Zahnersatz
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Bild: Foto: LeFagnard, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Gesundheitswirtschaft: 3, 2, 1... mein Patient

Brücken, Kronen und Implantate per Mausklick: Wer einen Zahnersatz brauchte, musste bisher mit seinem Zahnarzt mühevoll über den Preis verhandeln. Jetzt kann der Patient im Internet in kurzer Zeit vergleichen.

Zahnbehandlungen kann man jetzt auch im Internet ersteigern

Nach dem Vergleich kann er den Mediziner anschließend mit den günstigeren Angeboten der Konkurrenz konfrontieren. Auf www.2te-zahnarztmeinung.de finden sogar Auktionen von Ärzten um die billigste Behandlung statt. Dass Bewegung in die jahrelang starren Strukturen gekommen ist, liegt unter anderem an der Neuregelung der Zuzahlungen für Zahnersatz seit Januar 2005. Seitdem zahlen die Kassen nur noch Festzuschüsse und nicht mehr 50 bis 60 Prozent der Kosten wie zuvor. Nun kann der Patient in der Regel selbst wählen, ob er etwa eine billigere Brücke oder ein deutlich teureres Implantat bezahlen will. Wie hoch der Eigenanteil des Patienten ist, steht in dem Heil- und Kostenplan, den der Arzt erstellt, bevor er zum Bohrer greift. Dieser Kostenvoranschlag ermöglicht dem Patienten, die Leistung und den Preis mit dem Angebot anderer Mediziner zu vergleichen.

Warten auf das günstigere Angebot
Auf www.2te-zahnarztmeinung.de stellen Patienten den Plan ihres Zahnarztes ins Netz und warten auf günstigere Angebote anderer Mediziner. Eine Nutzerin aus Dresden beispielsweise, Pseudonym "Princess", soll für das Einsetzen einer Brücke 745 Euro zahlen. "Impala", ein Zahnarzt aus Chemnitz gewinnt die Auktion nach zehn Tagen mit einem Gebot von 492 Euro. Geschäftsführer des Portals ist Holger Lehmann, ein Diplomkaufmann. Wie unterschiedlich Zahnärzte für dieselbe Therapie abrechnen, hatte Lehmann am eigenen Leib erfahren. Für eine Brücke sollte er bei seinem Zahnarzt 500 Euro bezahlen. Der Mediziner seiner Eltern nahm für die gleiche Behandlung 350 Euro. Lehmann machte aus dieser Erfahrung eine Geschäftsidee und verspricht den Patienten deutliche Einsparmöglichkeiten. "Patienten müssen erkennen, dass Zahnärzte auch Unternehmer sind. Damit steht hinter jeder medizinischen Leistung auch ein wirtschaftliches Interesse", sagt der studierte Betriebswirt. Er bekommt zehn Prozent vom Zahnarzthonorar, wenn der Patient den Mediziner für die Behandlung wechselt. Insgesamt beteiligen sich seit Januar 180 Zahnärzte an den Auktionen, über 1250 Versteigerungen haben bislang stattgefunden. Für die Einstellung des Kostenplans kassiert Lehmann zwischen 2,50 und 8 Euro von den Patienten.

Unterschiedliche Kostenkalkulation

Dass Zahnmediziner unterschiedlich kalkulieren, ergibt sich aus zwei Faktoren: Aus den Laborkosten, die nach Schätzungen rund zwei Drittel der Gesamtkosten ausmachen. Hinzu kommen die Honorare der Mediziner, bei denen es Spielräume gibt, da ein Teil der Behandlung über Privatgebühren bezahlt werden kann - und diese können von Arzt zu Arzt variieren. Im Trend liegt deswegen der Preisvergleich per Internet. Die Deutsche Angestellten Krankenkasse (DAK) und die Deutsche BKK bieten ab Juli auf ihren Websites exklusiv Zugang zu www.caredental.de. Die Seite erstellt den Patienten nach Eingabe des Heil- und Kostenplans eine Liste von Dentallaboren, die ihre Kosten für den jeweils benötigten Zahnersatz aufschlüsseln. Die Patienten können zuvor beispielsweise eingeben, ob sie Labore akzeptieren, die auch im Ausland produzieren lassen, ob das Unternehmen in der Nähe des Wohnorts liegen muss und auf wie viele Jahre die Gewährleistung auf die Brücke oder Krone laufen soll. "Die Liste ist dann eine Diskussionsgrundlage für das Gespräch mit dem Zahnarzt", sagt Kai Alexander Quante, Projektleiter des IT-Unternehmens Lineas, das die Seite in Zusammenarbeit mit der Wolfsburg AG entwickelt hat. Zwar sei es so, dass viele Zahnärzte an Laboren finanziell beteiligt seien. Trotzdem könne der Patient den Mediziner bitten, mit einer anderen Firma zu kooperieren oder sich bei seinem Labor für eine Korrektur des Kostenplans einzusetzen.

Zündstoff für die Branche

Beide Internetprojekte, sowohl die Auktion als auch der Preisvergleich, bieten Zündstoff in der Branche. Auktionator Lehmann räumt ein, dass die Zahnärzte den Preisdruck an die Labore weitergeben. Dadurch entstünden jedoch keine Nachteile für die Patienten. Die Vertreter von Zahnarztverbänden unterstützen einhellig das Einholen von Zweitmeinungen, befürchten allerdings einen Qualitätsverlust durch den fehlenden persönlichen Kontakt. "Ein Zahnarzt muss für eine Zweitmeinung den Patienten untersucht haben", sagt Reiner Kern vom Kassenzahnärztlichen Bundesverband. "Über das Internet bekommt ein Arzt nur anonymisierte Angaben des Heil- und Kostenplans. Er weiß dann nicht, ob notwendige Vorbehandlungen stattgefunden haben." Die Entwickler der Preisvergleichssysteme sind jedenfalls zuversichtlich, einen Zukunftsmarkt zu erobern. Was bei Zahnersatz klappe, könne auch anderswo eingesetzt werden, meinen sie. Zum Beispiel bei Schönheitsoperationen, Hörgeräten oder Herzschrittmachern.

Zahn um Zahn: Preisvergleich

Der Heil- und Kostenplan, der von jedem Kassenzahnarzt vor der Behandlung kostenlos erstellt werden muss, ermöglicht dem Patienten das Angebot mit dem Kostenvoranschlag anderer Mediziner zu vergleichen. Seit 1. Januar zahlen die Krankenkassen nur noch einen Festbetrag für einzelne Behandlungen, etwa das Schließen einer Zahnlücke. Der Patient muss entscheiden, ob er sich ein Implantat oder eine preisgünstigere Brücke leisten kann. Die Zuzahlung der Kasse bleibt aber immer gleich.

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