Die Zukunft in der Automobilbranche liegt in der "by-wire"-Technologie. Hinter dem Begriff verstecken sich Bedienelemente wie Lenkrad oder Pedale, die nicht länger direkt mit den Antriebselementen verbunden sind. War die Steuerung der Systeme bisher mechanisch oder hydraulisch, wird sie nun mit Hilfe elektrischer Impulse, also elektronisch ("by-wire") geregelt.
Erreicht wird dieses Ziel durch die Einbindung eines Steuerungssystems, das die Befehle des Fahrers übersetzt und an die jeweiligen Systeme weiterleitet. Der Kraftaufwand für das Kurvenfahren oder Bremsen wird durch diese technische Errungenschaft minimal und Fehlreaktionen wie Übersteuern können von den Systemen ausgeglichen werden.
Die Möglichkeiten in diesem neuen Bereich sind vielfältig: Bremse, Lenkung, Lichtausgleich, Antrieb und Federung können "by-wire" gesteuert werden.
Erfreuliche Nebeneffekte der elektronischen Steuerung sind das geringere Gewicht und der Platzgewinn. Das Fehlen mechanischer Bauteile ermöglicht ein völlig neues Design für zukünftige Automobile, das verstärkt Rücksicht auf Sicherheitsaspekte und Spritverbrauch nehmen kann.
Hindernisse
Warum sind heutige Autos noch nicht komplett „by-wire“ gesteuert?
Die Antwort ist leicht zu finden, wenn man an den eigenen Heimcomputer denkt: Systemabstürze und Ausfälle sind hier die Regel - bei einer Regelung des Brems- oder Lenksystems über eine derartige Software würde die Autofahrt zu einem lebensgefährlichen Zeitvertreib.
In der Luftfahrt garantieren bis zu vier Rechner die reibungslose Steuerung. Bei dem wesentlich geringeren Platzangebot im Auto muss die Zuverlässigkeit durch eine einzige, entsprechend zuverlässige Plattform garantiert werden. Hier reicht selbst die sehr stabile Software der Flugindustrie nicht aus.
Daneben benötigt die Automobilindustrie für einen Einsatz der „by-wire"-Systeme eine Standardarchitektur, die den preiswerten und universellen Austausch der Verschleißteile ermöglicht. Darüber hinaus müssen mehr und mehr elektromagnetische Interferenzen minimiert oder eliminiert werden, die durch den vermehrten Einsatz von Motoren, Sensoren und anderen elektronischen Geräten im Fahrzeug entstehen. Vor dem ersten gänzlich "by-wire" gesteuerten Automobil liegt somit ein weiter Weg.
Erste Praxistests
Erste Anfänge sind bereits gemacht: Elektronische Regler verrichten schon heute in Bremsen, in der Steuerung oder beim Schalten gute Dienste. All diese Systeme arbeiten bisher aber noch nicht eigenständig. Stets dient die herkömmliche, mechanische Bedienung als Sicherheitsgarantie.
So besitzen derzeit einige Fahrzeuge bereits eine elektromechanische Bremse (EMB) mit hydraulischer Bremsmöglichkeit, falls das System versagen sollte. Bei diesen Bremsen wird die Kraft gemessen, die der Fahrer für den Bremsvorgang aufwendet und damit die benötigte Bremskraft berechnet. Das Bremssystem verteilt die Kraft dann optimal auf die Räder.
Auch bei der Lenkung, "steer-by-wire“, gibt es erste elektronisch-mechanische Varianten. Die konventionelle Lenkung garantiert dabei sowohl die Sicherheit als auch ein dem Kraftfahrer vertrautes Fahrgefühl. Mit der Elektronik wird das Lenken optimiert und die automatische Steuerung kann bei einem Fehlverhalten des Fahrers entgegenwirken. Auch Motor ("power-by-wire") und Getriebe ("shift-by-wire") werden derzeit häufig über elektronische Signale bedient.
Zukunft
Wenn in den nächsten Jahren das ganze Fahrzeug über Elektronik gesteuert werden kann, liegt es nahe, autonom fahrende Kraftfahrzeuge zu entwickeln. Das kann aber erst dann erreicht werden, wenn die "by-wire“-Systeme fehlerfrei und ausfallsicher arbeiten.
Die hydraulische Bedienung würde dann zum reinen Zeitvertreib des Autoliebhabers. Bis es dazu kommt, liegt der Fahrspaß jedoch in der Verantwortung des Lenkers. Noch können die neuen Möglichkeiten der Technik lediglich helfen, das Fahren sicherer zu gestalten.

