Für mich war die Physik durchaus eines meiner Lieblingsfächer in der Schule, aber dennoch eine trockene Wissenschaft, die zwar unseren Alltag bestimmt, aber so selbstverständlich und hintergründig ist, dass ich ohne sie auch leben könnte. Klar, Werke von renommierten Physikern wie Hawking oder Feynman sind auf ihre Weise faszinierend – aber Physikbücher zur reinen Unterhaltung? Niemals! Bis jetzt: „Ein sehr dicker Experimentalphysiker, ein dicker Kabarettist und ein alter Professor für Theoretische Physik“, wie die Science Busters sich selbst beschreiben, haben mich eines Besseren belehrt. Die Herren Gruber, Oberhummer und Puntigam erklären nämlich auf humorvollste und zum Teil sehr sarkastische Weise das Universum und alles, was dazu gehört: Glaube und Hoffnung, die Liebe, Schizophrenie, das Gehirn, Leben und Tod, Materie und Anti-Materie, Bakterien, Erdbeerjoghurt und Gestirne. Doch obwohl dabei stets ein hohes wissenschaftliches Niveau gehalten wird, konnte ich nicht umhin, bei jedem zweiten Satz zu schmunzeln und hin und wieder sogar lauthals loszulachen.
Der Urvater unseres Stammbaumes? Ein Bakterium.
Beispielsweise erklären die Wiener Autoren sehr genau, wie aus Wasserstoff, Methan, etwas Strom und Ammoniak – „den Geruch von Ammoniak kennen Sie vielleicht, so riecht es im Fußballstadion bei einem Champions-League-Finale nach der Pause im Herrenklo“ – neues Leben entstehen kann und dass dies ein Hoffnungsschimmer für alle Singles mit Kinderwunsch sei, auch ohne Partner Leben zu machen. Und weiter wird erläutert, dass Methan ein Verdauungsprodukt ist, ein Gas, das die Jungen im Schulskikurs „mit dem Feuerzeug lautstark“ entzünden. „Hauptsächlich stammt Methan auf der Erde aber nicht aus Bubendärmen, sondern aus den Mägen von Rindern, wo es von Bakterien produziert und von den Kühen ausgeatmet wird.“ Und die Marsmännchen? Wie neueste Forschungen ergeben haben, könnte auf dem Mars tatsächlich Leben existieren, da dort sowohl Wasser als auch Methan vorhanden sind. Man weiß nur noch nicht genau, wo das Methan herkommt. Doch die Science Busters warnen vor falschen Schlüssen: „Wer jetzt allerdings vermutet, der Mars sei unterirdisch von rülpsenden Rinderherden besiedelt, liegt eher falsch.“
Zwischen kulinarischer Physik und wissenschaftlichem Kabarett
Ob zur reinen Unterhaltung, als Einführung in die Neurobiologie und Physik oder für Schulkinder, die diesem Fach bis jetzt gar nichts abgewinnen konnten: „Wer nichts weiß, muss alles glauben“ ist ein Volltreffer. Anschauliche Infokästen erklären physikalische Fachbegriffe, kulinarische Vergleiche und kleine, manchmal nicht ganz ernstzunehmende Experimente – so zum Beispiel das „Schwarze Loch to go“ oder das „Rezept für den See Genezareth 2.0“ – veranschaulichen schwierige Sachverhalte und die an sich trockene Wissenschaft wird zum wahren Schmankerl, gewürzt mit Scherzen über den Leser wie auch über die Autoren selbst. Sarkastische Kommentare über Kirche und Politik, die Menschheit an sich und die verschiedenen Wissenschaften beleben die dargestellte Physik auf so unterhaltsame Weise, dass man anfängt, sich Gedanken darüber zu machen, warum man eigentlich so oft im Physikunterricht gefehlt hat...



