Wie alles begann
Mit fünfzehn Jahren übernahm der 1844 in Hamburg geborene Carl Hagenbeck den Tierhandel seines Vaters. Das Geschäft entwickelte sich hervorragend. Hagenbeck rüstete eigene Tierfangexpeditionen aus, wobei er sich auf Afrika spezialisierte. Die angeheuerten Tierfänger brachten alljährlich vier bis fünf Ladungen neuer Tiere nach Hamburg. Tierdepot und Zoo waren gegen Eintritt zu besichtigen. Als dieses Geschäft nicht mehr so recht florierte, versuchte Hagenbeck es mit Völkerschauen: Lappländer mit Rentieren und Zelten machten den Anfang. Eine Sensation! Die nächste Völkerschau bestand aus Nubiern mit schwarzen Dromedaren und anderen Nutztieren. Das Großstadtpublikum kam in Scharen, um sich die „von keiner Zivilisation verdorbenen Menschen“ anzuschauen. Diese laut Hagenbeck „anthropologisch-zoologischen Veranstaltungen“ hatten einen so großen Erfolg, dass sie auch in London und Paris gezeigt wurden.
Die Anfänge des modernen Zoos
Auf der Suche nach einem geeigneten Grundstück für seinen ständig wachsenden Tierpark und seine Zoohandlung war Hagenbeck ins preußische Stellingen gekommen. Hier kaufte er für wenig Geld ein 25 Hektar großes Gelände, auf dem 1902 die Bauarbeiten begannen. Fünf Jahre später präsentierte er ein völlig neues Tierdomizil, wo sich Lebewesen aller Zonen wohl fühlen sollten. Die Tiere waren nicht mehr in einzelnen Käfigen zu sehen, sondern in gemischten Tiergruppen, die sich nun - nur noch durch einen Graben vom Besucher getrennt – relativ frei bewegen konnten.
Mit der Eröffnung des Tierparks erfüllte sich Hagenbeck nicht nur den Traum vom Freigehege, er stand zugleich auf der Höhe seines Ruhms. Er wird von naturkundlichen und zoologischen Gesellschaften Europas und der USA geehrt und vom Kaiser ausgezeichnet. In Stellingen präsentierte er - so heißt es in einem zeitgenössischen Reiseführer - den „zoologischen Garten der Zukunft“. Und tatsächlich wurde Hagenbecks Konzept weltweit kopiert.

