Sexualität: Neue Verhütungsmittel für den Mann
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Sexualität: Neue Verhütungsmittel für den Mann

Bild: Foto: YitzhakNat, CC0, via Wikimedia Commons

Wollen Männer in Sachen Verhütung Verantwortung übernehmen, ist die Auswahl übersichtlich: Ihnen bleibt das Kondom oder als drastischer Schritt die Vasektomie. Während für Frauen in der Vergangenheit zahlreiche neue Methoden zur Empfängnisverhütung entwickelt worden sind, tut sich im Männerbereich seit geraumer Zeit nichts – genauer: seit der Erfindung des Kondoms.

Wollen Männer in Sachen Verhütung Verantwortung übernehmen, ist die Auswahl übersichtlich: Ihnen bleibt das Kondom oder als drastischer Schritt die Vasektomie. Während für Frauen in der Vergangenheit zahlreiche neue Methoden zur Empfängnisverhütung entwickelt worden sind, tut sich im Männerbereich seit geraumer Zeit nichts – genauer: seit der Erfindung des Kondoms.

Tatsächlich entstand die Idee für dieses Verhütungsmittel bereits im 16. Jahrhundert. Seit den Anfängen mit Überziehern aus Leinen hat sich das Präservativ zugegebenermaßen deutlich gewandelt. Komplett neue Mittel für Männer sind seither jedoch nicht entstanden. Und das, obwohl Wissenschaftler seit Jahrzehnten an Alternativen forschen.

Hormonspritze gescheitert

Das Problem: Spermien zum Beispiel mithilfe einer Pille für den Mann befruchtungsunfähig zu machen, scheint ein schwieriges Unterfangen zu sein. Zwar haben Forscher schon etliche Wirkstoffe entdeckt, die die Samenzellen hemmen können. Den Weg aus dem Labor hat bislang jedoch noch kein Medikament geschafft.

Besonders hochgehandelt hatten Experten noch bis vor Kurzem eine hormonelle Verhütungsspritze für Männer. Viele hatten das Mittel im Geiste wohl schon in den Apothekerregalen vor sich gesehen. Doch auch dieser Ansatz scheiterte: So musste im November 2016 eine Studie zu der Spritze abgebrochen werden, weil Probanden über Akne, veränderte Libido oder Stimmungsschwankungen klagten – Nebenwirkungen, die Frauen bei der Pille seit Jahrzehnten ertragen.

Skurril: Das Samenleiterventil soll den Spermienfluss mittels Kippschalter regulieren.

Spermienfluss an – oder aus

Auch weil die Zweifel groß sind, ob sich Männer wie viele ihrer Partnerinnen freiwillig Hormone in den Körper jagen lassen wollen, experimentieren Forscher und Tüftler inzwischen längst mit weiteren, nicht-hormonellen Ansätzen. Clemens Bimek ist einer von ihnen. Der gelernte Tischler hat ein Ventil entwickelt, das in den Samenleiter eingesetzt wird und den Zufluss der Spermien nach Bedarf regulieren kann.

Der Mann, so die Idee, kann nach einer kurzen Operation beliebig zwischen Verhütung und Zeugungsabsicht hin und her wechseln: mithilfe eines durch die Haut tastbaren Kippschalters. Ähnlich wie nach einer Vasektomie enthält das Ejakulat bei geschlossenem Ventil nur noch Sekrete der Geschlechtsdrüsen.

Was skurril und genial zugleich klingt, hat jedoch einen Haken: Bislang trägt das Samenleiterventil von der Größe eines Gummibärchens nur der Erfinder selbst. Für klinische Studien fehlt bislang das Geld und damit auch der Nachweis, dass die Methode verlässlich wirkt und sicher ist – eine notwendige Voraussetzung für die Zulassung als Medizinprodukt.

Vielversprechendes Vasalgel

Wissenschaftler der aus Spenden und Drittmitteln finanzierten Forschungsstiftung Parsemus wollen den Spermien den Weg mithilfe eines Polymergels versperren. Das sogenannte Vasalgel wird in den Samenleiter injiziert und bildet dort für die aus den Hoden aufsteigenden Keimzellen eine unüberwindbare Barriere – offenbar mit Erfolg. Dass das Mittel funktioniert, haben die Forscher bereits im Tierversuch mit Kaninchen bewiesen.

Zuletzt spritzten sie das Gel zudem sechzehn ausgewachsenen Makaken. Auch bei den Affen zeigte sich das Gel wirkungsvoll. Obwohl einige der tierischen Probanden zwei Jahre lang fast ununterbrochen mit Weibchen zusammenlebten, wurde keine der Affendamen schwanger. Außerdem beobachtete das Team kaum Nebenwirkungen und konnte die Verhütung mit einem Lösungsmittel ganz einfach wieder beenden.

Nicht lukrativ genug?

Obwohl die Methode bislang nicht am Menschen erprobt ist, weckt sie in Fachkreisen neue Hoffnung. Ob sich das Vasalgel oder auch das Samenleiterventil eines Tages tatsächlich durchsetzen, vermag im Moment allerdings noch niemand zu sagen.

Ein Problem ist, dass die Entwicklung der neuen Verhütungsmethoden teuer ist und für große Pharmakonzerne gleichzeitig kaum Anreize bietet. Schließlich verdienen sie an den etablierten Mitteln bereits sehr gut. "Gerade langfristig wirkende Verhütungsmittel bringen nicht das große Geld", erklärt die Parsemus-Stiftung. "Es ist deutlich lukrativer, Frauen jeden Monat eine neue Schachtel Tabletten zu verkaufen."

Hinzu kommt: Pille und Co sind bei Frauen auch deshalb so beliebt, weil sie damit die Kontrolle über die Verhütung behalten. Kurzum: Sie müssen sich nicht auf den Mann verlassen. Auch das beste Männer-Verhütungsmittel taugt eben nur etwas, wenn es wirklich angewendet wird.

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