Sprachenlernen mit Methode
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Sprachenlernen mit Methode

Bild: Foto: Massimilianogalardi, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

Rund 2,4 Millionen Europäer – davon jeder dritte aus Deutschland – wandern zwischen 1860 und 1870 in die Vereinigten Staaten aus. Einer aus diesem Millionenheer ist ein begabter junger Mann aus dem Schwarzwald namens David Berlizheimer. Er gründet eine Sprachschule, baut ein weit verzweigtes Unternehmen auf und ist bald ein gemachter Mann. Heute gehört die global operierende Firma zu einem japanischen Konzern. Aber nehmen wir die Spur von Maximilian D. Berlitz auf – wie er sich in der Neuen Welt nannte – und skizzieren seinen Lebensweg und die Erfolgsstory des von ihm gegründeten Unternehmens.

Vom Schulmeister zum Unternehmer

Berlitz lässt sich zunächst in Westerly im Staat Rhode Island nieder und schlägt sich mit Gelegenheitsarbeiten – unter anderem für einen Uhrmacher – durchs Leben. In Westerly heiratet er auch. Das Ehepaar bekommt zwei Töchter. Bald zieht es die Familie in die Hauptstadt Providence, wo der sprachbegabte Berlitz 1875 an der lokalen High School Latein und Griechisch unterrichteten kann. Danach wechselt er als Lehrer für Französisch und Deutsch an ein abgewirtschaftetes Business College. Schnell ist er Leiter und auch Eigentümer dieses Instituts, das 1878 zu seiner ersten Berlitz-Sprachenschule umgewandelt wird.

Jetzt beginnt der rasante Aufstieg des kleinen Schulmeisters von Providence zum erfolgreichen Lehrmeister für Fremdsprachen. Schon im ersten Jahr hat er 226 Schüler, denen ein dreimonatiger Sprachkurs in Deutsch, Französisch oder Latein immerhin zehn Dollar wert ist. In dieser Zeit entwickelt Berlitz seine Lernmethode und eröffnet 1880 auch in Boston ein Sprachzentrum. Diesem folgen weitere in New York und Washington. Professionell vermarktet er sowohl die neue Methode als auch sich selbst als kompetenten Fachmann für Sprachdidaktik. 1888 reist er nach Europa, um in Berlin, Paris und London Dependancen seiner Schule zu gründen.

Zu Gast bei den Großen der Welt

Der eloquente Mann mit dem großen Schnauzbart schwimmt auf einer ungeahnten Erfolgswelle. Der größte Coup: Kaiser Wilhelm II. höchstpersönlich lädt ihn 1890 nach Berlin ein, um Englisch-Unterricht zu bekommen. Wir wissen nicht, wie sich Majestät dabei angestellt haben – aber die prominente Schülerschaft spricht sich bis St. Petersburg herum, so dass auch Zar Nikolaus II. Berlitz bittet, ihm die notwendigen Englisch-Brocken beizubringen, die er benötigt, um sich mit dem Autobauer Henry Ford über Geschäftliches unterhalten zu können.

Ehren und Orden gibt es für Berlitz vom spanischen König und vom Sultan von Marokko. Höchste Auszeichnungen erhält er auf der Pariser Weltausstellung 1900. Inzwischen zählt er in seinem Imperium über 100 Schulen mit mehr als 30 000 Schülern.

Kerngeschäft Sprachtraining

Nach dem Tod des Gründers im Jahr 1921 übernimmt der Schwiegersohn und Teilhaber Victor Harrison-Berlitz die Firma. Danach wechseln die Besitzer häufig. 1989 geht das Unternehmen an die Börse. Seit 1993 gehört es dem führenden japanischen Verlag für Fernunterrichtsprogramme, der Benesse Corporation. Der Name “Benesse” setzt sich zusammen aus lateinisch bene (gut) und esse (leben, sein). Heute gibt es weltumspannend weit über 450 Sprachcenter in mehr als 50 Ländern der Erde – und die Zahl soll sich noch erhöhen.

Im Februar dieses Jahres trennt sich der Konzern von seinem Verlagsbereich ’Sprachen und Reise’. Die 590 Berlitz-Titel in 21 Buchreihen übernimmt die Langenscheidt Verlagsgruppe Berlin/München. “Wir freuen uns sehr”, erklärt James R. Kahl, Chairman Berlitz International, Inc. “Dieser Abschluss erlaubt Berlitz die Konzentration auf das Kerngeschäft: Sprachtraining und Übersetzungsdienstleistungen.” Wie zu Zeiten des aus dem Württembergischen zugewanderten Maximilian D. Berlitz.

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