Zweifel am Fortschritt
Passte der Film in dieses Jahr? Ja und nein. Vordergründig und von Stanley Kubrick, dem Regisseur, und Arthur C. Clarke, dem Drehbuchautor, natürlich beabsichtigt, passt der Film in die Endphase des amerikanischen Apolloprojekts. Schließlich wird – etwas mehr als ein Jahr nach der Filmuraufführung – am 21. Juli 1969 um 3.56 MEZ Neil Armstrong als erster Mensch seinen Fuß auf den Mond setzen. Kubrick hatte sich von NASA-Spezialisten beraten lassen und setzt in seinem Film Maßstäbe in Bezug auf technische Authentizität.
Andererseits ist 1968 ein Jahr, in dem der Fortschrittsglaube der Generation, die die Mondrakete baut, in Frage gestellt wird: Der Vietnamkrieg eskaliert, in Paris bauen Studenten Barrikaden, in Deutschland wird Rudi Dutschke angeschossen; in den USA sterben Robert Kennedy und Martin Luther King. Die Beatles gehen auseinander. Die Hippie-Bewegung erreicht ihren Höhepunkt und der Slogan “Make love not war” übertönt fast den Count-down für den Start der Saturn Rakete.
Der Traum vom Weltraum
Am Ende dieses lauten, verrückten Jahres kommt der lang erwartete neue Kubrick-Film auch in die deutschen Kinos. Der ruhige, über weite Strecken ohne Sprache auskommende Film mit seinen gleißend hellen Bildern von Mond und Raumschiffen erzählt eine rätselhafte Geschichte, deren Anfang 4,5 Millionen Jahre zurück liegt. Er wendet den Blick ab von der Erde und ihren aktuellen Problemen und schlägt einen Bogen über Raum und Zeit, der das Tagesgeschehen vergessen lässt.
Und doch, wenn der Kinobesucher der Weihnachtstage 1968 nach Hause kam, hörte und sah er die Besatzung von Apollo 8, die als erste Menschen den Anziehungsbereich der Erde verlassen hatten und den Mond umrundeten. Die Zukunft hatte offenbar begonnen und viele Menschen fragten sich: Wo werden wir 2001 sein? - Auf dem Mond, auf dem Mars, auf einem Jupitermond?
Wir leben heute zu Beginn des dritten Jahrtausends und es gibt keine Station auf dem Mond. Mehrere unbemannte Marsmissionen sind gescheitert und an einen bemannten Flug zum Jupiter ist vorerst nicht zu denken. Dafür umkreisen auf niedrigen Umlaufbahnen Spaceshuttles und die Internationale Raumstation die Erde. Aber eine Umlaufbahn ist keine Odyssee. Daher wollen wir Ihnen Geschichte und Prinzipien der bemannten Raumfahrt näherbringen, damit Sie sich selbst die Frage beantworten können: Warum sind wir eigentlich noch hier?
Dr. Dirk Soltau




