Tipps für Berufseinsteiger: Die erste Gehaltsverhandlung
Lernen & Familie

Tipps für Berufseinsteiger: Die erste Gehaltsverhandlung

Bild: Foto: Nootsh, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Nach der Universität heißt es, den ersten Job ergattern. Klar, dass man als Einsteiger nicht so viel verdient wie als berufserfahrener Bewerber. Dennoch sollte man schon am Anfang nicht davor zurückschrecken, beim Gehalt zu verhandeln. Was man dabei beachten sollte und warum sich das oft lohnt, erklärt Verhandlungsexperte Remigiusz Smolinski.

Auch für Hochschul-Absolventen ist es heute längst nicht mehr leicht, einen passenden Job zu finden. Wer ein Vorstellungsgespräch ergattert hat, scheut sich daher oft, beim künftigen Gehalt lange zu verhandeln oder mehr Geld zu verlangen als vom Personaler angeboten – aus Angst, damit seine Jobchancen zu schmälern.

"Sich nicht unter Wert verkaufen"

Doch das muss nicht so sein, im Gegenteil: Wer gute Argumente vorbringen kann und Verhandlungsgeschick zeigt, der kann sogar einen besonders guten Eindruck hinterlassen. Hinzu kommt: Die Bedeutung des Gehalts für die langfristige Beziehung mit dem Arbeitgeber sollte nicht unterschätzt werden. Deshalb ist es von Beginn an wichtig, sich nicht unter Wert zu verkaufen.

Meist verfolgen Personalverantwortliche beim Recruiting neuer Mitarbeiter drei Ziele, wie der Verhandlungsexperte Remigiusz Smolinski von der HHL Leipzig Graduate School of Management erklärt: "Sie wollen möglichst die besten Mitarbeiter finden, dabei die Budgets nicht überschreiten und die Begeisterung des Bewerbers für das Unternehmen und den Job befeuern." Doch gerade in diesem Kontext kann sich das Nachverhandeln lohnen.

Smolinski gibt einige Tipps dazu, wie man diese erste wichtige erste Gehaltsverhandlung richtig angeht. Er ist Gründer der jährlich stattfindenden Weltmeisterschaft in Verhandlungsführung: "The Negotiation Challenge".

Der Versuch lohnt sich fast immer

Smolinski kennt die Tricks der Personaler. Ein fixes Gehalt für Absolventen etwa soll deutlich machen, dass am vorgegebenen Einstiegsgehalt nichts zu machen sei. Eine augenscheinlich fehlende Verhandlungsbereitschaft ist jedoch kein Grund, nicht trotzdem den Versuch zu starten und das Gespräch zu suchen. Zudem neigen Recruiter dazu, ihr erstes Angebot am unteren Ende des möglichen Gehaltsrahmens zu platzieren.

Deshalb: Nicht gleich annehmen, sondern nachverhandeln und austesten, was an Potential herauszuholen ist. Bei hervorragenden Kandidaten sind Firmen meist dazu bereit, Ausnahmen zu machen und sich auf Gehalts-(Nach-)Verhandlungen einzulassen.

Gute Vorbereitung ist die halbe Miete

Zunächst sollte man möglichst viele Daten sammeln. Dazu gehören Informationen wie Durchschnittsgehälter von Absolventen seines jeweiligen Studiengangs und der Tätigkeit, aber auch wo man im Ranking des eigenen Jahrgangs steht. Daraus lassen sich ein konkretes Wunschgehalt sowie die minimale Gehaltsvorstellung ableiten, an der als Untergrenze auch festgehalten werden sollte.

Hilfreich ist es auch, den möglichen Ausgang des Gesprächs gedanklich durchzuspielen – positiv wie negativ. Das nimmt Unsicherheit und Stress während der Gehaltsverhandlung. Die Klarheit darüber, dass die Verhandlungen durchaus auch nicht nach den eigenen Vorstellungen verlaufen können, verhindern, dass man ins Straucheln gerät. Zur guten Vorbereitung gehört es deshalb auch, eine konkrete Alternative in petto zu haben, rät der Verhandlungsexperte.

Manchmal kann auch eine weitere Verhandlungstaktik den Erfolg bringen: Man legt zunächst seine Argumente vor, stellt dann aber nicht selbst eine Forderung, sondern dreht den Spieß um: Man bittet den Personaler, ein faires Angebot zu unterbreiten. Wichtig dabei ist der Hinweis, dass dieses Angebot dann nicht nachverhandelt, sondern vom Bewerber entweder angenommen oder abgelehnt wird. Studien zeigen, dass die Gehaltsofferte in diesen Fällen meist vergleichsweise großzügig ausfällt.

Mit selbstsicherem Auftreten überzeugen

Studien zeigen, dass der Ehrgeiz von Absolventen positiv mit ihren Verhandlungsergebnissen korreliert. Ein selbstbewusstes und positives Auftreten, das die Begeisterung und Leidenschaft für die anstehenden Aufgaben betont, ist in jedem Falle ratsam. Denn in vielen Fällen kann das dazu beitragen, den Gegenüber zu überzeugen und für die eigene Offerte zu gewinnen. Wer dann noch vernünftig und flexibel für den eigenen Gehaltswunsch argumentieren kann, hat durchaus gute Chancen.

Mehr aus Lernen & Familie

Weitere aktuelle Artikel aus der Rubrik Lernen & Familie.

Alle Lernen & Familie-Artikel
Universität Regensburg: Eine Zusatzmessung halbiert Fehlerrate von Quantenbits
Lernen & Familie

Universität Regensburg: Eine Zusatzmessung halbiert Fehlerrate von Quantenbits

4. November 2026

Forscher aus Regensburg zeigen: Eine einzige zusätzliche Messung vor Rechenoperationen senkt die Fehlerrate von Quantenbits um mehr als die Hälfte – ein möglicher Baustein für künftige Quantencomputer.

Universität Hohenheim und Max-Rubner-Institut suchen Rezeptur mit weniger Nitrit in Wurst
Lernen & Familie

Universität Hohenheim und Max-Rubner-Institut suchen Rezeptur mit weniger Nitrit in Wurst

3. November 2026

Seit Oktober 2025 gelten in der EU strengere Grenzwerte für Nitrit und Nitrat in Wurst und Schinken. Ein deutsch-belgisches Forschungsteam sucht nun Rezepturen, die trotzdem sicher und schmackhaft bleiben.

Bessere Noten in Deutsch: Mit diesen Tipps klappt es Schritt für Schritt
Lernen & Familie

Bessere Noten in Deutsch: Mit diesen Tipps klappt es Schritt für Schritt

21. Oktober 2026

Bessere Noten in Deutsch gelingen, wenn man die eigenen Schwächen genau kennt, regelmäßig übt, Textanalysen strukturiert aufbaut und sich bei Bedarf gezielt Unterstützung holt. Dieser Beitrag ordnet die wichtigsten…

Medizinstudium in Deutschland: Wie die Studienplatzvergabe wirklich funktioniert
Lernen & Familie

Medizinstudium in Deutschland: Wie die Studienplatzvergabe wirklich funktioniert

14. Oktober 2026

Einen festen Numerus clausus, den man vor der Bewerbung nachschlagen könnte, gibt es für Humanmedizin in Deutschland nicht. Die Grenzwerte, die nach jeder Vergaberunde kursieren, sind das Ergebnis eines mehrstufigen…

← Zurück zu Lernen & FamilieZur Startseite