Tattoos - Körperschmuck mit Risiken
Gesundheit

Tattoos - Körperschmuck mit Risiken

Bild: Foto: Nevit Dilmen (talk), CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

Ob Arschgeweih oder echte Körperkunst: Tätowierungen liegen im Trend. Schon der Gletschermann Ötzi schmückte sich vor 5.000 Jahren mit rätselhaften Tattoos in Form von Strichen und Kreuzen. Später machten sich unter anderem die Maya und die Maori in Neuseeland auf diese Weise fein - und auch die frühen europäischen Seefahrer entdeckten durch ihre Reisen die Kunst der dauerhaften Hautdekoration für sich.

Ob Arschgeweih oder echte Körperkunst: Tätowierungen liegen im Trend. Schon der Gletschermann Ötzi schmückte sich vor 5.000 Jahren mit rätselhaften Tattoos in Form von Strichen und Kreuzen. Später machten sich unter anderem die Maya und die Maori in Neuseeland auf diese Weise fein - und auch die frühen europäischen Seefahrer entdeckten durch ihre Reisen die Kunst der dauerhaften Hautdekoration für sich.

Heute hat die Beliebtheit von Tätowierungen einen neuen Höhepunkt erreicht. In Deutschland zieren inzwischen jeden fünften Körper gestochene Bilder. Unter den 25- und 30-jährigen Frauen ist sogar jede zweite tätowiert, wie eine aktuelle Untersuchung der Universität Leipzig zeigt. Keine Frage: Tattoos sind in der Öffentlichkeit geradezu omnipräsent. Umso erstaunlicher ist, dass bisher vergleichsweise wenig über die Risiken diskutiert wird, die von dem Körperschmuck ausgehen können.

Einfallstor für Krankheitserreger

Tatsächlich ist die Hautdekoration jedoch nicht ganz ohne - das fängt schon beim Akt des Stechens an. Denn mit der Nadel fügt der Tätowierer der Haut eine Verletzung zu. Wie bei einer Schürfwunde können über dieses Eintrittstor Schmutzpartikel, Bakterien und Viren in den Körper gelangen.

Im harmlosesten Fall ist eine Entzündung die Folge, die nach wenigen Tagen wieder verschwindet. Durch mangelnde Hygiene im Studio kann es allerdings auch zu schweren Infektionen kommen. Im schlimmsten Fall steckt man sich als Kunde gar mit HIV oder Hepatitis an.

Achtung, Allergiegefahr!

Auch die Tattoo-Tinte selbst stellt ein potenzielles gesundheitliches Risiko dar. So können viele der darin enthaltenen Inhaltsstoffe allergische Reaktionen auslösen - von Pigmenten und Farbstoffen, bis hin zu Binde- und Konservierungsmitteln. Nicht selten geraten auch Verunreinigungen wie Kobalt oder das hautunverträgliche Nickel in die Farben.

Was die Tätowiermittel jenseits von Allergien im Körper verursachen können, liegt zum größten Teil noch völlig im Dunkeln. Doch erste wissenschaftliche Erkenntnisse zu dieser Frage lassen aufhorchen. Zum Beispiel fanden Forscher kürzlich heraus: Pigmente wie das oft in der Farbe Schwarz enthaltene Ruß oder das weiße Titandioxid bleiben mitnichten ein Leben lang in der Haut. Stattdessen lösen sich kleinste Nanopartikel davon ab, wandern durch den Organismus und reichern sich in den Lymphknoten an.

Krebserzeugende Zerfallsprodukte

Um bewerten zu können, ob durch solche Effekte gesundheitliche Langzeitfolgen zu befürchten sind, fehlt es an aussagekräftigen Untersuchungen - etwa epidemiologischen Studien: "Das einzige, was wir haben, ist ein unkoordinierter Versuch, den im Prinzip alle Tätowierten an sich selbst durchführen - mit offenem Ergebnis", konstatiert der Experte für Chemikalien- und Produktionssicherheit, Andreas Luch, in einer Publikation des Bundesinstituts für Risikobewertung.

Selbst das Entfernen von Tattoos scheint nicht ohne Risiko zu sein. Denn beim Lasern zerfallen die Farbpigmente in der Haut in zum Teil toxische Stoffe. Untersuchungen zeigen, dass bei diesem Vorgang etwa Blausäure und Benzol oder als krebserzeugend geltende aromatische Amine entstehen können.

Steril muss es sein

Wer sich eine Tätowierung stechen lassen möchte, sollte sich der möglichen Risiken bewusst sein - und selbst ein bisschen dafür tun, damit der Körperschmuck nicht zum gesundheitlichen Fiasko wird. Auf die Risiken Einfluss nehmen können Stechwillige unter anderem durch die Wahl des Tattoo-Studios.

Dabei ist nicht nur ein gepflegter Gesamteindruck entscheidend: Der Verbraucherzentrale zufolge sollten Tätowierer nur steril verpackte Nadeln und Instrumente verwenden und zu Einmal-Farbtuben greifen. Auch das Wasser zum Verdünnen der Farben sollte aus sterilen Einwegpackungen stammen. Gewissenhafte Körperbemaler nutzen zudem nur Farben mit Prüfzertifikat. Um auf Nummer sicher zu gehen, sollten sich Kunden schriftlich bestätigen lassen, dass die Produkte der deutschen Tätowiermittel-Verordnung entsprechen.

Mehr aus Gesundheit

Weitere aktuelle Artikel aus der Rubrik Gesundheit.

Alle Gesundheit-Artikel
Gesundheitsreform 2026: Was sich für Patienten beim Zahnersatz verändert
Gesundheit

Gesundheitsreform 2026: Was sich für Patienten beim Zahnersatz verändert

29. Oktober 2026

Ab 2027 ändern sich die Festzuschüsse beim Zahnersatz: Der Anteil der gesetzlichen Krankenkassen sinkt von 60 auf 50 Prozent der Regelversorgung, auch die Bonusheft-Zuschüsse werden reduziert. Was Patienten zur…

Makrophagen-Signal TIMD4 hält chronische Darmentzündung am Laufen
Gesundheit

Makrophagen-Signal TIMD4 hält chronische Darmentzündung am Laufen

22. Oktober 2026

Eine Studie in PLOS Biology zeigt, wie das Molekül TIMD4 in Makrophagen den AMPK-Signalweg aktiviert und dadurch Chemokin-Produktion unterdrückt. Ein Peptid-Nanopartikel könnte diese Effekte abschwächen.

Wissenswertes zum Thema: Oralchirurgie und Zahnimplantologie
Gesundheit

Wissenswertes zum Thema: Oralchirurgie und Zahnimplantologie

20. Oktober 2026

Oralchirurgie und Zahnimplantologie beschäftigen sich mit chirurgischen Eingriffen im Mund- und Kieferbereich. Dieser Beitrag ordnet die Fachgebiete, erklärt den Ablauf einer Weisheitszahn-OP und zeigt, worauf bei der…

Gut versorgt von Anfang an: Nährstoffe bei Kinderwunsch, Schwangerschaft und Stillzeit
Gesundheit

Gut versorgt von Anfang an: Nährstoffe bei Kinderwunsch, Schwangerschaft und Stillzeit

20. Oktober 2026

Viele Frauen beschäftigen sich erstmals intensiv mit ihrer Nährstoffversorgung, sobald ein Schwangerschaftstest positiv ausfällt. Dabei entscheidet sich ein wichtiger Teil der frühkindlichen Entwicklung in den ersten…

← Zurück zu GesundheitZur Startseite