Debatte um Palmölproduktion: Billiges Fett zulasten des Regenwaldes
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Debatte um Palmölproduktion: Billiges Fett zulasten des Regenwaldes

Bild: Foto: Whgler, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Ob Tiefkühlpizza, Schokocreme, Margarine oder Shampoo: Palmöl steckt in etwa jedem zweiten Supermarktprodukt – vor allem in Lebensmitteln und Kosmetika. Das Öl, das aus dem Fruchtfleisch der Ölpalme gewonnen wird, ist mit einem Anteil von einem Drittel am globalen Gesamtverbrauch das weltweit wichtigste Pflanzenöl. Jedes Jahr werden nach Angaben von Greenpeace rund 60 Millionen Tonnen Palmöl produziert. Deutschland importiert jährlich etwa 1,5 Millionen Tonnen davon, vorwiegend aus Indonesien und Malaysia.

Ob Tiefkühlpizza, Schokocreme, Margarine oder Shampoo: Palmöl steckt in etwa jedem zweiten Supermarktprodukt – vor allem in Lebensmitteln und Kosmetika. Das Öl, das aus dem Fruchtfleisch der Ölpalme gewonnen wird, ist mit einem Anteil von einem Drittel am globalen Gesamtverbrauch das weltweit wichtigste Pflanzenöl. Jedes Jahr werden nach Angaben von Greenpeace rund 60 Millionen Tonnen Palmöl produziert. Deutschland importiert jährlich etwa 1,5 Millionen Tonnen davon, vorwiegend aus Indonesien und Malaysia.

Zwei Eigenschaften machen das Öl bei Herstellern so beliebt: Es ist erstens billig und zweitens vielseitig einsetzbar. So schmeckt es ähnlich wie Butter und verleiht Speisen eine streichfeste, cremige Konsistenz. Außerdem können aus dem Öl Tenside hergestellt werden, die unter anderem in Duschgels und Reinigungsmitteln stecken. Auch in Schmiermitteln, Farben und Lacken findet Palmöl Verwendung – zudem wird auch Biokraftstoff häufig Palmöl beigemischt.

Regenwald muss Plantagen weichen

Was für die Produktion praktisch ist, versetzt Umweltschützer jedoch in Alarmstimmung. Denn die stetig steigende Nachfrage nach dem Öl hat zur Folge, dass für Palmölplantagen im großen Stil tropische Wälder gerodet werden. Das betrifft vor allem die wichtigsten Produktionsländer Indonesien und Malaysia, aber auch Länder in Südamerika und Afrika.

Seit 1990 hat sich die Anbaufläche für Ölpalmen laut der Umweltorganisation WWF weltweit verdoppelt, in Indonesien sogar verzehnfacht. Mit jedem Hektar, der hinzukommt, schrumpft in den betroffenen Ländern der Regenwald – und damit die "Grüne Lunge" unseres Planeten. Regenwälder gehören zu den wichtigsten Kohlenstoffspeichern auf der Erde, ihr Baumbestand kann Milliarden Tonnen des Treibhausgases Kohlendioxid aufnehmen.

Brennpunkt Indonesien

Besonders extrem wirkt sich der Verlust von tropischen Urwaldriesen in Indonesien aus. Hier gibt es nämlich vor allem auf Sumatra, Borneo und Neuguinea viel Regenwald, der auf Torfmoorböden wächst. Diese sind besonders effektive Kohlenstoffspeicher und enthalten bis zu 50-mal mehr Kohlenstoff als eine gleich große Fläche Regenwald auf herkömmlichem Grund.

Werden die tropischen Torfmoore jedoch trockengelegt, um dort Ölpalmen anzubauen, entweichen auf einen Schlag große Mengen Treibhausgase in die Atmosphäre. "Indonesien ist dadurch zum drittgrößten Treibhausgas-Emittenten der Erde geworden", schreibt WWF. Umweltschützer kritisieren zudem, dass durch die Trockenlegung der Moore und Brandrodungen das Risiko für unkontrollierte Waldbrände steigt.

