Die Biene ist vielleicht eines der kleinsten Nutztiere des Menschen - doch zugleich eines der wichtigsten. Denn trotz ihrer winzigen Statur vollbringen die Insekten wahrlich große Leistungen für uns. Nicht umsonst werden die Tierchen im Sprachgebrauch oft mit dem Adjektiv fleißig versehen. Vielen mag in diesem Zusammenhang zunächst die Produktion des schmackhaften, goldenen Sirups einfallen, der uns Tag für Tag das Frühstück versüßt. Bienen aber machen weitaus mehr als nur Honig.
Wenn sie von Blüte zu Blüte fliegen, um Nektar und Pollen zu sammeln, bestäuben sie dabei auch zahlreiche Pflanzen. Viele Arten tragen vor allem dank der Bienen Früchte, darunter auch etliche Nutzpflanzen. Damit sind Bienen für die Landwirtschaft unerlässlich - und ökonomisch gesehen von großer Bedeutung. Der Wert der durch die Insekten ermöglichten Ernten liegt Experten zufolge weltweit bei circa 150 Milliarden Euro pro Jahr. Ihr volkswirtschaftlicher Nutzen in Deutschland wird auf rund 2,7 Milliarden Euro geschätzt.
Zerstörerische Milbe
Umso dramatischer ist die Lage, in der sich Bienenvölker bei uns und in vielen anderen Ländern befinden. Apis mellifera, wie die in Europa heimische Honigbiene wissenschaftlich korrekt heißt, ist akut in Gefahr. Besonders fatal: Die Insekten haben längst nicht mehr nur mit einer Bedrohung zu kämpfen. Ihr Überleben ist gleich durch mehrere Faktoren bedroht.
Zunächst wäre da die vor rund 60 Jahren aus Asien nach Europa eingeschleppte Milbe Varroa destructor. Sie gilt als einer der größten Feinde europäischer Bienen. Denn die parasitischen Spinnentiere saugen das Blut von Bienenlarven, Puppen und Erwachsenen und schwächen dadurch deren Abwehr. Außerdem übertragen die Milben oft Krankheitserreger wie das tödliche Flügeldeformationsvirus oder pathogene Bakterien.
Schon bald könnte der Parasit sogar Unterstützung erhalten: So haben Forscher kürzlich eine weitere Varroa-Milbenart entdeckt, die den Wirtswechsel von der asiatischen zur europäischen Honigbiene geschafft hat und über den Handel nach Europa kommen könnte. Dann könnte auch Varroa jacobsoni die Insekten parasitieren.
Unter Drogen?
Auch die auf sie so angewiesene Landwirtschaft selbst bedroht die Bienen paradoxerweise: durch den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln. Pestizide wie die umstrittenen Neonicotinoide können das Nervensystem der Pollensammler stören und sie in die Irre fliegen lassen. Zwar ist ihr Einsatz in der Europäischen Union bereits reguliert - Kritikern aber reicht das nicht.
Tatsächlich kann womöglich nur ein Vollverbot die Insekten vor dem gefährlichen Cocktail schützen. Denn haben sie die Wahl, wählen sie offenbar bevorzugt die giftige Alternative, wie eine Studie zeigt. Demnach trinken Bienen mit Pestiziden versetzten Nektar lieber als reines Zuckerwasser. Wissenschaftler vermuten, dass die Neonicotinoide auf das Gehirn der Tiere wie eine Droge wirken - und sie deshalb gesündere Ersatznahrung verschmähen könnten.
Geruchsblind durch Abgase
Hinzu kommt: Der zunehmende Aufbau von Monokulturen vermindert die Vielfalt des Nahrungsangebots für die Bienen. Wie auch wir Menschen brauchen sie eine möglichst vielseitige Ernährung, um gesund und widerstandsfähig zu sein. Oft blühen die einseitig angepflanzten Nutzpflanzen außerdem nur kurze Zeit und lassen die Insekten das restliche Jahr über Hunger leiden.
Der Klimawandel und die Luftverschmutzung bergen weitere Risiken für unsere fleißigen Helferlein. Vorgezogene Blütenphasen oder lange Wärmeperioden im Winter zehren an ihren Energiereserven. Und in durch Feinstaub und Abgasen verpesteter Luft finden die Insekten nicht einmal mehr den Weg zur kraftspendenden Blüte. Eine Studie zeigt, dass viele in Abgasen enthaltene Stickoxide den Duft von Riechstoffen verändern. Rund die Hälfte der häufigsten Duftstoffe, die den Bienen den Weg zur Blüte weisen, erkennen die Insekten dann nicht mehr.
Hilfe für die Helferlein
Die Honigbienen benötigen Schutz - so viel scheint klar. Wie aber lässt sich ihnen helfen? Einen kleinen Beitrag zum Überleben der Pollensammler kann jeder Einzelne bereits ohne großen Aufwand leisten: Der Naturschutzbund Deutschland (NABU) betont etwa, dass die Insekten angesichts von Bienenkrankheiten und Co die fürsorgliche Pflege von Imkern nötiger haben denn je: Mit dem Rückgang der Imkerei sterbe die Honigbiene. Verbraucher sollten daher ihren Imker vor Ort unterstützen - und öfter mal dort ein Glas Honig kaufen.
Wer Balkon oder Garten hat, kann zudem den Speiseplan der Bienen bereichern und ihnen durch eine entsprechende Bepflanzung abwechslungsreiche Nahrung bieten. Hobbygärtner können beispielsweise darauf achten, dass in ihren Beeten durchgehend von März bis Oktober etwas blüht. Manche Kräuter- und Gemüsepflanzen blühen mitunter sogar über den Herbst hinaus und dienen dann noch als gern genommenes Nahrungsangebot.
Wichtig dabei: Bei der Auswahl der Blumen unbedingt auf züchterisch veränderte Sorten verzichten, die für die Bestäuber nutzlos sind. Bei vielen Pflanzen ist es etwa zuchtbedingt so gewollt, dass die Staubblätter auch Blütenblätter sind - das heißt, sie bieten nur Farbe. "In diesen 'gefüllten Blüten' finden Bienen dann keine Pollen und Nektar mehr", erklärt NABU-Bienenexpertin Melanie von Orlow. "In Baumärkten und Gärtnereien sollte man daher darauf achten, nur blühende Pflanzen auszuwählen, an denen Bienen zu sehen sind."

