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Sonnige "Droge" fürs Gehirn
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Gesundheit

Sonnige "Droge" fürs Gehirn

Untersuchungen zeigen zum Beispiel: Stattet man Büroarbeitsplätze mit Lampen mit einem für Tageslicht typischen Blauanteil aus, verbessert sich die Konzentrationsfähigkeit der Mitarbeiter. Ähnliche Beobachtungen haben Forscher auch bei Schülern gemacht. Sie sind aufmerksamer und leistungsstärker, wenn im…
Veröffentlicht
26. Februar 2022
Lesezeit
2 Minuten
Rubrik
Gesundheit
Artikelbild

iStock.com, Wavebreakmedia

Untersuchungen zeigen zum Beispiel: Stattet man Büroarbeitsplätze mit Lampen mit einem für Tageslicht typischen Blauanteil aus, verbessert sich die Konzentrationsfähigkeit der Mitarbeiter. Ähnliche Beobachtungen haben Forscher auch bei Schülern gemacht. Sie sind aufmerksamer und leistungsstärker, wenn im Klassenzimmer eine dem natürlichen Licht nachempfundene Beleuchtung herrscht.

Licht-Kur für Demenzkranke

Vermutlich kommt der positive Effekt dadurch zustande, dass die Lampen den Organismus wie im Freien stimulieren: Sie regen die Ausschüttung von Botenstoffen wie Serotonin an und wirken auf diese Weise unter anderem Trägheit und Müdigkeit entgegen. Doch die Kraft des Lichts reicht offenbar noch viel weiter: Es scheint selbst Menschen mit schweren neuronalen Defiziten helfen zu können, wie Studien nahelegen.

Wissenschaftler haben inzwischen zum Beispiel Indizien dafür gefunden, dass sich eine möglichst helle Beleuchtung am Tag positiv auf nächtliche Verwirrtheitszustände von Alzheimerkranken auswirken kann. Einige Untersuchungen deuten zudem darauf hin, dass gezielte Lichtbehandlungen auch eine generelle Verbesserung der kognitiven Fähigkeiten herbeiführen - zumindest bei Patienten mit leichter Demenz.

Artikelbild

iStock.com, kbwills

Dumm durch Dämmerlicht?

Wie groß der Einfluss des Lichts auf unser Denkvermögen tatsächlich sein könnte, darauf haben Experimente mit Ratten erst im vergangenen Jahr erstaunliche Hinweise geliefert: Joel Soler von der Michigan State University in East Lansing und seine Kollegen ließen Nager vier Wochen lang tagsüber weitgehend im Dunkeln sitzen, die Tiere bekamen nur sehr schwaches Licht zu sehen.

Dieser Lichtentzug hatte einen drastischen Effekt: Nach der langen Phase im Dämmerlicht waren die tierischen Probanden offenbar kognitiv eingeschränkt. Sie lernten und erinnerten sich schlechter als zuvor. Beispielsweise schnitten sie bei einem Navigationstest, bei dem sie sich die räumliche Position einer unter Wasser versteckten Plattform merken mussten, deutlich schlechter ab.

Artikelbild

iStock.com, JohnnyGreig

Veränderte Gehirnstruktur

Warum, zeigte ein Blick ins Gehirn der Nager. So hatte sich durch den Lichtmangel die Struktur ihres Denkorgans sichtbar verändert. Im Hippocampus war weniger eines für das Wachstum neuer Neuronen und Synapsen wichtigen Wachstumsfaktors vorhanden. Zudem fehlten bereits etliche Verbindungsstellen zwischen den Neuronen - die Kommunikation der Nervenzellen war gehemmt. Durch eine intensive Licht-Kur ließ sich dieser Effekt später wieder rückgängig machen.

"Diese Ergebnisse zeigen, dass Tageslicht nicht nur die kognitive Leistungsfähigkeit, sondern sogar die strukturelle Plastizität des Gehirns beeinflusst", erklären die Forscher. Doch wie ist dieser Effekt zu erklären? Soler und seine Kollegen glauben, dass das Licht neben Neurotransmittern wie Serotonin auch die Produktion eines bedeutenden Neuropeptid-Hormons namens Orexin beeinflusst - eine Substanz, die vielfältige Hirnfunktionen steuert.

Gelten diese Zusammenhänge auch beim Menschen, verdeutlicht dies einmal mehr, wie groß die Macht des Lichts über unseren Körper ist. Über welche Mechanismen Tageslicht im Detail auf unser Gehirn wirkt, wollen Wissenschaftler in Zukunft weiter erforschen. Von den Erkenntnissen könnten müde Schüler und Schichtarbeiter dann eines Tages ebenso profitieren wie Patienten mit neurodegenerativen Erkrankungen, so die Hoffnung.

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