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Die Abwrackprämie - ich hab' sie! Wer noch? (Podcast 41)
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Allgemein

Die Abwrackprämie - ich hab' sie! Wer noch? (Podcast 41)

Die Krise macht auch vor der wissen.de-Redaktion nicht halt. Das Todesurteil für Susanne Dreisbachs kleinen Fiat Punto Baujahr '97 war gefallen - sobald das Wortungetuem "Abwrackprämie" durch die deutschen Medien geisterte. 2500 Euro wollte Vater Staat ihr schenken, wenn sie die alte Kiste nur schnell…
Veröffentlicht
08. März 2026
Lesezeit
4 Minuten
Rubrik
Allgemein

Die Krise macht auch vor der wissen.de-Redaktion nicht halt. Das Todesurteil für Susanne Dreisbachs kleinen Fiat Punto Baujahr '97 war gefallen - sobald das Wortungetuem "Abwrackprämie" durch die deutschen Medien geisterte. 2500 Euro wollte Vater Staat ihr schenken, wenn sie die alte Kiste nur schnell genug verschrotten und durch einen würdigeren Untersatz ersetzen würde. Doch der Weg zur Prämie - und der damit verbundene Aufstieg in die automobile Mittelschicht - sollte ein steiniger sein. Hören Sie heute den Erfahrungsbericht unserer Redakteurin Susanne Dreisbach auf dem langen Weg zur Prämie mit dem Titel "Ich hab' sie! Wer noch?"

Der Vorgänger

Ich gestehe, ich baue zu Autos eine persönliche Beziehung auf. Mein erstes war ein grüner Twingo. Seine beste Zeit hatte er als Mietwagen auf den Balearen bereits hinter sich, als ich ihn erstand. Kreuz und quer durch Spanien fuhr mich der Kleine - und setzte mich dabei dem Verdacht aus, mit dem Mechaniker der örtlichen Renaultwerktstatt verbandelt zu sein - so regelmäßig musste mit ihm dorthin! Ach ja, der Twingo hatte einen Namen: "Gustavo". So wird Kermit der Frosch in Spanien genannt. Und wie ein Frosch sah mein grüner Twingo mit den Glubschaugen ja nun auch aus.

Der Aktuelle

Nach dem niedlichen, aber reparaturanfälligen Franzosen versuchte ich es mit einem Italiener. Dem Punto. Damit war ich, wie sich bald herausstellte, vom Regen in die Traufe geraten. Denn selbst die Annehmlichkeiten eines Schiebedachs und einer Zentralverriegelung konnten auf Dauer nicht über den Umstand hinwegtäuschen, dass die Reparaturkosten den Kaufpreis des kleinen Südländers bereits zwei Jahre nach seiner Anschaffung getoppt hatten.

Der Nachfolger

Und dann das: Die Abwrackprämie, beschlossen im Rahmen des Konjunkturpaketes II zur Ankurbelung der darniederliegenden Automobilbranche, hatte mit einem Schlag den Wert meines müden Puntos verdoppelt. Nachdem er mich tapfer 141.000 Kilometer weit kutschiert hatte, würde ich ihn nun also verschrotten. Wobei mir dies hässliche Wort nur schwer über die Lippen geht. Es klingt so undankbar. Und auch vor der Suche nach einem Nachfolger graute mir. Autos gehören nicht eben zu den Dingen, mit denen ich mich geistig auseinandersetzen möchte. Wie gesagt, meine Beziehung zu ihnen ist da eher emotionaler Art. Auch ist meine Kenntnis von Hubräumen, Pferdestärken und Emmissionsklassen doch sehr beschränkt. Unmöglich, unter solchen Voraussetzungen eine vernünftige Kaufentscheidung zu treffen.

Der Wettstreit

Umso dankbarer war ich also meinen beiden Männern - meinem Vater und meinem Freund -, als sie sich der Sache annahmen und bundesweit nach einem geeigneten Kandidaten forschten. Die Suche artete natürlich schnell in einen regelrechten Wettstreit um das günstigste Angebot aus. Mir sollte es recht sein: Denn am Ende entschied Mann sich für einen niegelnagelneuen Golf 6 aus den neuen Bundesländern - mit allem Pipapo, versteht sich. Und bezahlbar noch dazu. Schließlich würde VW auf die Abrwackprämie noch eine Umweltprämie von ebenfalls 2500 Euro drauflegen und noch dazu winkten meine beiden Umsorger mit großzügigen, zinslosen Krediten.

Der Endspurt

Dennoch war mein Aufstieg in die (automobile) Mittelschicht noch immer nicht gesichert. Denn inzwischen hatten die deutschen Verbraucher einen beispiellosen Run auf das Staatsgeschenk Abwrackprämie gestartet. Wer sich jetzt nicht spute, würde kläglich in die Röhre gucken, unkten Zeitungen - und Autohäuser. Auch unser Händler aus Gera erhöhte den Druck auf uns, endlich zu bestellen, merklich. Am 30. März, dem Tag des neuen online-Antragverfahrens, würden wir sonst noch unser blaues Wunder erleben.

Indes, die letzten Details bezüglich Überführung, Winterreifen und Freisprechanlage wollten geklärt sein, bevor es zur Unterschrift kommen konnte. Einen Tag, bevor das neue Bestellformular für die Reservierung der begehrten Prämie online gehen würde, war jedoch alles bereit: die verbindliche Bestellung unterschrieben, eingescannt und auf dem Desktop abgelegt, der Link www.ump.bafa.de unter Favoriten gespeichert.

Um es kurz zu machen: Circa 78 Versuche, das Formular auszufüllen, scheiterten. An Serverüberlastung. Anscheinend hatte niemand Bescheid gesagt beim Bundesamt für Wirtschaft, dass sich die halbe Nation auf die Seite stürzen würde.

Nun ja. Es sollte 22.28 Uhr werden, bis sich endlich das Fenster "Ihr Antrag ist registriert" öffnete und mir meine Bestellnummer entgegenblinkte. Ich denke, ich war die erste, und war wohl auch lange Zeit die einzige, die im Besitz einer solchen Nummer war. Auf www.ump.bafa.de forderte man nämlich noch Tage später die Abwrackwilligen auf, es "in ca. drei Minuten erneut" zu versuchen ...

Susanne Dreisbach, wissen.de-Redaktion

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