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Die wunderbaren Fähigkeiten der Honigbienen
Bildquelle nicht angegeben
Natur & Umwelt

Die wunderbaren Fähigkeiten der Honigbienen

Bienen haben es schwer: Der Mensch sorgt durch wachsende Städte und seine intensive Landwirtschaft dafür, dass ihre Lebensräume schwindne und Futterpflanzen rar werden. Der Einsatz von Pestiziden schädigt zudem Gesundheit und Ortientierungsvermögen der Insekten. Doch würden Bienen eines Tages aussterben, , wäre das…
Veröffentlicht
20. Mai 2022
Lesezeit
4 Minuten
Rubrik
Natur & Umwelt
Europäische Honigbiene (Apis mellifera)

Jan Rozehnal, GettyImages

Bienen haben es schwer: Der Mensch sorgt durch wachsende Städte und seine intensive Landwirtschaft dafür, dass ihre Lebensräume schwindne und Futterpflanzen rar werden. Der Einsatz von Pestiziden schädigt zudem Gesundheit und Ortientierungsvermögen der Insekten. Doch würden Bienen eines Tages aussterben, , wäre das nicht nur das Ende des Honigbrötchens, sondern auch vieler Pflanzen. Denn neben Wind und Regen tragen vor allem die Bienen die Pollen von einer Pflanze zur nächsten und sichern somit ihre Fortpflanzung. Höchste Zeit also, einen genaueren Blick in die Welt dieser für unsere Ökosysteme so wichtigen Insekten zu werfen.

Tanz mal vor

Während viele Wildbienen eher Einzelgänger sind, leben soziale Bienenarten wie Hummeln und Honigbienen in großen Kolonien gemeinsam in einem Bienenstock, der wie eine gut geölte Maschine aus vielen kleinen Zahnrädern funktioniert. Wenn eine Sammlerbiene morgens in ihrer Wabe erwacht, wird sie zunächst von den Spurbienen instruiert, die zuvor schon die besten Nektarstellen des heutigen Tages ausgekundschaftet haben.

Diese Unterweisung erfolgt in einer ausgefeilten Tanzsprache, die die Bienen zur Kommunikation nutzen. Mit Rund- oder Schwänzeltänzen und Vibrationen des Hinterleibs können sie ihren Schwesterbienen verblüffend präzise mitteilen, wo sich eine Nahrungsquelle befindet und wie ergiebig diese ist. Mit diesen Anweisungen ist die Sammlerbiene gut ausgerüstet für ihren Freilandflug und macht sich auf den Weg zur nächsten Nektarquelle.

Symbolbild Tanzsprache

Dorling Kindersley, GettyImages

Orientierung: Wie die eigene Westentasche

Bei ihren täglichen Sammelflügen muss die Honigsammlerin einen besonders guten Geruchs- und Orientierungssinn unter Beweis stellen. Sie ist in der Lage, stets den kürzesten Weg zwischen Futterstelle und Bienenstock zu finden. Mit ihren großen Facettenaugen hat sie einen Rundumblick über die gesamte Landschaft und kann auffallende Merkmale in ihrer Umgebung als Orientierungshilfe benutzen.

Dank einer inneren Landkarte weiß die Biene immer, wo sie sich in Relation zu ihrem Zuhause befindet. Zusätzlich hilfreich ist dabei, dass sie in der Lage ist, für uns unsichtbares UV-Licht zu erkennen, das ihr selbst an bewölkten Tagen zusätzliche Orientierung liefert. Bei der Futtersuche hilft der Sammlerbiene außerdem ihr bemerkenswerter Geruchssinn – schon einzelne Duftmoleküle reichen mitunter für die Biene aus, womit sie laut Wissenschaftlern der Universität Gießen sogar den Geruchssinn von Spürhunden in den Schatten stellt.

Genial: Bienen können rechnen

Die Verarbeitung all dieser Sinneseindrücke und das Speichern von Informationen erfordert ganz schön viel Gehirnleistung, die man dem etwa einen Kubikmillimeter großen Bienengehirn zunächst gar nicht zutrauen würde. Doch die knapp eine Millionen Nervenzellen im Denkorgan der Honigbiene sind sehr komplex und effizient verschaltet und können daher einiges leisten.

Ihre bemerkenswerte Gehirnleistung verschafft den Bienen aber nicht nur einen ausgezeichneten Orientierungssinn, sondern ermöglicht ihnen sogar das Zählen: In Experimenten zeigte sich, dass die Insekten Mengen unterscheiden können und auch sogar das abstrakte Konzept der Null begreifen:   In Tests erkannten die Tiere spontan, dass ein leeres Bild einen niedrigeren Zahlenwert besitzt als ein Bild mit einem oder mehr Punkten. Das Überraschende daran: Das Prinzip der Null als Zahlenwert begreifen selbst menschliche Kinder erst ab etwa vier Jahren.

Doch der Zahlensinn der Bienen geht noch weiter: Sie können sogar einfache Rechenaufgaben lösen – beispielsweise 2+2=4 oder 3-1=2. Dafür hatten Biologen ihre Testbienen zunächst darauf trainiert, die Farbe blau mit Addition eines Punkts, die Farbe gelb mit Substraktion eines Objekts zu verbinden. Anschließend zeigten sie den Tieren als Ausgangsmenge beispielsweise drei gelbe Quadrate. Die Bienen mussten sich nun entscheiden, als nächstes eines von zwei möglichen Lösungen anzufligen: eine Tafel mit vier und eine mit zwei Quadraten – letztere repräsentierte die korrekte Lösung. Tatsächlich lernten die Honigbienen sehr schnell, die Matheaufgaben korrekt zu lösen und flogen zielsicher die Tafel mit der passenden Anzahl Quadrate an.

Das weckt die Frage, warum die Bienen einen solchen Zahlensinn entwickelt haben. Die Biologen vermuten, dass ihnen dies bei ihrer Futtersuche helfen könnte: „So könnte dies nützlich sein, um abzuwägen, welche Blütenmerkmale beim Nektarsammeln wertvolle Ressourcen ankündigen und welche nicht“, erklären sie. Wie die Bienen es allerdings schaffen, solche komplexen Aufgaben mit ihrem eher kleinen Hirn zu bewältigen, wissen die Forscher bisher nicht.

Makroaufnahme der Facettenaugen einer Biene

rusm, GettyImages

Medizin für das Bienenvolk

Und noch eine  interessante Fähigkeit besitzen die schlauen Honigbienen:  Sie können sich gegen Parasiten wie die blutsaugende Milbe Varroa destructor mit eigener Medizin schützen. Wird der Bienenstock von diesen Milben  befallen, sammeln Honigbienen vermehrt Pflanzenharze und kleiden die Wände ihres Stocks damit aus. Dieser Harz ist schädlich für die Milben des Parasiten, sodass der Befall eingegrenzt werden kann.

Wird eine Biene dennoch krank, kehrt sie meistens nicht in den Bienenstock zurück, weil die Krankheit ihren Orientierungssinn beeinflusst und sie häufig einfach nicht zurückfindet. Mit diesem Verhalten schützt sie aber auch ihre Artgenossen im gesamten Bienenstock. Denn indem sie dem Stock fernbleibt, verhindert sie eine Übertragung der Erreger und kann die Überlebenschance des Bienenvolks erhöhen – social Distancing lässt grüßen.

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