In der völligen Finsternis der Kitum-Höhle am Mount Elgon schaben afrikanische Savannenelefanten mit ihren Stoßzähnen vulkanisches Gestein von den Wänden. Die Tiere nehmen dabei Natrium, Kalzium und Magnesium auf – Mineralien, die in ihrer natürlichen Nahrung nicht ausreichend vorhanden sind. Über Generationen hinweg haben die Herden tiefe Kammern in den Fels gehöhlt. Wissenschaftler betrachten dieses Verhalten als eines der bemerkenswertesten Beispiele für erlernte, kulturell überlieferte Verhaltensweisen bei Wildtieren.
Die Kitum-Höhle liegt in einem Vulkanmassiv an der Grenze zwischen Kenia und Uganda. Das vulkanische Gestein enthält Mineralien, die für Elefanten lebensnotwendig sind. Die Tiere dringen in die stockdunklen Kammern vor – ein Verhalten, das weltweit einzigartig ist und nirgendwo sonst auf der Erde dokumentiert wurde.
Durch das wiederholte Abschaben des Gesteins über lange Zeiträume haben die Herden die unterirdischen Kammern erweitert. Das geologische Ergebnis ist beeindruckend: Die Elefanten haben faktisch Bergbau betrieben und dabei die Höhlenstruktur nachhaltig verändert.
Die Mineraltradition wird als kulturelles Wissen von älteren Tieren an jüngere weitergegeben. Junge Elefanten lernen von erfahrenen Herdenmitgliedern, wo und wie sie in der Dunkelheit das Gestein bearbeiten müssen. Dieses Verhalten stellt ein Beispiel für kulturelle Transmission dar – eine Fähigkeit, die lange Zeit vor allem dem Menschen zugeschrieben wurde.




