Heute ist die Herztransplantation eine etablierte Behandlungsmethode - und für viele Menschen, die mit einem Herzfehler leben, die letzte Hoffnung. In Deutschland wurden allein im vergangenen Jahr rund 300 solcher lebensrettenden Transplantationen durchgeführt. Doch was inzwischen zumindest für spezialisierte Chirurgen reine Routine ist, war vor 50 Jahren eine echte Sensation: Am 3. Dezember 1967 gelang die weltweit erste erfolgreiche Herzverpflanzung beim Menschen.
Und zwar nicht etwa in den USA, sondern in Südafrika: Am dortigen Groote-Schuur-Hospital in Kapstadt operierte der Herzchirurg Christiaan Barnard den schwerkranken Gemüsehändler Louis Washkansky. Der 54-Jährige lag schon seit geraumer Zeit im Krankenhaus und hatte mehrere Herzinfarkte hinter sich. Als am Abend des 2. Dezember eine junge Frau mit tödlichen Hirnverletzungen eingeliefert wurde und ihr Vater seine Zustimmung für eine Herzspende gab, witterte Barnard die Chance.
Sensationeller Erfolg - von kurzer Dauer
Mit einem 30-köpfigen Team transplantierte er seinem Patienten in einer Nacht- und Nebelaktion das Spenderorgan. Nach mehreren Stunden war die Prozedur am nächsten Morgen gegen sechs Uhr beendet - und nach einem kurzen Elektroschock begann das Herz der jungen Frau in der Brust von Washkansky zu schlagen. Die Sensation war perfekt.
Leider lebte der Patient nach dem Eingriff nur noch 18 weitere Tage: Er verstarb an einer Lungenentzündung. Denn um eine Abstoßung des neuen Herzens zu verhindern, hatten die Ärzte sein Immunsystem fast vollständig außer Gefecht gesetzt - zielgerichtet wirkende Mittel gab es zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Als Folge war sein Körper gegen die Infektion wehrlos.
Ein bis dahin unbekannter Chirurg
Trotzdem wurde die Operation als Erfolg gewertet - und Barnard auf einen Schlag berühmt. Zuvor war der südafrikanische Chirurg in der Fachwelt nicht in Erscheinung getreten. Als Kandidaten für die Durchführung der ersten erfolgreichen Herztransplantation waren andere Wissenschaftler gehandelt worden.
Tatsächlich kam Barnard seinen Kollegen nur kurz zuvor: Schon vier Wochen nach der Premiere gelang auch dem US-Amerikaner Norman Shumway eine Herztransplantation am Menschen - von ihm hatte Barnard sich das nötige Wissen für den Eingriff sogar angeeignet und ihn dann klammheimlich überholt. Auch in Deutschland kam es wenig später zur ersten Operation dieser Art. Der Patient von Rudolf Zenker am Universitätsklinikum München überlebte jedoch ebenfalls nicht sonderlich lange. Er verstarb bereits nach nur 27 Stunden mit dem neuen Herzen.
Durchbruch kommt mit Ciclosporin
"Die ersten Herztransplantationen lösten eine Welle an Organverpflanzungen aus, die jedoch allesamt nicht nachhaltig erfolgreich waren", sagt Wolfgang Harringer, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie. "Erst weiterreichende Erkenntnisse über das menschliche Immunsystem und dem damit einhergehenden besseren Verständnis der Abstoßungsreaktion wie auch der darauf basierenden Entwicklung geeigneter Arzneistoffe führten zu deutlich höheren Überlebenschancen organtransplantierter Patienten."
Nach einer anfänglichen Transplantationswut wurde in den Folgejahren deshalb erst einmal weniger transplantiert - bis der Durchbruch in Form der Entdeckung von Ciclosporin kam. Dieses Immunsuppressivum wird seit Anfang der 1980er Jahre eingesetzt und hat dazu beigetragen, die Erfolgschancen von Transplantationen deutlich zu erhöhen.




