Mehr als drei Millionen - so groß ist die Zahl der Menschen, die jedes Jahr weltweit durch die Folgen von Feinstaubbelastung sterben. Zu dieser traurigen Bilanz kamen Forscher in einer Studie aus dem Jahr 2015. Noch schlimmer aber: Wird nichts gegen die Luftverschmutzung getan, könnten im Jahr 2050 schon mehr als sechs Millionen Menschen jährlich an Smog, Feinstaub und Co sterben.
Der Grund für diese verheerende Wirkung: Schadstoffe und mikroskopisch kleine Schwebstoffe in der Atemluft dringen tief in die Lunge ein und können die Gesundheit auf gleich mehrfache Weise schädigen: So erhöht eine hohe Luftverschmutzung das Lungenkrebsrisiko und fördert Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Aber auch indirekte Folgen wie vermehrtes Übergewicht oder eine gesteigerte Antibiotikaresistenz von Viren stehen in der Diskussion.
In Deutschland hat man die Gefahr längst erkannt. Mit strengen Grenzwerten und leistungsstarken Filtertechnologien sind die Feinstaubemissionen hier im internationalen Vergleich eher gering. Allerdings gibt es auch hier noch immer Stadtgebiete, in denen nahezu täglich die zulässigen Höchstwerte überschritten werden. Doch in vielen anderen Regionen der Erde sieht es noch viel schlimmer aus. Eine Auswahl einiger "Spitzenreiter" in Bezug auf Luftverschmutzung hat die Organisation A3M aus Tübingen zusammengestellt:
Delhi
In Indiens Hauptstadt ist Smog ein berüchtigtes Dauerthema. Besonders schlecht ist die Luft im Herbst nach dem Diwali-Fest mit seinen großen Feuerwerken. Zudem brennen die Bauern im Umland ihre Felder ab, um das Land für die nächste Aussaat vorzubereiten. Im Winter verbrennen die Menschen in Delhi oftmals Müll, um sich zu wärmen. Hinzu kommt Luftverschmutzung durch Industrie und Autos.
Mumbai
Auch die Aufstellung von Mumbai als zweites indisches Paradebeispiel für schlechte Luft dürfte wenig überraschen. Zwar ist der öffentliche Nahverkehr dort vergleichsweise gut ausgebaut, aber ein enormer Auto-, Bus- und Rikschaverkehr trägt zu hoher Luftverschmutzung bei. Hinzu kommt eine ausgeprägte Industrie. Diese sorgt zusammen mit der hohen Einwohnerzahl neben Smog auch für schädliche Abwasser und große Mengen von Müll.
Kairo
Mit mehr als neun Millionen Einwohnern zählt die ägyptische Hauptstadt ebenfalls zu den Städten mit extrem schlechter Luft. Der enorm dichte Verkehr sorgt insbesondere in Verbindung mit hohen Ozonwerten im Sommer für eine große Belastung der Atemwege. Immerhin sinkt die Ausgabe von bleihaltigem Benzin, so gehen die Werte zumindest prinzipiell zurück.
Doha
Eher überraschend wird für viele die Metropole Doha im Emirat Katar sein. Bekannt ist die Metropole für ihre enormen Sommertemperaturen, die sich oftmals der 50 Grad-Grenze nähern. Eine Kombination aus Straßenverkehr, eingewehtem Wüstensand, hoher Luftfeuchtigkeit und wenig Regen sorgt dafür, dass Doha auf der Liste der Städte mit schlechter Luft sehr hoch oben steht.
Abu Dhabi
In der Hauptstadt der Vereinigten Arabischen Emirate stellt sich die Lage ähnlich dar wie in Doha. Gemessen an der Einwohnerzahl ist die Metropole zwar in keiner Weise mit Megastädten wie Delhi und Kairo zu vergleichen. Dennoch sorgen auch hier Hitze, Schwüle, Regenmangel und die Nähe zur Wüste für eine entsprechende Kombination.
Peking
Regelmäßig in die weltweiten Schlagzeilen schafft es Chinas Hauptstadt Peking. Selbst von "Super-Smog" ist hier immer häufiger die Rede. In 2016 warnten chinesische Forscher, dass Feinstaub größtes Gesundheitsrisiko und Kostenfaktor der chinesischen Stadtbevölkerung sei. Die "dicke Luft" gilt als Todesursache für jeden dritten Chinesen in den hochbelasteten Ballungsräumen wie Peking.
Wenn im Winter die Stadt unter einer Smogglocke nahezu verschwindet, ist die Bevölkerung mit gravierenden Einschränkungen konfrontiert: Vor allem Industrieunternehmen und Baustellen schließen, um die Emissionen zu senken und die Luft zu verbessern. Außerdem werden bei extremem Smog Flüge und Zugverbindungen gestrichen und circa die Hälfte aller Fahrzeuge stillgelegt. Auch Kindergärten und Schulen werden zeitweise geschlossen. Zum einen soll das den Verkehr auf den Straßen reduzieren, aber auch die Bevölkerung vor zu langen Aufenthalten in der stark verschmutzen Luft schützen.
Xi’an
Die Hauptstadt der Provinz Shaanxi ist nicht nur bekannt für die weltberühmte Terracotta Armee oder als Wiege der chinesischen Zivilisation. Wie die anderen Metropolen des großen Landes leidet die Stadt unter viel Verkehr und veralteten Industrie-Anlagen. Sie nimmt daher einen der Spitzenplätze in puncto Feinstaubbelastung ein.
Johannesburg
In Südafrika macht die größte Stadt des Landes in Sachen Luftverschmutzung immer wieder von sich reden. Hier sorgt eine ausgeprägte Industrie für sprichwörtlich schlechte Luft. Für eine große Belastung der Umwelt sorgen zudem Schwermetalle und Säuren aus der Goldproduktion.
Sofia
Unter den europäischen Städten nimmt Bulgariens Hauptstadt Sofia einen traurigen Spitzenplatz ein. Die Metropole liegt in einer Art Kessel, was insbesondere im Winter zu hohen Smogwerten beiträgt. Zudem sind Autos oft von sehr altem Fabrikat, was die Lage zusätzlich verschlimmert. Zudem heizen viele Menschen statt mit Öl oder Gas aus Kostengründen nach wie vor mit Kohle.
Antalya
Nicht zuletzt sind auch die Metropolen der Türkei nicht gerade Vorzeigekandidaten bei der Luftqualität. Ankara und einige Städte im Osten des Landes dürften viele in dieser Liste erwarten. Eher überraschend ist wahrscheinlich die schlechte Platzierung der Küstenmetropole Antalya, die ja das Tor zur Türkischen Riviera darstellt. Verantwortlich sind dafür unter anderem eines der dichtesten Verkehrsnetze im Land sowie die hohe Anzahl an Busverbindungen in alle Teile des Landes. Auch der rege Schiffsverkehr der Hafenstadt sorgt für große Schadstoff-Ausstöße.

