Mehr, aber immer noch wenig
Die Zahl der Automobile, die mit alternativen Kraftstoffen betrieben werden, hat sich im Vergleich zu 1970 deutlich erhöht: etwa 240 mal so viele sind heute (Stand 2002) auf deutschen Straßen unterwegs. Gemessen an der Gesamtzahl aller registrierten Fahrzeuge stellen sie dennoch eine verschwindend kleine Menge dar: noch nicht einmal 0,001 Prozent aller deutschen Autos verbrauchen alternative Antriebstoffe – angesichts wachsender Luftverschmutzung und rapide schrumpfender Rohstoffreserven ein ernüchterndes Bild. Deutschland scheint noch nicht bereit zu sein, von Benzin- oder Dieselautos auf eine Ressourcen schonende Alternative umzusteigen. Und dennoch kommt allmählich Bewegung in den Markt der alternativen Antriebsenergien.
Die Autobauer sind bereit
In den Entwicklungsabteilungen der großen Automobilkonzerne hat sich in den letzten Jahrzehnten einiges getan. Ingenieure und Techniker haben beständig an der Entwicklung eines serienfähigen Antriebs auf der Basis regenerativer Kraftstoffe gearbeitet. Die einzelnen Hersteller verfolgten dabei verschiedene Wege. Und auf verschiedenen Wegen versuchen sie nun auch, die neuen Antriebstechnologien im Bewusstsein der Verbraucher zu verankern.
Beispiel BMW
Die Ingenieure von BMW präsentierten schon zur Jahrtausendwende die bayrische Variante des umweltfreundlichen Zukunftsautos. In die Tanks ihrer Prototypen fließt Wasserstoff - und der ist in Sachen Umweltschutz und Verfügbarkeit ein wahres Wundermittel. Er zählt zu den wenigen Kraftstoffen, die bei der Verbrennung im Motor keine umweltschädlichen Abgase erzeugen. Außerdem ist Wasserstoff - anders als Erdöl oder Erdgas - praktisch in unbegrenzten Mengen verfügbar, denn er kann leicht aus Wasser hergestellt werden. Im Rahmen des BMW CleanEnergy Projekts versuchen die Münchner, Politiker und Verbraucher überall auf der Welt von ihrem Konzept zu überzeugen. Mit der CleanEnergy World Tour, einer Art Welttournee der BMW-Wasserstoffflotte, die im Jahr 2001 zum ersten Mal stattfand, will der Konzern sein zukunftsträchtiges Projekt rund um den Globus bekannt machen.
Beispiel Toyota
Auch die Automobil-Entwickler im Haus Toyota haben sich Gedanken um eine Alternative zu Benzin und Diesel gemacht. Sie favorisieren dabei die Brennstoffzelle als Antrieb. Diese arbeitet zwar auch auf Wasserstoffbasis und ohne Emissionen, basiert allerdings auf einem anderen Antriebssystem.
Der Konzern plante, eine Reihe seiner Zukunfts-Fahrzeuge bereits Ende 2002 an ausgewählte Regierungsstellen, Forschungsinstitute und Energieunternehmen zu vergeben. Um die Betankung und den Kundendienst sollten sich die frischgebackenen Umwelt-Autotester dann keine Sorgen machen müssen – das gehört bei Toyota zum Service. Der japanische Auto-Riese versucht auf diese Weise, sein Konzept ins Interesse einer breiten Öffentlichkeit aus Politik, Wissenschaft und Wirtschaft zu rücken.
Beispiel Daimler-Chrysler
Daimler-Chrysler setzt auf den Nahverkehr: Mercedes-Busse sollen mit dem hauseigenen Brennstoffzellen-Antrieb die Personenbeförderung in zehn europäischen Großstädten übernehmen. Damit will der Weltkonzern beweisen, wie alltagstauglich die neuen Umwelt-Mobile bereits sind. Doch das Konzept hat noch weitere Vorteile: Auf diesem Weg kommt eine große Zahl Menschen mit der neuen Technologie direkt in Berührung. Sind Nahverkehrsbetriebe und Fahrgäste mit den Bussen zufrieden, ist den Mercedes-Ingenieuren eine positive Publicity so gut wie sicher.
Autofahren - so günstig wie noch nie?
Wie auch immer das Antriebskonzept der Zukunft aussehen mag - für den einzelnen Fahrzeughalter bietet es verschiedene Vorteile: einerseits wird die Umwelt geschont, anderseits sind die neuen Autos auch aus finanzieller Sicht attraktiv. Schon Fahrzeuge, die zwar fossiles, aber schadstoffarmes Flüssiggas tanken, haben gegenüber den Benzinern einen immensen Steuervorteil: fast vier Mal höher wird Benzin besteuert! Erdgasautos sparen gar das Fünfzigfache. Legt man bei der Besteuerung von regenerativen Antriebsenergien analoge Maßstäbe an, könnte Autofahren mit den Umweltautos so günstig wie nie zuvor werden.
Trotz positiver Perspektiven für die Zukunft - noch ist an eine schnelle Verbreitung der neuen Antriebstechnologien nicht zu denken. Denn eine tragfähige Infrastruktur wie zum Beispiel ein ausreichendes Tankstellen- oder Werkstättennetz existiert vorläufig nicht. Allerdings scheint es nur noch eine Frage der Zeit zu sein, bis die Benzin- und Dieselmotoren zum “alten Eisen“ gehören werden.

