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Weltkrebstag: Wie wir uns gegen Tumore schützen können
Bildquelle nicht angegeben
Gesundheit

Weltkrebstag: Wie wir uns gegen Tumore schützen können

Was viele Menschen nicht wissen: Gerade Übergewicht zählt zu den bedeutendsten vermeidbaren Krebsursachen. Denn mindestens 13 Krebsarten werden durch einen erhöhten Körperfettanteil begünstigt. Dazu gehören Tumore des Darms, der Brust, der Gebärmutterschleimhaut, der Eierstöcke, der Galle, der Niere, der…
Veröffentlicht
26. Februar 2022
Lesezeit
4 Minuten
Rubrik
Gesundheit
Artikelbild

thinkstock.com, selvanegra

Warum Übergewicht Krebs fördert

Was viele Menschen nicht wissen: Gerade Übergewicht zählt zu den bedeutendsten vermeidbaren Krebsursachen. Denn mindestens 13 Krebsarten werden durch einen erhöhten Körperfettanteil begünstigt. Dazu gehören Tumore des Darms, der Brust, der Gebärmutterschleimhaut, der Eierstöcke, der Galle, der Niere, der Bauchspeicheldrüse, der Leber, des Mageneingangs, der Schilddrüse, der Speiseröhre sowie des Hirns und das Multiple Myelom.

Der Grund dafür: Tragen wir überflüssige Pfunde mit uns herum, dann wächst auch unser Fettanteil. Doch das Fettgewebe bildet nicht nur die unschönen Polster oder umhüllt unsichtbar unsere Organe, es ist auch das größte hormonell aktive Organ des Körpers. Bei Fettleibigkeit produziert dieses Gewebe unter anderem vermehrt das weibliche Geschlechtshormon Östrogen sowie entzündungsfördernde Botenstoffe - beides Faktoren, die als krebsfördernd gelten.

"Eine ausgewogene Ernährung und regelmäßige Bewegung beugen daher nicht nur Übergewicht vor, sondern auch vielen Krebsarten", betont Nettekoven. "Geben Sie Ihre Vorsätze für das neue Jahr nicht vorschnell auf! Bleiben Sie dran!" Denn das kann sich lohnen. Immerhin sinkt beispielsweise das Risiko für Darm- und Brustkrebs bei körperlich aktiven Menschen, die sich täglich mindestens 30 Minuten bewegen, um 20 bis 30 Prozent. Langes Sitzen hingegen gilt als eigener Krebsrisikofaktor. Es begünstigt unter anderem Tumore des Darms und der Brust.

Artikelbild

thinkstock.com, FredFroese

Interview: Was kann jeder Einzelne tun?

Wie jeder Einzelne einen Beitrag zur Vermeidung von Krebs leisten kann, erklärt uns Professor Carsten Bokemeyer, Direktor des Krebszentrums am Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE).

Wir erleben in der Krebsforschung und -therapie in den letzten Jahren wichtige Fortschritte – heißt das, wir können alle aufatmen?

Carsten Bokemeyer: Trotz vieler Verbesserungen der letzten Jahre – die Zahlen zeigen es deutlich: Krebs geht uns alle an. Allein in Deutschland erkranken jährlich etwa 480.000 Menschen neu an Krebs. Die Heilungs- und Überlebensraten steigen, das ist eine gute Nachricht. Aber es bringt nichts, zu hoffen, dass man nie mit Krebs in Berührung kommen wird. Jeder wird im Laufe des Lebens entweder im Familien- und Freundeskreis oder gar selbst betroffen sein. Ich möchte deshalb jedem Menschen eindringlich raten, alles ihm oder ihr Mögliche zur Vermeidung von Krebs zu versuchen.

Was sind denn die wichtigsten Faktoren, die zu einer Krebserkrankung führen können?

Bokemeyer: Mindestens 40 Prozent aller Krebserkrankungen sind auf Lebensstilfaktoren zurückzuführen. Die Stärkung unserer Gesundheit ist sicherlich Basis für die Vermeidung von vielen Erkrankungen, aber gerade bei Krebserkrankungen konnten großangelegte epidemiologische Studien zeigen, dass Faktoren wie das Rauchen, falsche Ernährung, mangelhafte Bewegung, zu viel Alkohol und UV-Strahlung die Entstehung von Krebs begünstigen. Hinzu kommt in einigen Fällen noch die erbliche Vorbelastung, wenn Familienmitglieder bereits an bestimmten Krebsformen erkrankt sind.

