Tinnitus: Was tun gegen das Klingeln im Kopf?
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Tinnitus: Was tun gegen das Klingeln im Kopf?

Bild: Foto: Nevit Dilmen (talk), CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

Es piept, rauscht, zischt oder knattert: Wer unter Tinnitus leidet, nimmt Töne wahr, die eigentlich nicht da sein dürften. Die Phantomgeräusche haben keine äußere Schallquelle und setzen sich trotzdem hartnäckig im Ohr fest. Ihr eigentlicher Kern jedoch liegt im Kopf. Wir erklären, wie Tinnitus entsteht – und wie man lernt, mit ihm zu leben.

Ohrgeräusche kennt fast jeder. Sie tauchen ganz plötzlich auf, vergehen aber glücklicherweise genauso schnell wieder. Bei manchen Menschen nisten sich die Töne jedoch über Tage, Wochen, Monate und sogar Jahre ein: Der Tinnitus wird zum steten Begleiter. Für rund drei Millionen Menschen in Deutschland gehört er zum alltäglichen Leben dazu.

Häufig sind es hohe Pfeif- und Piepgeräusche, die die Betroffenen wahrnehmen. Ein Tinnitus kann sich aber auch in einem Rattern, Zischen, Rauschen oder tiefen Brummen äußern. "Genau genommen ist die Zahl der verschiedenen Geräuschempfindungen mindestens ebenso hoch wie die Zahl der Menschen, die Ohrgeräusche haben", schreibt die Selbsthilfeorganisation Deutsche Tinnitus-Liga.

Tinnitus entsteht meist im Gehirn

Doch woher kommen die Töne? In ganz seltenen Fällen ist für die Geräusche im Ohr tatsächlich eine objektive Schallquelle verantwortlich. Muss zum Beispiel in der Nähe des Ohrs Blut durch verengte Gefäße strömen, kann man das mitunter hören. Auch ein untersuchender Arzt ist in so einem Fall in der Lage, diese Töne wahrzunehmen.

In der Regel nimmt jedoch nur der Tinnitus-Patient selbst die Geräusche im Ohr wahr. Es handelt sich somit um Phantomgeräusche, Mediziner sprechen von einem subjektiven Tinnitus. Und der entsteht nicht im Ohr, sondern im Gehirn – darüber sind sich Wissenschaftler heute weitestgehend einig.

Kompensationsversuche als Auslöser

Die möglichen Auslöser für dieses Phänomen sind vielfältig. Oft entwickelt sich ein Tinnitus durch Störungen des Hörsystems, zum Beispiel bei Schwerhörigkeit, einem Hörsturz oder nach Lärmschäden. Defekte wie zerstörte Haarzellen im Innenohr führen dann dazu, dass die Betroffenen bestimmte Frequenzen weniger gut oder gar nicht mehr hören können.

Den fehlenden auditiven Input versucht das Gehirn zu kompensieren. Eine gängige Theorie geht davon aus, dass Neuronen der Hörrinde, die keine Signale von den geschädigten Haarzellen mehr erhalten, auf Informationen benachbarter Nervenzellen zurückgreifen. Die Frequenzen, die diese repräsentieren, sind durch die Fehlschaltung überrepräsentiert – und bilden nun das störende Geräusch.

Die eine konkrete Ursache für die Phantomgeräusche auszumachen, ist in vielen Fällen jedoch nicht möglich. Bei bis zu 45 Prozent der Patienten können Mediziner keinen eindeutigen körperlichen Auslöser des Tinnitus finden, er heißt dann idiopathischer Tinnitus.

Chronische Geräusche plagen Körper und Geist

Hält das lästige Klingeln im Ohr länger als drei Monate an, ist der Tinnitus chronisch. Während manche Betroffene mit den andauernden oder immer wieder auftretenden Begleittönen im Alltag gut zurechtkommen, sind die Geräusche für andere Patienten mit einem hohen Leidensdruck verbunden.

Bei ihnen wird der Tinnitus zu einer Krankheit, die sich massiv auf Körper und Geist auswirkt. Zu den lästigen Geräuschen kommen bei diesen Betroffenen oft Beschwerden wie Geräuschüberempfindlichkeit sowie Schlaf- und Konzentrationsstörungen hinzu. Darüber hinaus können die Ohrengeräusche psychischen Stress bis hin zu Depressionen auslösen. Umgekehrt vermag Stress den Tinnitus zu verschlimmern.

Gewöhnung statt Heilung

Während ein akuter Tinnitus häufig von selbst wieder verschwindet, ist dem chronischen Leiden jedoch nur schwer beizukommen. Es gilt als nicht heilbar. Das bedeutet aber nicht, dass Patienten nichts gegen ihre Phantomgeräusche unternehmen können.

Weil medikamentöse Behandlungen umstritten sind, setzten etliche Ansätze wie das sogenannte Retraining heute vermehrt an der subjektiven Wahrnehmung des nervigen Klingelns an. Denn ob das Geräusch im Ohr zur Belastung wird, ist auch eine Frage der Aufmerksamkeit und Emotionen. Wer seinem Tinnitus viel Bedeutung beimisst und ihn mit negativen Gefühlen verbindet, kann ihn kaum ausblenden. Stress und Angst verstärken dann das Geräusch noch.

Mithilfe von Verhaltenstherapien, Musik und speziellen Rauschgeneratoren können Patienten lernen, dem Ohrgeräusch weniger Bedeutung beizumessen – kurzum: sich daran zu gewöhnen. Und auch das Gehirn kann durch solche Therapien dazu angeregt werden, das Ohrgeräusch stärker zu unterdrücken.

Im Idealfall gelingt es so, den Tinnitus subjektiv verschwinden oder zumindest leiser werden zu lassen. Aber selbst wenn das Ohrgeräusch bleibt, lernt man im Verlauf der Tinnitus-Therapie, besser damit zu leben. Statt eines besorgniserregenden "Leidens" ist Tinnitus dann nur noch eine Randerscheinung wie viele andere Phänomene unseres Körpers und Alltags auch.

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