Warum manche Menschen das Risiko lieben: Die Psychologie des Sensation Seeking
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Warum manche Menschen das Risiko lieben: Die Psychologie des Sensation Seeking

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Warum manche Menschen das Risiko lieben: Die Psychologie des Sensation Seeking

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Der eine steht am Rand einer Klippe und schnallt sich in aller Ruhe das Gleitschirmgeschirr um, während der andere schon beim Gedanken daran feuchte Hände bekommt. Manche Menschen suchen geradezu nach dem Kick, nach neuen Reizen und dem Moment, in dem das Herz einmal kräftig schlägt. Andere fühlen sich in vertrauten und ruhigen Bahnen am wohlsten. Woran liegt es also, dass die Lust am Risiko so ungleich verteilt ist?

Was steckt hinter dem Begriff Sensation Seeking?

Der Begriff geht auf den amerikanischen Psychologen Marvin Zuckerman zurück, der ihn bereits 1964 prägte. Er beschrieb damit das Bedürfnis nach abwechslungsreichen, neuen und intensiven Eindrücken, verbunden mit der Bereitschaft, dafür durchaus Risiken einzugehen. Sensation Seeking gilt heute als recht stabiles Persönlichkeitsmerkmal, das sich über die Jahre nur wenig verändert. Um es messbar zu machen, entwickelte Zuckerman einen Fragebogen mit 40 Aussagen, die sogenannte Sensation Seeking Scale.

Zuckerman unterschied dabei vier Ausprägungen, die zusammen das Merkmal ergeben:

• Nervenkitzel und Abenteuer, etwa durch Extremsport oder schnelles Autofahren

• Erfahrungssuche, also die Lust auf Reisen, Musik und ungewohnte Eindrücke

• Enthemmung, die sich in wilden Partys und geselligen Exzessen zeigt

• Anfälligkeit für Langeweile, wenn Routine und Wiederholung schwer auszuhalten sind

Wie stark diese vier Bereiche ausfallen, unterscheidet sich von Mensch zu Mensch teils erheblich.

Warum reizt manche Menschen das Glücksspiel besonders?

Glücksspiel gilt in der Forschung als eine Form der Risikosuche und zieht Menschen mit hohem Stimulationsbedürfnis häufig an. Bereits Ende der 1990er-Jahre beschrieben Breen und Zuckerman, dass Personen mit einer erhöhten Anfälligkeit für Langeweile im Glücksspiel eine Möglichkeit sehen können, der empfundenen Eintönigkeit zu entkommen. Der Reiz entsteht dabei unter anderem durch den schnellen Wechsel zwischen Anspannung und Auflösung, wie er insbesondere bei Automatenspielen zu beobachten ist. Die kurzen Spielzyklen sorgen für eine Abfolge kleiner Erregungsspitzen, die für sogenannte High Sensation Seeker besonders stimulierend wirken können. Einen Überblick über entsprechende Angebote bietet beispielsweise dieses casino online in der Schweiz.

So unterhaltsam der Nervenkitzel für die meisten bleibt, birgt er auch ein Risiko. Warum Glücksspiele süchtig machen können, hängt von der Person, den Lebensumständen und der Gestaltung des Spiels ab. Nach Daten des ISD Hamburg gelten in Deutschland rund 5,7 Prozent der Erwachsenen als riskant Spielende und etwa 2,3 Prozent als von einer Glücksspielstörung betroffen, Männer häufiger als Frauen.

Wie entsteht die Lust am Risiko im Gehirn?

Ein guter Teil der Antwort steckt im Belohnungssystem des Gehirns. Eine tragende Funktion übernimmt dabei der Botenstoff Dopamin, der bei neuen und aufregenden Erlebnissen ausgeschüttet wird und ein Gefühl von Vorfreude und Euphorie erzeugt. Studien deuten darauf hin, dass Unterschiede in bestimmten Dopamin-Rezeptoren mit der Risikobereitschaft zusammenhängen. Auch das Enzym Monoaminooxidase, kurz MAO, das solche Botenstoffe wieder abbaut, wird immer wieder mit dem Merkmal in Verbindung gebracht. Menschen mit niedriger MAO-Aktivität weisen häufig höhere Sensation-Seeking-Werte auf.

Hinzu kommt eine erbliche Komponente. Zwillingsstudien schätzen den genetischen Anteil je nach Untersuchung auf etwa 34 bis 69 Prozent, der Rest geht auf Umwelt und persönliche Erfahrungen zurück. Recht gut belegt ist außerdem, dass Männer im Schnitt höhere Werte erreichen als Frauen, auch wenn dieser Abstand über die Jahre kleiner geworden ist. Und mit steigendem Alter lässt die Suche nach dem Kick bei den meisten Menschen ohnehin nach.

Gut zu wissen:

Auch das Gruseln im Kinosessel zählt zum Nervenkitzel. Forschende der Universität Aarhus befragten während der Corona-Pandemie Fans von Horrorfilmen und stellten fest, dass sich diese Gruppe psychisch belastbarer zeigte als andere. Eine Erklärung lautet, dass simulierte Gefahr im sicheren Rahmen wie ein Training für den Umgang mit echter Angst wirkt.

Wie lässt sich die Suche nach dem Kick gesund kanalisieren?

Sensation Seeking hat einen zwiespältigen Ruf, dabei steckt darin auch eine Menge Antrieb. Fachleute betonen zunehmend die ressourcenorientierte Seite dieses Merkmals. Offenheit für Neues, Mut und Neugier treiben die persönliche Entwicklung voran und führen oft zu reichen Erfahrungen. Risikosportarten etwa hängen mit einem höheren Wohlbefinden und einer stärkeren Selbstwirksamkeit zusammen. Menschen mit starkem Stimulationsbedürfnis sind im Schnitt zudem körperlich aktiver. Es kommt also darauf an, das Bedürfnis in Bahnen zu lenken, die langfristig guttun.

Tipp:

Für ein gesund ausgelebtes Stimulationsbedürfnis bietet der Alltag viele Ventile.

• Neue Sportarten wie Klettern, Tauchen oder Bouldern ausprobieren

• An unbekannte Orte reisen und bewusst ungewohnte Eindrücke suchen

• Kreative Projekte angehen, die immer wieder Neues verlangen

• Beim Glücksspiel feste Zeit- und Geldgrenzen setzen und Pausen einhalten

Was die Risikolust über den Menschen verrät

Die Suche nach dem Kick ist weder gut noch schlecht, im Grunde gehört sie einfach zur Vielfalt menschlicher Persönlichkeit. Sie kann zu waghalsigen Entscheidungen verleiten und ebenso zu Entdeckergeist, Fortschritt und einem erfüllten Leben beitragen. Mit dem Wissen um die eigenen Muster lässt sich bewusster damit umgehen und die Lust am Risiko dorthin lenken, wo sie bereichert statt zu schaden.

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