Durch solche Feuer verbrannten im vergangenen Jahr große Flächen Land, dabei wurden Unmengen zusätzliches Kohlendioxid frei. Das hat nicht nur schwerwiegende Folgen für die Bevölkerung vor Ort, sondern auch für das globale Klima. Unter dem Raubbau an der Natur leidet zudem die biologische Vielfalt. Die riesigen Monokulturen nehmen bedrohten Arten wie Orang-Utans und Tigern den Lebensraum – und die Waldbrände gefährden sie zusätzlich.

Siegel für mehr Nachhaltigkeit

Was also tun? Die meisten Umweltorganisationen sind nicht grundsätzlich gegen den Anbau von Ölpalmen – unter anderem weil die Pflanzen einen viel höheren Ertrag pro Hektar liefern als etwa Raps und Soja. "Würde man Palmöl mit dem Öl anderer Ölpflanzen ersetzen, würden viel größere Flächen benötigt und das Problem nur in andere Länder und Kontinente verlagert", sagt etwa Greenpeace. Außerdem sei Palmöl auch die Lebensgrundlage vieler Kleinbauern. Die Naturschützer fordern aber, dass die Palmölproduktion nachhaltiger wird und nicht mehr auf Kosten von Mensch und Umwelt geschieht.

Um dieses Ziel zu erreichen, haben sich zahlreiche Unternehmen zum sogenannten Runden Tisch für nachhaltiges Palmöl, kurz RSPO, zusammengeschlossen. Namhafte Produzenten verpflichten sich dabei freiwillig, bestimmte Mindeststandards und -kriterien einzuhalten. Um das RSPO-Siegel für Produkte zu tragen, müssen die Palmöllieferanten zum Beispiel bestimmte Waldflächen erhalten und den Einsatz von Pestiziden reduzieren.

Leere Versprechen?

Kritiker bemängeln jedoch, dass der RSPO-Standard nicht weit genug geht. So dürfen auch für Palmöl in RSPO-Produkten weiterhin Regenwälder und Torfmoore in Plantagen umgewandelt und hochgiftige Pestizide eingesetzt werden.

Erst kürzlich hat außerdem eine Greenpeace-Studie gezeigt, dass viele Versprechen der Hersteller wohl nur auf dem Papier Gültigkeit haben. Trotz schriftlich formulierter Selbstverpflichtung konnte demnach keiner von vierzehn befragten global agierenden Konzernen nachweisen, dass in seiner Lieferkette kein Palmöl aus fragwürdiger Herkunft steckt. Keines der Unternehmen war bereit, vollständige Listen seiner Lieferanten offenzulegen. Besonders schlecht schnitten in Sachen Nachhaltigkeit und Transparenz der Studie zufolge Pepsico, Colgate-Palmolive sowie Johnson & Johnson ab.

Palmölfreie Alternativen

Verbraucher, die der Umwelt zuliebe auf Palmöl aus fragwürdiger Produktion verzichten möchten, können sich auf Siegel demnach bislang wohl eher nicht verlassen. Wer auf Nummer sicher gehen will, sollte im Supermarkt auf palmölfreie Alternativen zurückgreifen. Die sind zwar mitunter schwer zu finden, aber es gibt sie. Von Schokolade, über Seife bis hin zu Mascara – fündig wird man häufig bei Bio- und Naturprodukten.

Bei der Suche nach einem Produkt ohne Palmöl hilft seit Dezember 2014 schon ein Blick auf die Inhaltsliste. Seitdem muss Palmöl als Zutat in Lebensmitteln ausdrücklich deklariert werden. Die Angabe "pflanzliche Öle" allein reicht nicht mehr. Aber Achtung: Für Kosmetika und Reinigungsmittel gilt diese Regel nicht.

Das Umweltportal Umweltblick hat aber einen Einkaufsführer entwickelt, der auch für diese Produkte Alternativen aufzeigt. Den Einkaufsführer gibt es inzwischen sogar als App – vergleichbare Anwendungen gibt es daneben auch von Anbietern wie Codecheck oder der Kampagne Zero Palmöl. Diese sollen erkennen, in welchen Produkten der umstrittene Rohstoff steckt.

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