Luftschiff Zeppelin 1 hebt im Jahr 1900 ab
"Ferdinand Graf von Zeppelin, deutscher Erfinder, 1838 bis 1917, vollendete 1895 die erste Konstruktion eines Starrluftschiffs." So steht's im Lexikon. Womit klar wäre, dass das Luftschiff Zeppelins Erfindung war. Doch so ganz stimmt das nicht. Zwar ist der Deutsche tatsächlich im Jahr 1900 mit seinem starr gebauten, motorgetriebenen Luftschiff "LZ1", (also "Luftschiff Zeppelin 1") zum Jungfernflug abgehoben und hat damit für große Furore gesorgt. Doch übersah man dabei, dass es bereits 48 Jahre zuvor einem Menschen gelungen war, mit einem selbstgebauten Luftschiff in den Himmel aufzusteigen: und zwar dem Franzosen Henri Giffard.
Giffard, nicht Zeppelin ist der Luftschiff-Vater
Das Luftschiff, das der Ingenieur 1852 vollendete, bestand aus einem wasserstoffgefüllten Ballon in Zigarrenform, der über Schnüre und Gestänge mit einem 3 PS starken Dampfmotor und der Steuerplattform verbunden war, wobei die Dampfmaschine den Propeller antrieb. Im September 1852 war es so weit: Giffard flog als erster Mensch der Welt in einem Luftschiff mit 9 km/h in 1800 Metern Höhe über Versailles hinweg. Dennoch war dem Vater des Luftschiffs mit seiner Erfindung kein Glück beschieden. Die zweite, verbesserte Ausführug seiner fliegenden Zigarre ging drei Jahre später in Flammen auf und wurde vollkommen zerstört. Dampfmaschinen als Antriebskraft waren nicht die richtige Lösung für Luftschiffe. 1882 nahm sich Henri Giffard das Leben - fast völlig erblindet und ohne jegliche Anerkennung für seine bahnbrechende Erfindung.
Profitiert vom Zeppelin: der Luftschiff-Graf
Die Tüftelarbeit und den gewaltigen Fortschritt, den Giffards Erfindung für die Geschichte der Luftfahrt eigentlich bedeutet hätte, ignorierend, stellte sich der deutsche Erfinder Graf von Zeppelin knapp 50 Jahre später derselben Herausforderung: Ein Luftschiff zu bauen, das die bislang genutzten Fesselballons ablösen sollte. Nicht nur gelang dem Deutschen das Vorhaben mit seinem motorgetriebenen Luftschiff - obendrein brachte es ihm im Jahr 1908 eine "Nationalspende" von 6 Millionen Mark ein, die ihm die Gründung der "Luftschiffbau-Zeppelin GmbH" ermöglichte. Bis 1938 wurden hier die Zeppelin-Luftschiffe gebaut, die nach ihrem angeblichen Erfinder benannt wurden. Die Karriere des falschen Luftschiff-Vaters Zeppelin dauerte fast 30 Jahre lang, denn erst 1937 wurden die regelmäßigen Liniendienste der neuartigen Fluggeräte unter anderem nach Nord- und Südamerika eingestellt - weil sie unwirtschaftlich waren und seit dem Absturz der LZ 129 "Hindenburg" am 6. Mai 1937 in Lakehurst als zu gefährlich erschienen. Das letzte Zeppelin-Luftschiff wurde 1938 erbaut. Doch noch heute benutzen wir im Deutschen "Zeppelin" als Synonym für "Luftschiff". Pardon, M. Giffard, nous sommes très desolés.




