Das Lernen lernen – Eine Studie der OECD
Natur & Umwelt

Das Lernen lernen – Eine Studie der OECD

Bild: Foto: Konrads Bilderwerkstatt, CC BY 2.0, via Wikimedia Commons

Erfolgreiches Lernen hängt nicht nur von gutem Unterricht und guten Rahmenbedingungen ab, sondern auch davon, welche Einstellung Schüler zum Lernen haben. Dies besagt ein neuer Bericht der OECD, der auf der PISA-Studie (Programme for International Student Assessment) basiert. In 26 der inzwischen 43 Länder, die an PISA teilgenommen haben, wurden 15-Jährige nicht nur auf ihre Lesekompetenz und Kompetenzen im mathematischen und naturwissenschaftlichen Bereich getestet, sondern auch gefragt, ob und welche Strategien sie beim Lernen nutzen, wie hoch ihre Motivation und ihr Selbstvertrauen beim Wissenserwerb sind und ob sie eher kooperative oder wettbewerbsorientierte Lernformen bevorzugen.

Erfolgreiches Lernen hängt nicht nur von gutem Unterricht und guten Rahmenbedingungen ab, sondern auch davon, welche Einstellung Schüler zum Lernen haben. Dies besagt ein neuer Bericht der OECD, der auf der PISA-Studie (Programme for International Student Assessment) basiert. In 26 der inzwischen 43 Länder, die an PISA teilgenommen haben, wurden 15-Jährige nicht nur auf ihre Lesekompetenz und Kompetenzen im mathematischen und naturwissenschaftlichen Bereich getestet, sondern auch gefragt, ob und welche Strategien sie beim Lernen nutzen, wie hoch ihre Motivation und ihr Selbstvertrauen beim Wissenserwerb sind und ob sie eher kooperative oder wettbewerbsorientierte Lernformen bevorzugen.

Die Daten belegen, dass Schüler bessere schulische Leistungen erzielen, wenn sie motiviert sind, über effektive Lernstrategien verfügen und sich selber auch zutrauen, ihr Lernen zu steuern. Um solche Einstellungen und Techniken in Zukunft stärker zu fördern, müssen Schulen nicht nur Unterrichtsinhalte, sondern auch das "Wie des Lernens" vermitteln. Schüler brauchen reichhaltige Erfahrungen mit dem Lernen, um zu begreifen, wie sie am besten lernen, welche Methoden effektiv sind und wie sie Verantwortung für ihr eigenes Lernen übernehmen können. Erst wenn sie diese Lernkompetenz entwickelt haben, werden sie auch nach der Schulzeit selbständig weiterlernen und den Anforderungen des Berufslebens gewachsen sein.

Nach ihren eigenen Angaben zum Lernen lassen sich die Schüler vier verschiedenen Lernergruppen zuordnen. Die Gruppe der lernstärksten Schüler zeichnet sich sowohl durch häufigen Einsatz von effektiven Lerntechniken und -strategien aus als auch durch Einstellungen und Überzeugungen, die das Lernen fördern. Diese Schüler verwenden vorrangig Strategien, die auf das Verstehen und Durchdringen des Gelernten abzielen und die als Elaborations- und Kontrollstrategien bezeichnet werden. Außerdem trauen sich diese Schülerinnen und Schüler auch zu, schwierige Lernziele zu erreichen (Selbstwirksamkeit) und sind bereit, Anstrengung und Ausdauer in ihr eigenes Lernen zu investieren. Schüler aus dieser Gruppe der stärksten Lerner schneiden auf der PISA-Skala im Schnitt 63 Punkte oder rund eine Kompetenzstufe besser ab als die Schüler aus der Gruppe der "lernschwachen Schüler".

Dieser positive Zusammenhang zwischen den Lernmethoden, der Motivation und dem Selbstvertrauen der Schüler auf der einen, und der schulischen Leistung der Schüler auf der anderen Seite findet sich in allen an der Studie beteiligten Ländern. Ein weiteres gemeinsames Merkmal aller Länder ist jedoch auch, dass es an allen Schulen eine Reihe von Schülern gibt, deren Lernzugänge als verbesserungswürdig zu bezeichnen sind: Diese Schüler weisen ein geringes Selbstvertrauen auf, sind kaum motiviert und verfügen über wenig effektive Lernstrategien. Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass gerade diese Gruppe der lernschwachen Schüler besonders stark davon profitieren würde, wenn ihnen die Schule Hilfestellung beim selbstgesteuerten Lernen geben würde. Denn die Leistungszuwächse zwischen der Gruppe von Lernern, die sehr selten Gebrauch von Kontrollstrategien macht und der Gruppe von Lernern, die diese regulativen Strategien wenigstens manchmal anwenden, sind besonders hoch.

In allen Ländern haben Schüler eine positivere Sicht ihrer eigenen Fähigkeiten im Lesen als in Mathematik. Trotz dieser Gemeinsamkeiten finden sich aber auch deutliche Unterschiede zwischen den Teilnehmerstaaten: Dänische Schüler haben das höchste und koreanische Schüler das geringste Vertrauen in ihre akademischen Fähigkeiten, sowohl was die Lesekompetenz als auch die Mathematik betrifft. Die Mittelwerte im Selbstvertrauen sind zwar in den Ländern verschieden hoch, was auch kulturell bedingt sein mag, aber auf der individuellen Ebene zeigen sich dennoch die gleichen Zusammenhänge: In Korea wie in Dänemark schneiden Schüler, die sich etwas zutrauen, besser ab, als solche mit weniger Selbstvertrauen.

