Der Contergan-Skandal
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Der Contergan-Skandal

Bild: Foto: Nevit Dilmen (talk), CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

Die schrecklichen Folgen eines Beruhigungsmittels

Der medizinische Fortschritt rettet täglich Tausende von Leben. Aber menschliches Versagen oder eiskalte Berechnung führen in der medizinischen Praxis immer wieder zu fatalen Fehlern und Flüchtigkeiten und bringen den Betroffenen Tod und Leid.

Im Jahr 1957 kommt in der Bundesrepublik ein als unschädlich geltendes Beruhigungs- und Schlafmittel namens Contergan auf den Markt. In Belgien wird dasselbe Thalidomid-Präparat unter dem Namen Softenon, in Großbritannien als Distaval verkauft.

Zunächst kennt niemand die Zusammenhänge, als seit 1960 in Deutschland vermehrt Nebenwirkungen von Contergan auftreten. Die Zahl der Geburten missgebildeter Kinder, deren Müttern das Medikament während der Schwangerschaft verschrieben worden ist, steigt. Aus Angst ein missgebildetes Kind zur Welt zu bringen, begeben sich viele betroffene Frauen zum Schwangerschaftsabbruch nach Schweden, wo ein vergleichsweise liberales Abtreibungsrecht herrscht.

Im Juli 1962 sind bei der Staatsanwaltschaft Aachen bereits mehr als 60 Anzeigen gegen die Herstellerfirma Chemie Grünenthal GmbH eingegangen. Aber erst, nachdem wissenschaftlich bewiesen ist, dass Contergan Missbildungen hervorruft, beginnt am 27. Mai 1968 in Aisdorf der “Contergan-Prozess“ gegen leitende Angestellte des Unternehmens. Er endet am 18. September 1970 mit Freisprüchen, da den Angeklagten eine persönliche Schuld nicht nachgewiesen werden kann.

Damit endet am 283. Verhandlungstag der längste Strafprozess in der deutschen Rechtsgeschichte. Schon die Ermittlungen ziehen sich über sechseinhalb Jahre hin. Das Gericht hält den Angeklagten bei der Einstellung des Verfahrens zugute, dass die seinerzeit gültigen Arzneimittelgesetze nur sehr allgemein gehalten seien. Zudem hätten die Gesundheitsbehörden das strafbare Verhalten begünstigt. Erst im Jahr 1974 erhält jedes der etwa 3000 von den Missbildungen betroffenen Kinder neben einer kleinen Rente im Schnitt 16 000 DM aus einem von der Firma Grünenthal, der Bundesregierung und einer speziellen Stiftung gegründeten Fond.

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