Sind "gute" Schulen gut für die Karriere?
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Sind "gute" Schulen gut für die Karriere?

Bild: Foto: RA Dr. jur. Hans G. Müsse, Hechingen, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

Eltern wünschen sich für ihre Kinder nur das Beste - das gilt natürlich auch in Sachen Schule. Neben einer guten Erreichbarkeit und einer angenehmen Lernatmosphäre spielen zwei Faktoren bei der Auswahl häufig eine ganz entscheidende Rolle: Das Leistungsniveau an der Schule soll möglichst hoch sein und die Schülerschaft aus "gutem Hause" stammen. Dies, so die Hoffnung, gibt dem Sprössling die besten Chancen, erfolgreich zu sein und später Karriere zu machen.

Eltern wünschen sich für ihre Kinder nur das Beste - das gilt natürlich auch in Sachen Schule. Neben einer guten Erreichbarkeit und einer angenehmen Lernatmosphäre spielen zwei Faktoren bei der Auswahl häufig eine ganz entscheidende Rolle: Das Leistungsniveau an der Schule soll möglichst hoch sein und die Schülerschaft aus "gutem Hause" stammen. Dies, so die Hoffnung, gibt dem Sprössling die besten Chancen, erfolgreich zu sein und später Karriere zu machen.

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Doch stimmt das auch? Tatsächlich muss der Besuch einer "guten" Schule nicht automatisch gut für alle sein, die sie besuchen. Zu diesem Schluss sind nun Wissenschaftler um Richard Göllner von der Universität Tübingen gelangt. Sie hatten untersucht, wie sich die Zusammensetzung der Schülerschaft auf Faktoren wie die Leistungserwartung, den Bildungserfolg sowie das spätere Einkommen und das Berufsprestige einzelner Schüler auswirkt.

Erfolgsfaktor Bildungshintergrund

Zu diesem Zweck wertete das Forscherteam Daten einer Langzeitstudie in den USA aus. Für die Studie wurden im Jahr 1960 rund 380.000 High-School-Schüler befragt. Etwa 85.000 konnten nach elf Jahren und immerhin noch 2.000 von ihnen nach 50 Jahren erneut befragt werden. Göllner und seine Kollegen schauten sich die Leistungen der Schüler in Mathematik und Englisch an und werteten deren Antworten auf Fragen nach Bildungszielen und den Berufserfolg aus. Dabei stellten sie einmal einen Bezug zum Bildungsabschluss der Eltern und einmal einen Bezug zum durchschnittlichen Leistungsniveau der besuchten Schule her.

Das Ergebnis: Wie erwartet zeigte sich, dass Schüler in Schulen, in denen die Elternschaft im Durchschnitt einen höheren Bildungsabschluss aufwies, auch höhere Erwartungen an ihre eigene akademische Karriere zeigten - und zwar unabhängig von dem Bildungshintergrund der eigenen Eltern. Diese Schüler verdienten sowohl nach elf als auch nach 50 Jahren mehr und hatten angesehenere Berufe als Kinder aus Schulen, an denen die meisten Eltern mittlere oder niedrigere Bildungsabschlüsse hatten.

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Leistungsstarke Schülerschaft als Nachteil

Ein gegenteiliger Effekt fand sich hingegen für das Leistungsniveau: War das Leistungsniveau an der Schule hoch, hatten die Schüler nach Berücksichtigung ihres eigenen sozialen Hintergrunds und ihrer Schulleistungen weniger hohe Erwartungen an ihre eigene akademische Karriere. Ein höheres Leistungsniveau in der Klasse birgt demnach eher die Gefahr, dass einzelne Kinder hinter ihren Möglichkeiten zurückzubleiben. Was ist der Grund für dieses überraschende Phänomen?

"Der ständige Vergleich mit besseren Mitschülern, aber auch nachteilige Beurteilungen durch Lehrkräfte führen dazu, dass die Erwartungen an die eigenen Fähigkeiten und Fertigkeiten sinken", berichtet Göllner. Das hat offenbar langfristige Folgen: So arbeiteten betroffene Schüler später in weniger prestigeträchtigen Berufen und verdienten auch weniger als Personen, die als Kinder Schulen mit einem niedrigeren Leistungsniveau besucht hatten.

Psychologische Bedürfnisse beachten

Solche potenziellen negativen Effekte einer insgesamt leistungsstarken Schülerschaft abzumildern, sei deshalb auch eine tägliche Herausforderung für Lehrer, konstatieren die Wissenschaftler. Wie sie betonen, sind die Ergebnisse der Untersuchung darüber hinaus relevant für die Diskussion um die Leistungsdifferenzierung im Schulsystem. "Die Studie zeigt, dass es naiv ist zu denken, dass leistungsstarke Mitschüler langfristig automatisch zu besseren Ergebnissen führen", sagt Göllners Kollege Ulrich Trautwein. "Wer bei Reformen des Schulsystems die psychologischen Bedürfnisse der Schüler vergisst, tut diesen keinen Gefallen."

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