Container-Begasung – Krankheit per Fracht
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Container-Begasung – Krankheit per Fracht

Bild: Foto: Asurnipal, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Doch womit der Mann nicht gerechnet hatte: Als er seinen Messstab durch die Gummidichtung in den Container schiebt, trifft er auf die 35-fache Menge des zulässigen Grenzwertes.

Jahrelang arbeitsunfähig

Doch womit der Mann nicht gerechnet hatte: Als er seinen Messstab durch die Gummidichtung in den Container schiebt, trifft er auf die 35-fache Menge des zulässigen Grenzwertes.

Es nützte ihm nichts, dass er den Container verschlossen ließ. Allein dadurch, dass er in der Nähe weiterarbeitete, nahm er durch die winzige Öffnung, die durch den Messvorgang entstanden war, genügend Gift auf, um krank zu werden. So krank, dass er auf mehrere Jahre arbeitsunfähig wurde.

Symptome ändern sich

Eine Vergiftung mit Phosphorwasserstoff oder Brommethan äußert sich in den meisten Fällen zunächst auf ähnliche Weise: Kopfschmerzen, Schwindelgefühl, Übelkeit. Tückisch, da weder Arzt noch Betroffener diese doch recht alltäglichen Erscheinungen mit einer Vergiftung in Zusammenhang bringen.

Aber dabei bleibt es nicht. So weiß der niederländische Gewerkschafter Jan de Jong von einem Lagerarbeiter zu berichten, der sein Kurzzeitgedächtnis verlor. Und ein LKW-Fahrer habe kein Gefühl mehr in Armen und Beinen, sagt er. „Beide Männer sind jetzt Pflegefälle.“

Häufig beobachtete Symptome bei wiederholtem Kontakt mit den beiden Nervengiften sind auch Konzentrationsstörungen, Muskelkrämpfe und Asthma.

Alternativen

Dass Exporteure ihr Schiffsgut gnadenlos überbegasen, ist keine Seltenheit. Dem Hamburger Amt für Arbeitsschutz nach ist etwa jeder fünfte Container mit einer erheblichen Schadstoffkonzentration belastet.

Die internationale Vorschrift besagt zwar, dass begaste Container mit Warnhinweisen versehen sein müssten. Doch ist dies häufig nicht der Fall – und wenn, dann nur in der Landessprache des Absenders. Fatal ist, dass die Gase geruchsneutral sind. Ebenso, dass Brommethan zehnmal so stark die Ozonschicht angreift wie FCKW und viel zu häufig in die Luft gelangt – ob ohne Wissen des Hafenpersonals oder bei der kontrollierten Entgasung. „Wenn es denn nicht in einem speziellen Filterverfahren gebunden wird“, sagt Karl Olaf Petters von der Hamburger Hafen und Logistik AG. Aber das ist nicht überall der Fall.

Als Alternative kommt Sulfuryldifluorid zum Einsatz. Das beschädigt zwar nicht die Ozonschicht. Dafür heißt es von ihm aber, es begünstige den Treibhauseffekt.

Warum man auch nicht verderbliche Ware begast, liegt an den Holzpaletten, auf denen sie steht. Einerseits, um dem Holzwurm den Garaus zu machen, vor allem aber auch, um eine globale Verbreitung von Waldschädlingen zu vermeiden. Hier jedoch gäbe es eine weitere Alternative: Die 30-minütige Erhitzung des Holzes auf über 56 Grad befreit das Material von sämtlichen Schädlingen und ist absolut ungefährlich.

Laut der internationalen Regelung ISPM 15 (International Standards For Phytosanitary Measures) ist das günstige und daher gern genommene Brommethan bereits in vielen Ländern verboten und soll bis 2015 komplett aus dem Verkehr gezogen sein.

Gefahren für Verbraucher

Dem Bundesinstitut für Risikobewertung zufolge sind vor allem Matratzen, Plüschtiere und lackiertes Holzspielzeug betroffen, das aus begasten Containern auf dem Markt landet. Es habe sich gezeigt, dass Restmengen der Begasungsmittel aus diesen Produkten auch über längere Zeiträume ausgasen könnten, heißt es auf der Internetseite des Instituts. Begaste Lebensmittel immerhin werden in der Regel so lange entlüftet, bis sie rückstandslos in Umlauf kommen.

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