Was steckt hinter dem tödlichen "schwarzen Pilz"?
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Was steckt hinter dem tödlichen "schwarzen Pilz"?

Bild: Foto: Laboratoires Servier, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

Ob Covid-19, die Grippe oder Borreliose: Alle diese Krankheiten entstehen durch eine Infektion mit Bakterien oder Viren. Aber auch Pilzsporen können in unseren Körper eindringen und unser Gewebe angreifen – die Folge ist eine Pilzkrankheit, eine Mykose. Wenn wir über beispielsweise über die Luft Pilzsporen von Schimmelpilzen oder Hefen einatmen, kann es dazu kommen, dass diese Sporen in unserem Körper heranwachsen und sich der Pilz ausbreitet. Je nach Art der Mykose kann dies zu Hautausschlägen oder Reizungen der Atemwege führen, aber auch zu schweren Lungenentzündungen und Gewebeschäden.

iStock.com, greenaperture

Ob Covid-19, die Grippe oder Borreliose: Alle diese Krankheiten entstehen durch eine Infektion mit Bakterien oder Viren. Aber auch Pilzsporen können in unseren Körper eindringen und unser Gewebe angreifen – die Folge ist eine Pilzkrankheit, eine Mykose. Wenn wir über beispielsweise über die Luft Pilzsporen von Schimmelpilzen oder Hefen einatmen, kann es dazu kommen, dass diese Sporen in unserem Körper heranwachsen und sich der Pilz ausbreitet. Je nach Art der Mykose kann dies zu Hautausschlägen oder Reizungen der Atemwege führen, aber auch zu schweren Lungenentzündungen und Gewebeschäden.

Für gesunde Menschen ungefährlich

Bei gesunden Menschen sorgt das Immunsystem normalerweise dafür, dass sich infektiöse Pilze nicht im Körper ausbreiten können. Deshalb bleibt der Kontakt mit den Pilzsporen für die meisten Menschen folgenlos. Anders ist dies jedoch, wenn das Immunsystem geschwächt ist – weil ein Mensch krank ist oder mit Medikamenten behandelt wird, die die Immunreaktion dämpfen.

"Gefährdet sind Patienten mit Immundefekten, aber auch Patienten mit Diabetes oder chronischen Lungenerkrankungen. Auch größere operative Eingriffe bergen ein Risiko – und natürlich sind Intensiv-Patienten mit viralen Infektionen durch Influenza oder Covid-19 besonders gefährdet", erklärt der Mikrobiologe und Hygieniker Jörg Steinmann vom Klinikum Nürnberg. Hinzu kommt, dass schwer erkrankte Corona-Patienten oft mit Cortison-Präparaten behandelt werden, um die von der Infektion ausgelösten überschießenden Entzündungsreaktionen zu bremsen. Dadurch ist ihr Immunsystem zusätzlich heruntergeregelt.

"Schwarzer Pilz" grassiert in Indien

Diese Faktoren erklären, warum in Indien und einigen anderen tropischen Ländern zurzeit nicht nur das Coronavirus SARS-CoV-2 grassiert, sondern sich auch Pilzkrankheiten rasant ausbreiten. In Indien ist dies die sogenannte Mukormykose - der "schwarze Pilz". Diese Pilzkrankheit wird durch Schimmelpilze der Ordnung Mucorales ausgelöst, die in Erde und verwesendem organischen Material vorkommen. Die Sporen dieser Pilze können vom Menschen über die Atmung aufgenommen werden, gelangen manchmal aber auch über eine Schnittwunde oder eine Verletzung der Haut in den Körper.

Der "schwarze Pilz" ist in Indien nicht neu und kommt dort schon lange vor. Im Zuge der Corona-Pandemie hat die Mukormykose aber rasant zugenommen. Während dort normalerweise nur ein paar Dutzend Mukormykose-Fälle pro Jahr auftreten, sind mittlerweile tausende Menschen betroffen. Alleine im indischen Bundestaat Maharashtra, der stark von der Corona-Pandemie betroffen ist, wurden schon mehr als 2.000 Fälle von schwarzem Pilz gemeldet. Etwa zehn indische Bundesstaaten haben die Fälle bereits zu einer Epidemie erklärt.

