verzichten möchte, kann für eine erholsame Nacht etwas tun. Spezielle Apps oder Einstellungen sorgen beispielsweise dafür, dass sich die Zusammensetzung des Bildschirmlichts je nach Tageszeit verändert: Nach Sonnenuntergang erscheint das Display vermehrt in Gelb- und Rot-, aber weniger Blautönen. Mit dem Sonnenaufgang kommen die blauen Wellenlängen wieder hinzu. Eine gute Alternative sind zudem E-Book-Reader ohne LED-Anzeige, die sich lesen lassen wie bedrucktes Papier.

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