Seuchen
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Seuchen

Bild: Foto: Theodor Paul, Public domain, via Wikimedia Commons

So genannte Pestsäulen in den Städten sind Zeugnisse der Ohnmacht des Menschen gegenüber → Naturgewalten biologischer Art. Dies zeigen Inschriften wie “Von Pest, Hunger und Krieg, befreie uns, o Herr!”. Die World Health Organisation (WHO) verzeichnete nach dem Zweiten Weltkrieg einen drastischen Rückgang der quarantänepflichtigen Krankheiten: Cholera, Pest, Flecktypus, Pocken, Gelbfieber. Ansteckende Massenerkrankungen tauchen jedoch immer wieder neu auf. AIDS ist das jüngste Beispiel.

Pest:

Die Pest, der "Schwarze Tod", war wohl die bislang verheerendeste Seuche in der Menschheitsgeschichte. Über 20 Millionen Menschen, ein Viertel der damaligen Bevölkerung, starben von 1346 bis 1352 in Europa. Anzeichen der Beulenpest sind rasende Kopfschmerzen mit Erbrechen; angeschwollene Lymphknoten bilden blaue oder schwarze Beulen am Körper, Bluthusten und Atemnot. Unbehandelt verläuft die Infektion nach drei bis fünf Tagen tödlich. 1894 entdeckte der schweizerische Tropenmediziner Alexandre Yersin (1863-1943), dass die Beulenpest von dem später nach ihm benannten Bakterium Yersinia pestis verursacht wird. Das Bakterium wird vom Rattenfloh auf den Menschen übertragen. Vom Menschen auf andere Menschen können die Bakterien durch Tröpfcheninfektion übertragen werden. Bei frühzeitiger Erkennung wird die Pest heute durch Antibiotika meist problemlos geheilt. Zur Vorbeugung dient das Fernhalten von Ratten in Wohnstätten.

Cholera:

Die bis in das 19. Jahrhundert auf Asien beschränkte Cholera verbreitete sich in den letzten Jahren über die ganze Welt. Sie bricht regelmäßig in Hunger- und Krisengebieten aus. Das Bakterium Vibrio cholerae und seine Varietäten werden über das Trinkwasser aufgenommen. Sie haften auf der Darmwand und bewirken starken Durchfall und Erbrechen. Durch den hohen Wasser- und Elektrolyt-Verlust tritt der Tod meist durch Kreislauf- oder Nierenversagen ein.

Grippe:

Zu den gefährlichen Seuchen gehört auch die Grippe. Die erste bezeugte Epidemie großen Ausmaßes trat 1173 in Europa auf. Seit dem 14. Jahrhundert wanderten Grippewellen alle 20 bis 30 Jahre um den ganzen Erdball. 1918/19 starben an der Spanischen Grippe in Europa ca. 20 Millionen Menschen. Die Asiatische Grippe 1957 und die Hongkong-Grippe 1968 verliefen einfacher. Erreger der Grippe sind die Influenzaviren. Sie werden durch Tröpfcheninfektion übertragen.

Groß angelegte Impfungen haben den Seuchen wie Pocken den Schrecken genommen. Viele dieser gefährlichen Krankheiten scheinen heute ausgerottet. In den letzten Jahren ist jedoch die Bereitschaft zum Impfen zurückgegangen, sodass längst besiegt geglaubte Infektionskrankheiten über Nacht wieder auftauchen. Hinzu kommt die zunehmende Resistenz der Erreger gegen Antibiotika, das zur Bekämpfung von bakteriellen Infektionen eingesetzt wird.

HIV:

Die Seuche unserer Zeit schlechthin ist AIDS (Acquired Immune Deficiency Syndrome/erworbenes Immunschwächesyndrom). Verschiedene Human Immundeficiency Viren (HIV), sie gehören zu den so genannten Retroviren, sind die Ursache dieser Krankheit. Die Übertragung der Viren kann nach heutigem Forschungsstand beim Kontakt mit infizierten Körperflüssigkeiten wie Blut und Genitalsekreten, aber auch über die Plazenta im Mutterleib und während des Geburtsvorgangs stattfinden. AIDS wird seit 1981 als eigenständiges Krankheitsbild verstanden. Die Infizierten zeigen ein variierendes Krankheitsbild geprägt durch eine herabgesetzte zelluläre Immunität, Lymphknotenschwellungen und oft tödlich verlaufender einhergehender Infektionen. Prognosen Ende der 1980er Jahre über die Infektionsgeschwindigkeit ließen Weltuntergangsszenarien entstehen. Ein Sofortprogramm zur Bekämpfung von AIDS lief 1987 mit über 500 Millionen DM an. Das Verhältnis von AIDS-Kranken zur Gesamtbevölkerung beträgt zur Zeit ungefähr in Deutschland 1:5000, in Italien 1:1500, in Frankreich und der Schweiz 1:1300, in Spanien 1:900. Die Deutsche AIDS-Hilfe sowie bundesweite Aufklärungskampagnen und Forschungsprojekte im medizinischen und psychosozialen Bereich trugen dazu bei, dass in Deutschland die Ausbreitung von AIDS weit unter den Vorhersagen blieb.

Hämorrhagische Fieber:

Über die Medien gelangen immer wieder neue Seuchen, ausgelöst etwa durch Ebola- oder Hanta-Viren, in das Bewusstsein der Weltöffentlichkeit. Sowohl Ebola- als auch Hanta-Viren verursachen Fieber mit inneren und äußeren Blutungen, so genanntes hämorrhagisches Fieber. Es sind aber keineswegs neue Infektionskrankheiten. Sie treten seit langem in örtlich begrenzten Gebieten auf. Durch den weltweiten Massentourismus ist aber auch bei zunächst lokal verbreiteten Krankheiten erhöhte Vorsicht geboten.

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