Es ist einer jener Momente, in denen ein Wissenschaftler auf seine eigene Vergangenheit zurückblickt und feststellen muss: Wir hatten recht. Wir hatten recht – und niemand hörte zu. Peter Gleick erinnerte kürzlich auf Mastodon an einen Artikel, den er vor 45 Jahren gemeinsam mit John Holdren verfasste. Das Journal of the Public Health Association veröffentlichte ihre Arbeit, und die Kernthese war: Die schlimmsten Umweltfolgen der Kohle seien weder die Luftverschmutzung noch die Schäden durch den Bergbau. Es sei die Bedrohung durch den Klimawandel. Diese Aussage, formuliert in den späten 1970er Jahren, ist nach Gleicks Worten noch heute gültig.
Es ist eine stille Anklage – nicht gegen die Wissenschaft, sondern gegen all jene, die diese Erkenntnis ignorierten. Die Frage, die Gleicks Erinnerung aufwirft, ist unangenehm: Wenn die Wissenschaft bereits vor einem halben Jahrhundert die Bedrohung durch Kohle und Klimawandel dokumentierte – warum hat die Politik nicht reagiert?
Es wäre falsch zu behaupten, dass die Warnung von Gleick und Holdren ungehört blieb. Sie wurde gehört – aber nicht erhört. Das ist ein feiner, aber entscheidender Unterschied. Die Informationen waren da, sie waren verfügbar, sie wurden in wissenschaftlichen Zeitschriften publiziert und in Fachkreisen diskutiert. Doch sie lösten keine politische Handlung aus, keine regulatorischen Eingriffe, keine grundlegende Neuorientierung der Energiepolitik. Die Warnung wurde zur Kenntnis genommen und dann – archiviert.
Gleicks Erinnerung unterstreicht eine zentrale Erkenntnis: Die Kluft zwischen wissenschaftlichem Wissen und politischem Handeln bei fossilen Brennstoffen spannen sich über fast ein halbes Jahrhundert.