Was sind Ihre Empfehlungen, wie Krebs vermieden werden kann?

Bokemeyer: Ein ausgewogener rauchfreier Lebensstil mit einer vitaminreichen und fleischarmen Ernährung, täglichen Bewegungseinheiten, reduziertem Alkoholkonsum und einem verantwortungsvollen Umgang mit der Sonnenbestrahlung trägt dazu bei, Krebs zu vermeiden. Sie können sich das so vorstellen: Sie zahlen mit dieser Verbesserung Ihres Lebensstils auf eine Art Lebenslangzeitkonto ein, in späteren Jahren werden Sie die Früchte daraus ernten.

Wichtig bei der Umstellung des Lebensstils ist, sich Schritt für Schritt dem Ziel zu nähern und keine großen Pläne zu machen, die unter Umständen langfristig nicht eingehalten werden können. Ein weiterer wesentlicher Baustein ist natürlich die Nutzung von Früherkennungsmaßnahmen, um gegebenenfalls bereits gegen die Frühformen des Krebses einschreiten zu können. Dies ist bei erblich belasteten Familien ein bedeutender Faktor, um Risiken frühzeitig einschätzen zu können. In unserem Gesundheitssystem gibt es eine Vielzahl von Angeboten, die dafür genutzt werden können.

Führt diese Vielzahl von Angeboten nicht eher zu einer gewissen Entscheidungsunfähigkeit zu beurteilen, welches Angebot fundiert und welchen Richtlinien zu trauen ist?

Bokemeyer: Ja, das kann durchaus sein. Die Bekämpfung von Krebs ist eine gesamtgesellschaftliche Verantwortung geworden, bei der die Gesundheitsanbieter erkennen, dass nur die Vernetzung und der Austausch untereinander zu einer besseren Information der Bevölkerung führen. Der Weltkrebstag heute ist ja nur ein Element von vielen, um das Bewusstsein für die Thematik zu stärken.

Unsere medizinischen Fachgesellschaften, Krankenkassen bis hin zu Sportvereinen und Arbeitgeberverbänden arbeiten das ganze Jahr an teilweise großangelegten Kampagnen zur Prävention. Wir am Universitären Cancer Center Hamburg haben uns beispielsweise jüngst mit dem Gesundheitskiosk in Hamburg-Billstedt/Horn zusammengeschlossen, um mit Hilfe unserer Onkolotsen auch den Zugang für Menschen aus allen Sozial- und Bevölkerungsschichten zum Thema Krebsprävention zu ermöglichen. Wir möchten vermeiden, dass die Entstehung und auch das Wiederauftreten von Krebs durch soziale Ungleichheit begünstigt werden.

Was raten Sie Patienten und ihren Angehörigen, die bereits von der Krebserkrankung betroffen sind?

Bokemeyer: Wenn eine Krebsbehandlung erstmal überstanden ist, arbeiten wir gemeinsam mit unseren Patientinnen und Patienten an individuellen Konzepten, um ein Wiederauftreten der Erkrankung und die Reduktion von Langzeitnebenwirkungen zu erreichen. Die höheren Überlebensraten führen heute dazu, Krebs zunehmend als chronische Erkrankung zu verstehen.

Das bedeutet im Umkehrschluss für die Patienten und deren Angehörige auch, dass sie stärker Eigenverantwortung für ihr Leben übernehmen müssen, wobei auch hier der Lebensstil mit Ernährung und Bewegung eine sehr wichtige Rolle spielt. Hinzu kommt auch der psychologische Faktor – die Betroffenen erleben oft erst einige Zeit nach ihrer Erkrankung, was sie ihnen widerfahren ist. Wir im Krebszentrum des UKE bieten dafür ein „Leben nach Krebs“-Programm an, um Patienten und ihre Angehörige in dieser Lebenssituation zu begleiten.

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