Auch in einigen stark von der Corona-Pandemie betroffenen Ländern Südamerikas wie Chile und Uruguay, breiten sich vermehrt Pilzerkrankungen aus. Dabei hat nicht nur der schwarze Pilz durch die Corona-Pandemie ein leichteres Spiel: In Indien sollen bei Covid-19-Patienten auch erste Fälle des „gelben Pilzes“ aufgetreten sein. Daei handelt es sich um eine Pilzerkrankung, die bislang nur bei Reptilien nachgewiesen war. Sie wird ebenfalls von einem Schimmelpilz der Gattung Mucor hervorgerufen.

CDC / Dr. Lucille K. Georg

Wie äußert sich die Mukormykose?

Hat der schwarze Pilz einen Menschen mit ungenügenden Abwehrkräften befallen, breitet er sich schnell aus: "Nach der Inhalation der Sporen wächst der Pilz invasiv lokal in das Gewebe ein", erklärt Steinmann. "Der Pilz frisst sich durch die Haut, er zerstört Muskeln und manchmal sogar auch die Knochen." Das zerstörte Gewebe stirbt ab und verfärbt sich schwarz. Patienten entwickeln dann als erstes dunkel verfärbte Rachen und Nasen, auch die Augen sind oft betroffen. Dieser Verfärbung verdankt die Mukormykose auch ihren Beinamen "schwarzer Pilz"

Im weiteren Verlauf der Mukormykose kommt es zu Fieber und eitrigem Ausfluss, es treten Sehstörungen, Kopf- und Brustschmerzen und Atembeschwerden auf. Weil der Pilz sich über die Blutbahnausbreitet und neben den inneren Organen auch das Gehirn befallen kann, leiden Patienten im späten Stadium oft an Krampfanfällen, Lähmungen und fallen ins Koma. Bei 50 bis 70 Prozent aller Betroffenen endet die Infektion binnen weniger Tage tödlich.

Wird die Mukormykose früh genug entdeckt, kann sie zumindest in manchen Fällen noch behandelt werden. Dafür bekommen die Betroffenen hohe Dosen des Antimykotikums Amphotericin B oder Isavuconazol verabreicht. Parallel dazu müssen befallene Gewebe möglichst restlos entfernt werden, damit sich die Nekrose nicht weiterfrisst. Für die Betroffenen hat dies oft dramatische Folgen: Weil gerade die Gesichtspartie als erstes befallen ist, müssen ihnen oft Nasen, Augen oder der Kiefer herausoperiert werden.

Gettyimages, KATERYNA KON/SCIENCE PHOTO LIBRARY

Könne Pilze auch bei uns gefährlich werden?

Die meisten der im Zuge der Corona-Pandemie begünstigten Pilzkrankheiten sind bisher in tropischen Ländern aufgetreten sind. Aber auch bei uns gibt es Schimmelpilze, die immungeschwächte Patienten krankmachen können. Sie verursachen zwar nicht so dramatische und sichtbare Gewebeschäden wie beim schwarzen Pilz, können aber bei schwer vorerkrankten und immungeschwächten Patienten auch zum Tode führen, wenn sie nicht behandelt werden.

Einer der Pilze, die bei Corona-Patienten in Deutschland vermehrt auftreten, ist der Schimmelpilz Aspergillus fumigatus. Dieser häufige Pilz ist für Menschen mit einem intakten Immunsystem wenig gefährlich, kann aber Asthma und bei vorgeschädigten Menschen auch Lungeninfektionen hervorrufen. Tödlich kann dagegen eine Infektion für Patienten mit einem schwer gestörten Immunsystem enden – beispielsweise bei einer Knochenmarkstransplantation, Aids oder einem schweren Verlauf von Covid-19.

In diesen Fällen gelingt es dem Pilz, aus der Lunge in die Blutbahn zu gelangen und sich im gesamten Körper auszubreiten. Als Folge werden Organe und auch das Gehirn geschädigt. Eine solche invasive Aspergillose endet in 50 bis 95 Prozent der Fälle tödlich. Entsprechend wichtig ist es, gerade Intensivpatienten gezielt auch Pilzinfektionen hin zu überwachen: "Wenn man früh genug und gezielt sucht, findet man in der Regel auch die verursachenden Erreger. Das Problem ist, dass manche Pilzinfektionen schwer nachzuweisen sind und deshalb nicht entdeckt werden", erklärt Steinmann.

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