Mediziner, Architekten, Anwälte oder Manager – wenn es um typische und gutdotierte Akademikerberufe geht, gehören sie wahrscheinlich zu den "Klassikern". Auch wer BWL oder das meist mit hohen Kosten verbundene Kulturmanagement studiert, hofft nach Studienende auf einen gutbezahlten Job. Doch leider ist das keineswegs garantiert.
Hier verdienen Einsteiger am wenigsten
Je nach Studienrichtung und Branche müssen auch Akademiker heute damit rechnen, vor allem anfangs nicht gerade üppig zu verdienen. In welchen zehn Berufen Absolventen trotz Hochschulzeugnis mit niedrigen Einstiegsgehältern rechnen müssen, hat erst kürzlich das Vergleichsportal Gehalt.de anhand von 1.720 Gehaltsdatensätzen ermittelt. Ausdrücklich ausgeklammert wurden dabei Trainee-Positionen und Volontariate.
Das Ergebnis: Zu den Akademiker-Berufen mit den niedrigsten Einstiegsgehältern gehört die Sporttherapie, das Kulturmanagement, die Sozialarbeit sowie die Arbeit als Texter, Grafiker oder Redakteur. Einsteiger verdienen damit im Jahr etwa um 30.000 Euro. Auch wer nach einem Hotelfachstudium an der Rezeption arbeitet oder als BWLer als Vertriebsassistent, liegt mit dem Einstiegsgehalt in diesem Bereich. Damit liegt man bei diesen Berufen kaum höher als bei einem gutbezahlten Ausbildungsberuf.
Geisteswissenschaften sind weniger lukrativ
„Mit steigender Berufserfahrung erhöhen sich die Gehälter, doch in einigen Berufen bleibt das Einkommen auch für Akademiker auf einem verhältnismäßig niedrigen Niveau“, berichtet Philip Bierbach von Gehalt.de. Das betrifft besonders oft Absolventen aus den Geistes- und Sozialwissenschaften sowie Kommunikationsdesigner. Absolventen aus diesen Bereichen müssen mit niedrigen Einstiegsgehältern und oft nur begrenzten Steigerungen rechnen.
Einer der Gründe dafür: Viele Absolventen solcher Studiengänge haben zum Abschluss noch kein eindeutiges Berufsprofil. Sie lernen zwar im Studium viel Fachwissen, dieses ist aber nur selten direkt in die Praxis umsetzbar. Das spiegelt sich dann in der Einstiegsvergütung wider: „Die fehlenden fachlichen Qualifikationen erlernen Studenten der Geistes- und Sozialwissenschaften oft erst in Praktika und zum Berufseinstieg“, so Bierbach.
Auf die Branche kommt es an
Einen entscheidenden Einfluss auf das Gehalt übt auch die jeweilige Branche aus. So sind das Hotelgewerbe sowie der Kulturbereich schwächer vergütete Branchen. Das gilt ebenso für die Berufe des Sozialpädagogen oder Sporttherapeuten. Auch kreative Berufe werden für die meisten keine Geldgrube – vor allem dann nicht, wenn die Konkurrenz groß ist. „Es gibt derzeit beispielsweise viele Grafiker und Web-Designer auf dem Markt, wodurch entsprechende Vakanzen schneller besetzt werden, ohne mit hohen Gehälter zu locken“, erklärt Bierbach.
Es mag überraschen, aber auch ein Abschluss in Betriebswirtschaft ist heute längst kein Garant mehr für eine lukrative Karriere. Hier kommt es stark darauf an, wo und als was man einen Job bekommt – und auch hier drückt ein Überangebot die Gehälter. Ebenfalls lange nicht mehr so lukrativ ist der einstige Prestigeberuf Architekt: Dieser Beruf gehört heute sogar zu den zehn mit den geringsten Einstiegsgehältern. Zudem muss man auch später damit rechnen, als Architekt nur noch mäßige Jahresgehälter zu bekommen, weil die Auftragslage in der Baubranche stark schwankt.
„Wer mit einem hohen Jahreseinkommen starten möchte, sollte sich bei der Studien- und Branchenwahl ausreichend informieren“, empfiehlt Bierbach. Aber er betont auch: Geld ist nicht alles. Im Gegenteil: Nur wer sich für seine Aufgaben und den Job begeistern kann und motiviert ist, der wird auch langfristig beruflich und persönlich erfolgreich sein.



