Vor 350 Jahren: Die erste Bluttransfusion beim Menschen
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Vor 350 Jahren: Die erste Bluttransfusion beim Menschen

Bild: Foto: X-ray: NASA/CXC/Rutgers/J.Hughes; Optical: NASA/STScI, Public domain, via Wikimedia Commons

Seit jeher übt der tiefrote Körpersaft eine mythische Faszination auf die Menschen aus. In alten Kulturen war Blut oft zentraler Bestandteil von Opferungen und magischen Ritualen. So zum Beispiel im alten Ägypten: Um ihre Lepraerkrankung zu heilen, badeten ägyptische Könige im Blut geopferter Menschen - ein echtes Blutbad also, das jedoch nichts gegen die Erkrankung ausrichten konnte.

Seit jeher übt der tiefrote Körpersaft eine mythische Faszination auf die Menschen aus. In alten Kulturen war Blut oft zentraler Bestandteil von Opferungen und magischen Ritualen. So zum Beispiel im alten Ägypten: Um ihre Lepraerkrankung zu heilen, badeten ägyptische Könige im Blut geopferter Menschen - ein echtes Blutbad also, das jedoch nichts gegen die Erkrankung ausrichten konnte.

Im alten Rom empfahl der Schriftsteller Plinius Epilepsie-Patienten das Trinken von Gladiatorenblut. Vermutlich hoffte er, die Stärke und Körperbeherrschung der Arenen-Kämpfer so auf die Kranken zu übertragen. Trotz ausbleibender Erfolge solcher Behandlungen blieb der Glaube an die Heilkraft des Blutes bestehen. So soll der im Sterben liegende Papst Innozenz VIII Blut von drei Zehnjährigen getrunken haben - als Verjüngungskur. Der Papst starb trotzdem, ebenso wie die drei Jungen.

Das erste Mal: von einem Lamm

Im 17. Jahrhundert nach Christus kam dann die Idee auf, Blut von einem Lebewesen auf ein anderes mittels Infusion zu übertragen. 1666 wurde sie erstmals in die Tat umgesetzt. Der englische Arzt Richard Lower übertrug einem Hund das Blut eines anderen Vierbeiners. Dabei übertrieb er jedoch: Die Transfusion wurde erst beendet, als der Spenderhund durch die Abgabe des vielen Blutes verstorben war. Wenigstens dem Empfänger aber soll es kurz nach dem Eingriff wieder blendend gegangen sein.

Bereits im folgenden Jahr erhielt schließlich der erste menschliche Patient eine Bluttransfusion - nicht ganz freiwillig wie man sich denken kann. Doch der französische Arzt Jean-Baptiste Denis sah am 15. Juni 1667 keine andere Möglichkeit, seinen fünfzehnjährigen Patienten zu retten, als ihm etwas Blut von einem Lamm zu übertragen. Der kleine geschwächte Junge hatte einfach zu viel eigenes Blut bei vorhergehenden Aderlässen verloren - eine damals übliche Behandlung für alle möglichen Erkrankungen, bei der dem Patienten wortwörtlich Blut aus den Adern entlassen wurde.

Ein Erfolg - viele Fehlschläge

Erstaunlicherweise soll der Junge die artübergreifende Bluttransfusion sogar überlebt haben. Daher wurde diese Technik in den nachfolgenden Jahrzehnten immer wieder angewendet. Die meisten Empfänger hatten allerdings nicht so viel Glück wie der fünfzehnjährige "Patient Null". Trotz der verheerend geringen Erfolgsquote sollen manche Chirurgen aber bis ins 19. Jahrhundert Soldaten dazu geraten haben, sich ein Schaf auf dem Rücken festzuschnallen. So sollten sie in der Schlacht notfalls schnell eine Bluttransfusion durchführen können.

Glücklicherweise machte der Chirurg Richard Volkmann 1883 mit derart grotesken Vorschlägen Schluss. In seiner Leichenrede für die Tierbluttransfusion stellte er pointierend klar: "Zur Übertragung von Schafsblut gehören drei Schafe: eines, dem man das Blut entnimmt, ein zweites, das es sich übertragen lässt und dazu ein drittes, das die Übertragung durchführt."

Ein Drittel überlebte bei menschlichem Spender

Tatsächlich hatte bereits lange vor Volkmann die erste Mensch-zu-Mensch-Transfusion stattgefunden. James Blundell führte diesen Eingriff 1818 in England durch. Seinem abgemagerten Patienten transfundierte er das Blut von zufällig anwesenden Personen, was dessen Gesundheitszustand kurzzeitig verbessert haben soll. Trotzdem verstarb der Patient 56 Stunden nach der Transfusion - laut Obduktionsergebnis jedoch angeblich wegen Abmagerung und Blutleere, nicht aber durch das Spenderblut.

Dennoch war die Bluttransfusion im neunzehnten Jahrhundert höchst risikoreich, auch wenn die damaligen Chirurgen die Zahlen durchaus optimistisch kommentierten, wie ein oft genanntes Zitat zeigt: "Die Transfusion ist einer der sichersten chirurgischen Eingriffe. Die Sterberate liegt bei einem von drei Patienten. Damit ist sie noch niedriger als nach der Behandlung von Eingeweidebrüchen und entspricht etwa der Sterberate von Amputationen."

Die Entdeckung der Blutgruppen

Erst nach 1900 sollte die hohe Sterberate bei Bluttransfusionen der Vergangenheit angehören. In diesem Jahr entdeckte Karl Landsteiner die unterschiedlichen Blutgruppen. Nun verstand man endlich, warum das Blut bei vielen Transfusionen verklumpte und auf diese Weise zum Tod des Patienten führte. Dies war die Geburtsstunde der heutigen Bluttransfusion.

Dank der Entdeckung von Landsteiner braucht sich heute niemand mehr fürchten, durch eine erhaltene Blutspende ums Leben zu kommen. Zwar haben sich neue Herausforderungen ergeben, wie das 1989 entdeckte Hepatitis-C-Virus. Mit Hilfe moderner Labortests wird einer Übertragung derartiger Krankheiten aber bestmöglich vorgebeugt.

Aufruf zum Spenden

Weil die gefährlichen "Nebenwirkungen" der Bluttransfusion heute der Vergangenheit angehören, sind Blutspenden wichtiger als jemals zuvor. "Pro Tag werden in Deutschland 15.000 Blutspenden zur Behandlung der Patientinnen und Patienten in deutschen Kliniken benötigt", berichtet das Deutsche Rote Kreuz. Damit dieser Bedarf auch weiterhin gedeckt wird, macht die Organisation regelmäßig Werbung für das Blutspenden.

So auch heute, am 14. Juni: Am Weltblutspendetag soll nicht nur an den Geburtstag des Blutgruppenentdeckers Karl Landsteiner erinnert, sondern vor allem die Spendebereitschaft angekurbelt werden. Immerhin kann jeder im Laufe seines Lebens einmal auf eine Bluttransfusion angewiesen sein. Es ist also in unser aller Interesse, dass der Bedarf an Blutkonserven weiterhin gedeckt bleibt.

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