Von David Berlizheimer zu Maximilian D. Berlitz
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Von David Berlizheimer zu Maximilian D. Berlitz

Bild: Foto: ungenannte/r Fotograf/in, Public domain, via Wikimedia Commons

Es gibt noch Geheimnisse zu lüften: War der Mann, der es mit seinen Sprachschulen zu Weltruhm gebracht hatte, erst 69 oder schon 74 Jahre alt, als er am 6. April 1921 in der New Yorker Bronx an Herzschwäche starb? Und wo genau hatte er das Licht der Welt erblickt? Für den Freiburger Historiker und ehemaligen Oberstudiendirektor Adolf Schmid steht fest: Berlitz wurde als David Berlizheimer vor 150 Jahren, nämlich am 14. April 1852, in Mühringen bei Horb im damaligen Königreich Württemberg geboren. In der offiziellen Firmenchronik hält man zwar den gleichen Tag, aber das Jahr 1847 für genauer. Und bestätigt dazu: Maximilian Delphinius Berlitz kam aus dem Württembergischen. Wir haben den Berlitz-Kenner Adolf Schmid in Freiburg getroffen.

Bruch mit der Herkunft

Herr Schmid, wie kamen Sie zu Ihrer Entdeckung, Berlitz sei Berlizheimer gewesen?

Ich hatte von der Kommission für baden-württembergische Landesgeschichte den Auftrag, eine Biografie über Berlitz zu schreiben. Es gibt aber keine Personen mit Namen Berlitz in unserem Land. Ich kam nicht recht weiter. Da las ich das Buch der Amerikanerin Emily C. Rose über ihre jüdischen Vorfahren in Württemberg und stieß im Zusammenhang mit Caroline Berlizheimer, der Witwe des Lehrers und Kantors einer jüdischen Gemeinde, Löw Berlizheimer, auf den Satz: “...ohne Geld und ohne Perspektiven wanderte ihr anderer Sohn David vier Jahre später mit 18 Jahren nach Amerika aus.”

Das war 1870. Aber war das schon der Beweis?

Ich habe weiter recherchiert. Ich habe die Geburtsurkunde gefunden und den Nachweis, dass David eine Uhrmacherlehre in Mergentheim betrieben hat. Die wird, ebenso wie das Einwanderungsjahr, von den Amerikanern auch nicht bestritten. Ich bin ganz sicher: Maximilian D. Berlitz war David Berlizheimer.

Welche Gründe gab es für den 18-Jährigen, aus Deutschland auszuwandern?

Wirtschaftliche Not und Armut waren groß Mitte des 19. Jahrhunderts, besonders in Württemberg. Die Hoffnung auf Arbeit, verbunden mit Erfolg und Aufstieg, dürften das Hauptmotiv für den Weggang gewesen sein. Allein zwischen 1860 und 1870 zählten die Behörden in den USA knapp 790 000 deutsche Immigranten.

Berlizheimer ist ohne Geld und sicher auch ohne Papiere in Amerika angekommen, hat sich dort ganz offensichtlich als Maximilian Delphinius Berlitz registrieren lassen und ein zweites Leben gestartet. Warum?

Er war jung, intelligent, leistungsbereit. Emily C. Rose und ich vermuten: Er wollte mit der Herkunft, den Traditionen, auch der Religion brechen. Als er in Amerika 1872 eine deutschstämmige Christin heiratete, ist er zum Christentum übergetreten. Und alle seine Nachkommen sind, heute in der 4. Generation, überzeugte Christen.

Warum die Vornamen Maximilian und Delphinius?

Maximilian ist gute humanistische Tradition. Delphinius, Beiname des Gottes Apoll, des Gottes der Künste und Wissenschaften, ein Kunstname aus der Vorstellungswelt der klassischen Antike. Und der Delphin, das Meerestier, ist schnell, gelehrig, geschickt, zutraulich. Ein Namenszauber, der Assoziationen weckt.

Was war der Schlüssel für seinen ungeheuren Erfolg in Amerika?

Seine seltene sprachliche Begabung, von der immer die Rede ist, sein scharfer Intellekt, seine charmanten Umgangsformen, seine zupackende Art und schließlich sein erfolgsorientierter Unternehmergeist.

Er soll ja bei seiner Ankunft in Amerika zwölf Sprachen gekonnt haben und am Lebensende gar 45. Halten Sie das für möglich?

Das ist unmöglich. Der Lehrersohn konnte Deutsch, auch Französisch, sicher Latein, vielleicht etwas Griechisch. Alles andere ist völlig unwahrscheinlich. Da wurde eine Legende aufgebaut, die behauptete: dem Mann war alles zuzutrauen, der muss ein Genie gewesen sein.

Sie sind Vorsitzender des Landesvereins “Badische Heimat” und haben Ihre Forschungen zu Berlitz 2001 in einem Aufsatz in der Zeitschrift “Schwäbische Heimat” publiziert. Belege wurden auch an die Konzernzentrale in Princeton geschickt. Mit welcher Reaktion?

Dort bleibt man bei der Fassung: Maximilian Delphinius Berlitz, 1847 im Württembergischen geboren.

Ich bleibe dabei: Es ist David Berlizheimer, 1852 in Mühringen bei Horb geboren. Ich werde weitere Belege dafür sammeln und veröffentlichen.

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