Einen Gang runterschalten - Tipps zur Radsaison
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Einen Gang runterschalten - Tipps zur Radsaison

Bild: Foto: Reclus, CC0, via Wikimedia Commons

Der Frühling ist da, die Fahrradsaison hat begonnen. Damit die erste große Tour nach der Winterpause ohne Schwielen und Unfälle verläuft, sollte man sich ein wenig Zeit nehmen, um den alten Drahtesel wieder auf Vordermann zu bringen. Von der korrekten Satteleinstellung bis hin zur Frühjahrsinspektion: Mit der richtigen Vorbereitung steht einer entspannten Radtour nichts im Weg.

76 Prozent der Deutschen besitzen ein Fahrrad – im Schnitt sind es zwei Fahrräder pro Haushalt. Dies ergab die repräsentative Umfrage "Fahrrad-Monitor 2015". Ein Drittel der Befragten ist demnach täglich oder mehrmals die Woche mit ihrem Rad unterwegs. Doch egal ob Dauernutzer oder Gelegenheitsradler: Eine angemessene Pflege und Einstellung des Zweirads ist immer wichtig. Denn nur so kann man sich auf die Sicherheit und den Komfort des umweltfreundlichen Fortbewegungsmittels verlassen.

Funktionscheck

Wenn das Fahrrad nach der Winterpause wieder fit für das neue Jahr gemacht wird, sollte man es zuallererst einer oberflächlichen Sichtprüfung unterziehen. Diese lässt sich am besten nach einem gründlichen Frühjahrsputz machen. Dabei kann man auch gleich die Kette mit einem Lappen von altem Schmiermittel befreien und mit entsprechendem Kettenöl aus dem Fachhandel nachschmieren.

Das saubere Rad kann dann aufgepumpt zu einer kleinen Testfahrt um den Block genommen werden. Funktioniert das Licht? Lassen sich die Gänge problemlos schalten? Und wie gut reagiert die Bremse? Wenn die Bremshebel erst bei vollem Anziehen ihre Wirkung entfalten, ist ein Austausch des Bremsgummis längst überfällig. Diese sollten wenigstens einen Millimeter dick sein. Wer Mängel feststellt und nicht selbst den Schraubenzieher schwingen kann oder will, übergibt das Fahrrad am besten einer Werkstatt. Einmal im Jahr sollte ohnehin eine fachmännische Inspektion durchgeführt werden.

Das magische Dreieck

Selbst wenn alles am Fahrrad einwandfrei und sicher funktioniert, gibt es noch mehr zu beachten, so zum Beispiel die korrekte Sitzposition. Denn einer der häufigsten Fehler von Fahrradbesitzern ist die falsche Einstellung von Sattel und Lenker, weiß Sportwissenschaftler Kim Tofaute aus Koblenz. Viele Radfahrer stellen den Sattel zu niedrig ein. Sie glauben, man muss die Füße vollständig auf dem Boden abstellen können.

"Das ist falsch," sagt Tofaute. Denn wer den Sattel so tief einstellt, muss eher mit Kniebeschwerden rechnen. Der Grund: Meist sind dann die Pedale nicht weit genug vom Sitz entfernt und als Folge fahren wir mit stark angewinkelten Beinen. Das jedoch belastet die Gelenke. Das Argument, nur mit der niedrigen Satteleinstellung einen sicheren Stand zu haben, sei zudem Unsinn, betont der Experte. Den sicheren Stand erreicht man ohnehin nur dann, wenn man beim Anhalten ganz vom Rad absteigt.

Bei der Höhenjustierung des Sattels ist zudem das "magische Dreieck" zu beachten, welches sich zusammen mit Lenker und Pedalen ergibt, erklärt Tofaute. Denn beim Verstellen der Sattelhöhe ändert sich auch die Entfernung zum Lenker. Für die ideale Position sollte man möglichst aufrecht sitzen und den Lenker mit leicht angewinkelten Armen erreichen. So bleibt die Wirbelsäule in ihrer natürlichen S-Form und die Arme und Hände werden entlastet. Für eine optimale Einstellung empfiehlt Tofaute die Beratung durch einen geschulten Fachhändler.

Einen Gang runterschalten

Ein weiterer verbreiteter Fehler hat nichts mit der Justierung des Fahrrads zu tun, sondern mit der unvorteilhaften Art, wie wir damit fahren: Wir nutzen die Gangschaltung viel zu selten. Viele Radfahrer fahren selbst nach dem Stehen an der Ampel oder an Steigungen mit hohem Gang. Das jedoch belastet die Kniegelenke. Tofaute rät daher: Immer in einem niedrigen Gang anfahren und auch bei kleinen Steigungen bereits herunterschalten.

Einige Radfahrer haben auch die Angewohnheit, in hohen Gängen zu beschleunigen, dann ein Stück zu rollen, wieder zu beschleunigen und so weiter. "Besser ist es, einen leichteren Gang einzulegen und dafür kontinuierlich zu treten," empfiehlt Helmut Lötzerich von der Sporthochschule Köln. Das sei nicht nur effektiver für die Fitness, sondern schone auch die Gelenke.

Immerhin stehen Knieprobleme relativ weit hinten auf der Beschwerden-Liste von Radfahren. "Am häufigsten schmerzt das Gesäß," sagt Lötzerichs Kollege Achim Schmidt. Das kann zum Beispiel an einer ungünstigen Sattelform liegen. Denn nicht immer ist ein breiter Sattel auch bequemer. Besonders bei sportlicher, geneigter Sitzhaltung sollte der Sattel eher schmal und lang sein. Am besten hilft natürlich Probesitzen bei der Sattelwahl.

Die richtige Ausrüstung

Zur guten Radfahrausrüstung gehört auch die entsprechende Kleidung. Festes Schuhwerk mag an wärmeren Tagen zwar unattraktiv wirken, ermöglicht aber sicheren Halt in den Pedalen. Zudem sind Sportschuhe in der Regel ausreichend atmungsaktiv, damit die Füße nicht zu sehr qualmen. Radhosen oder -shorts bieten meist durch wattierte Einlagen eine zusätzliche Polsterung für das Gesäß. Wichtig bei der Hosenwahl ist, dass keine eng anliegenden Innennähte vorliegen, die beim Treten der Pedale am Bein scheuern.

Wer trotz gewissenhaft eingestellter Sitzposition Probleme mit Druckstellen und Blasen an den Händen hat, sollte den Kauf von speziellen Fahrradhandschuhen in Erwägung ziehen. Natürlich darf auch der Helm beim Ausflug mit dem Rad nicht fehlen, auch wenn rund zwei Drittel der Deutschen ganz oder größtenteils auf die schützende Kopfbedeckung verzichten, wie der "Fahrrad-Monitor 2015" zeigt.

Abgesehen von funktionaler Kleidung ist es ratsam, eine Luftpumpe und ein Flick-Set mitzunehmen, falls dem Reifen unterwegs die Luft ausgeht. Wer etwas Geld investiert, kann dem unliebsamen Platten jedoch auch mit sogenannten "Unplattbar-Reifen" vorbeugen: Durch einen besonders dicken Gummimantel bieten sie weitestgehend Schutz vor Löchern im Radschlauch.

So vorbereitet steht einem entspannten Fahrradausflug dann nichts mehr im Wege. Vorausgesetzt, das wechselhafte Wetter macht uns keinen Strich durch die Rechnung…

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