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Szenenwissen – Woher weiß ich, wo ich suchen muss?
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Gesundheit

Szenenwissen – Woher weiß ich, wo ich suchen muss?

Wer in einem fremden Haushalt nach der Milch sucht, weiß, dass er in die Küche gehen, den Kühlschrank öffnen und in der Tür suchen muss. Geschirr dagegen suchen wir entweder auf dem Tisch oder im Schrank. Wollen wir ein Flugzeug erspähen, blicken wir dagegen meist instinktiv nach oben. Schon Säuglinge und…
Veröffentlicht
26. Februar 2022
Lesezeit
2 Minuten
Rubrik
Gesundheit
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Wer in einem fremden Haushalt nach der Milch sucht, weiß, dass er in die Küche gehen, den Kühlschrank öffnen und in der Tür suchen muss. Geschirr dagegen suchen wir entweder auf dem Tisch oder im Schrank. Wollen wir ein Flugzeug erspähen, blicken wir dagegen meist instinktiv nach oben. Schon Säuglinge und Kleinkinder lernen, welche Objekte sie üblicherweise an welcher Stelle im Raum finden. Forscher nennen dies "Szenenwissen".

Alles hat seinen Platz

„Die meisten Menschen halten die Leichtigkeit, mit der sie sich in ihrer Umgebung zurecht finden, Objekte wahrnehmen und mit ihnen interagieren, für selbstverständlich“, sagt die Kognitions-Psychologin Melissa Vo von der Goethe-Universität Frankfurt. Doch selbstverständlich ist das keineswegs. Wir verdanken dieses instinktive Verstehen der räumlichen Zusammenhänge einem Wissen, das wir in der frühen Kindheit erworben haben und das unsere reine Wahrnehmung ergänzt.

Wir haben früh gelernt, dass der Aufbau unserer Umgebung und von Handlungsszenen bestimmten Gesetzmäßigkeiten folgt. Zur Wahrnehmung kommt damit das Wissen über die Anordnung von Gegenständen im Raum. So ruhen die meisten Gegenstände auf einer horizontalen Ebene – das bewirken schon die Gesetze der Schwerkraft.

Szenenwissen und Grammatikwissen ähnlich?

Wie wir reagieren, wenn diese uns vertraute Ordnung durchbrochen wird, hat Vo hat in einem Experiment getestet. Sie zeigte Versuchspersonen Bilder von schwebenden Objekten und untersuchte mittels Ableitung der Hirnströme, wie ihr Gehirn darauf reagiert. Das Ergebnis: „Das EEG zeigt dann ähnliche Ausschläge wie beim Hören oder Lesen eines grammatikalisch falschen Satzes“, sagt Vo.

Aus diesen und weiteren Beobachtungen schließen Forscher, dass unser Szenenwissen im Gehirn tatsächlich ähnlich angelegt wird unser Grammatik-Verständnis – vielleicht sogar in den gleichen Hirnbereichen. Immerhin geht es ja auch bei der Grammatik darum instinktiv zu wissen, wo bestimmte Wortarten in einem Satz stehen und wo sie nicht hingehören.

Vielleicht, so hofft Vo, könnten man auf Basis dieser Verknüpfung sogar Früherkennungstests für eine Lese-Rechtschreibschwäche entwickeln: Man fragt bei Kleinkindern lange vor dem Schulalter das Szenenwissen ab und kann so auf spätere Defizite auch beim Sprachverständnis schließen. Ob das aber funktionieren könnte, muss erst noch erforscht werden.

Roboter auf Stofftiersuche

Wie schwierig es ist, ohne unser Szenenwissen auszukommen, zeigt sich beispielsweise in der Computertechnik: „Während ein Kleinkind das geliebte Stofftier ohne Schwierigkeiten unter einer Bettdecke findet, stellt dies für Roboter oder Bildverarbeitungsprogramme ein schier unlösbares Problem dar“, erklärt die Forscherin. Die Software der Roboter weiß einfach nicht, dass ein Stofftier zum Kuscheln genutzt wird und daher oft nachts im Bett liegt. Daher kann sie auch nicht schlussfolgern, dass es sich dort am ehesten verbergen wird.

Auch Computern und Robotern ein Szenenwissen zu vermitteln, könnte aber sehr hilfreich sein, beispielsweise um Haushaltsroboter für ältere Menschen oder Behinderte zu verbessern. Vo und ihre Kollegen arbeiten daher weiter daran, genauer herauszufinden, wie unser Szenenwissen funktioniert und wie wir es genau erwerben.

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