Die Empfehlungen der WHO
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat bereits 2003 in ihrem Programm "Gesundheit für alle im 21. Jahrhundert" umfassende Impfempfehlungen ausgesprochen. Bei der gewöhnlichen Grippe soll bis 2010 in den WHO-Mitgliedsländern eine Durchimpfungsrate von 75 Prozent bei älteren Menschen und chronisch Kranken erreicht sein. Davon ist man im Jahr 2009 nach Angaben der Bundeszentrale für Gesundheit (BZgA) jedoch noch weit entfernt. Die Durchimpfungsquote liegt bei der älteren Bevölkerung zurzeit lediglich bei etwa 50 Prozent - bei chronisch Kranken mit um die 30 Prozent sogar noch darunter. Auch das medizinische Personal, das ebenfalls zu den Risikogruppen zählt, müsste sich noch deutlich häufiger impfen lassen: Die Impfquote gegen die gewöhnliche Influenza liegt bei dieser Personengruppe bei nur 22 Prozent.
Masern, Röteln und Diphtherie sollen ausgerottet werden
Weitere Impfempfehlungen der WHO betreffen Hepatitis-B-Neuinfektionen sowie Mumps und Keuchhusten. Diese Krankheiten sollen bis 2010 erheblich reduziert werden. Masern sowie angeborene Röteln und Diphtherie will man europaweit sogar vollständig ausrotten.
Dafür müssten 95 Prozent der Kinder vollständig - also zweimal - gegen Masern geimpft werden. Besonders bei der zweiten Masern-Impfung hapert es in Deutschland laut BZgA jedoch noch. Mit Raten von 30 Prozent im Westen und 57 Prozent im Osten fällt Deutschland deutlich hinter andere europäischen Länder zurück. Auffällig ist, dass die Impfquote in den neuen Bundesländern generell über der der alten Ländern liegt. Ein möglicher Grund: In der DDR bestand noch bis zur Wiedervereinigung eine gesetzliche Impfpflicht, Impfungen werden daher selbstverständlicher wahrgenommen.
Hohe Impfrate bei Kindern
Was Diphtherie, Tetanus und Kinderlähmung angeht, sind deutschlandweit positive Zahlen zu vermelden. Im Rahmen der "Kinder- und Jugendgesundheitsstudie" des Robert-Koch-Instituts und der BZgA sind zwischen 2003 und 2006 17.641 Mädchen und Jungen zwischen 0 bis 17 Jahren sowie ihre Eltern befragt worden. Mit dem Ergebnis, dass fast alle Kinder gegen die genannten Krankheiten geimpft sind: 93 Prozent aller Zwei- bis 17-Jährigen waren gegen Tetanus vollständig immunisiert. Auch bei Diphtherie wurde mit 92,6 Prozent eine fast flächendeckende vollständige Grundimmunisierung erreicht. 90,8 Prozent der Kinder und Jugendlichen waren zweimal gegen Kinderlähmung geimpft. Bei allen drei Krankheiten ist die angestrebte Impfquote von 95 Prozent jedoch noch nicht erreicht. Defizite gab es wiederum vor allem bei der Zweitimpfung.
Impfbereitschaft ist generell hoch
Nicht zufriedenstellend sind dagegen die Impfraten bei Hepatitis B sowie Keuchhusten, ebenso wenig bei der zweiten Mumps- und Röteln-Impfung. Auch die Auffrischungsimpfungen im Jugend-und Erwachsenalter werden nach Angaben des Robert-Koch-Instituts zu wenig in Anspruch genommen.
Positiv ist dagegen, dass bei den insgesamt ziemlich hohen Impfraten bei Kindern in den letzten Jahren noch eine Steigerung verzeichnet werden konnte. Deutsche Eltern haben an sich nichts gegen den kleinen Piekser einzuwenden: Nur zehn Prozent sehen Impfungen kritisch und nur ein sehr kleiner Teil lehnt Impfungen generell ab. Wobei festzustellen ist, dass Eltern mit mittlerem Sozialstatus ihre Kinder häufiger impfen lassen als Eltern mit niedrigem oder hohem Sozialstatus. Kinder aus Migrantenfamilien weisen laut KiGGS besonders häufig Impflücken auf.
Wie sinnvoll eine flächendeckende Impfung jedoch ist, zeigt sich laut BZgA am Fall der Diphtherie. Hier sei es in Osteuropa in den 90er Jahren wegen eines mangelhaften Impfschutzes zu Ausbrüchen mit hohen Erkrankungszahlen gekommen. Die hohen Impfraten in Deutschland hätten eine Ausbreitung bei uns verhindern können.
Kinder auf jeden Fall gegen Grippe und Schweinegrippe impfen
Abschließend ist festzustellen, dass die Deutschen an sich keine Impfmuffel sind und vor allem ihre Kinder gewissenhaft impfen lassen. Die Impfbereitschaft muss dennoch noch gesteigert werden, will man die Ziele der WHO bis kommendes Jahr verwirklichen. Was die Grippe angeht, raten Experten, Kinder auf jeden Fall impfen zu lassen, da sie neben älteren Menschen besonders gefährdet und Schulen sowie Kindertagesstätten bedeutende Infektionsherde seien. Auch gegen Schweinegrippe sollen Kinder laut Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte geimpft werden – allerdings erst ab dem vollendeten sechsten Lebensmonat. Dies sei angesichts der steigenden Infektionsraten nun doch geboten.




