Noch nie hatte ein bis dahin unbekannter Wissenschaftler die wissenschaftliche Bühne mit einem solchen Paukenschlag betreten. Genau genommen waren es sogar vier Paukenschläge wie bei Beethovens Fünfter Symphonie, denn in jenem Jahrgang der „Annalen der Physik“ finden sich noch drei weitere Veröffentlichungen dieses Albert Einstein. Jede für sich hätte ausgereicht, den Mann zu einem der führenden Physiker seiner Zeit zu machen. Nicht zuletzt leitet er auf den drei Seiten 639 bis 641 des Bandes 18 die berühmteste und berüchtigste Formel des 20. Jahrhunderts ab: E = mc2.
Doch während vor 100 Jahren zunächst nur eine kleine Gruppe von Physikern die grandiose Umwälzung der Physik bemerkte, war es vor 50 Jahren die ganze Welt, die am 18. April 1955 Abschied nahm von einem Menschen, der für viele zum Inbegriff des genialen Naturwissenschaftlers geworden war. Seine Theorien hatten den Weg geöffnet, die Welt als Ganzes zu sehen. Seine Gleichungen beschreiben den Urknall und die Schwarzen Löcher, seine Ableitungen zeigen wie wir Energie und Zerstörung aus der Kernkraft gewinnen, seine Formeln sind nötig, wenn wir das Navigationssystem GPS benutzen. Albert Einstein wurde in seiner zweiten Lebenshälfte zur Ikone, ja zu einem Popstar der Wissenschaft. Er scheute keine Einmischung in die Politik und hätte Staatspräsident von Israel werden können. Aber letzten Endes zog er es vor, im Elfenbeinturm von Princeton, USA, zu bleiben und auf das Tragen von Socken, Krawatten und Manschetten weit gehend zu verzichten. Für die Medien war er ein Glücksfall: Unverkennbar mit seinem zerzausten Haar und den traurigen „Sternenaugen“ wurde er der berühmteste Wissenschaftler aller Zeiten.
Die letzten Jahrzehnte seines Lebens kämpfte er von der Fachwelt weit gehend isoliert einen einsamen Kampf um die alles beschreibende „Weltformel“. Er hat sie nicht gefunden.
Im Jahr 2000 wählte die Zeitschrift „Time“ Albert Einstein zum bedeutendsten Mann des 20. Jahrhunderts.