Geschlechtsunterschiede, der Einfluss der Familie und der Migrationshintergrund schlagen sich oft auch in unterschiedlichen Lernvoraussetzungen und Einstellungen zum Lernen nieder, zeigte die Studie:

  • Obwohl Jungen schlechter beim Lesen abschneiden, haben sie insgesamt einige Lernvorteile: Sie vertrauen beispielsweise eher als Mädchen darauf, dass sie Lernaufgaben erfolgreich bewältigen. Dafür halten Mädchen mehr von ihren Lesefähigkeiten und haben größeres Interesse am Lesen.
  • Schüler aus sozial begünstigten Schichten lernen besser. Sie glauben insbesondere eher daran, dass sie Erfolg haben werden, verwenden häufiger effektive Lernstrategien und sind interessierter am Lesen. Der in PISA gezeigte Leistungsvorteil von Schülern aus sozial bessergestellten Familien lässt sich dabei zu einem erheblichen Anteil darauf zurückführen, dass diese Schüler über bessere Lernvoraussetzungen im Sinne von Motivation, Lernstrategien und Selbstvertrauen verfügen.
  • Schüler aus Einwandererfamilien, deren Leseleistung in den meisten Ländern wesentlich schwächer als die der Einheimischen ist, verfügen nicht generell über schlechtere Lernvoraussetzungen. In der Mehrzahl der Länder sind ihre Herangehensweisen ähnlich wie die der einheimischen Schüler und in einigen Ländern, wie Australien und Neuseeland, weisen Migranten sogar bessere Lernvoraussetzungen auf. In Deutschland verwenden Migranten in der Regel weniger Elaborationsstrategien und trauen sich im Fach Deutsch weniger zu. Ihr Interesse an Mathematik ist jedoch stärker ausgeprägt als das ihrer deutschen Mitschüler.

Insgesamt zeigte die Studie, dass die Lerneinstellungen einen überraschend starken Einfluss auf die Lesekompetenz haben. Rund ein Fünftel der Leistungsunterschiede in der Lesekompetenz der Schüler lässt sich auf ihre unterschiedlichen Lernvoraussetzungen im Sinne von Strategien, Motivation und leistungsbezogenem Selbstvertrauen zurückführen.

Wenn man aus diesem Ergebnis eine Konsequenz ziehen will, dann sollte das "Wie des Lernens" stärker zum Unterrichtsgegenstand werden. Lehrer könnten ihre Schüler dabei unterstützen, ein Repertoire an effektiven Lernstrategien aufzubauen und ihnen auch helfen, Zuversicht und Interesse zu entwickeln. Solche pädagogischen Unterstützungsprozesse sollten auch ein zentrales Element der Lehrerausbildung sein.

Mehr aus Natur & Umwelt

Weitere aktuelle Artikel aus der Rubrik Natur & Umwelt.

Alle Natur & Umwelt-Artikel
Der Ozean kommt außer Atem: Warum unser größter Klimapuffer schwächelt
Natur & Umwelt

Der Ozean kommt außer Atem: Warum unser größter Klimapuffer schwächelt

29. Oktober 2026

Der Ozean hat fast 30 Prozent des CO2 geschluckt, das wir je emittiert haben – doch durch die Erderwärmung nimmt er bereits sechs Prozent weniger auf als möglich. Was dieser versteckte Kipppunkt für uns bedeutet.

Rechtspersönlichkeit für Ökosysteme: Mar Menor klagt in Spanien
Natur & Umwelt

Rechtspersönlichkeit für Ökosysteme: Mar Menor klagt in Spanien

23. Oktober 2026

Die spanische Lagune Mar Menor hat seit 2022 Rechtspersönlichkeit – als erstes Ökosystem Europas. Felix Aiwanger vom Max-Planck-Institut erklärt, wer künftig klagen könnte und wie Deutschland im internationalen…

Hummelähnliche Insektenart nach 150 Jahren in Frankreich wiederentdeckt
Natur & Umwelt

Hummelähnliche Insektenart nach 150 Jahren in Frankreich wiederentdeckt

21. Oktober 2026

Eine hummelähnliche Insektenart, die seit rund 150 Jahren in Frankreich als verschwunden galt, wurde im Raum Paris erneut gesichtet. Forschende sehen den Fund als Beleg für eine globale Taxonomie-Krise.

Wie die Ölindustrie den Zweifel am Klimawandel erfand
Natur & Umwelt

Wie die Ölindustrie den Zweifel am Klimawandel erfand

19. Oktober 2026

Ein neuer Bericht dokumentiert, wie fossile Konzerne systematisch Desinformation über die menschengemachte Erderwärmung verbreiteten. Klimaforscher Stefan Rahmstorf empfiehlt die Lektüre dringend.

← Zurück zu Natur & UmweltZur Startseite