Von Drohnen kennt man den Anblick von Fluggeräten mit mehreren Rotoren bereits. Die wendigen Quadrocopter liegen stabil in der Luft und lassen sich bequem mit einem Joystick per Fernbedienung steuern. Aber Karlsruher Tüftler des kleinen Unternehmens e-volo wollten mehr: Sie haben einen ultraleichten Multicopter entwickelt, der zwei Menschen tragen kann. Das Spannende daran: Bisher gehörte Hubschrauberfliegen zu den schwersten Disziplinen der Luftfahrt. Piloten benötigten viel Training, um den Helicopter unter Kontrolle zu halten.
Stabil und sicher in der Luft
Doch beim neuen Volocopter ist das nicht mehr nötig: Das senkrechtstartende Fluggerät mit seinen 18 Rotoren ist dank seiner innovativen Flugsteuerung extrem leicht zu fliegen. Der Pilot muss sich keinerlei Gedanken um Gleitwinkel, Mindestgeschwindigkeiten, Strömungsabriss, Gemischregelung, Pitchverstellung und Ähnliches machen. Selbst bei komplettem Blackout des Piloten bleibt der Volocopter einfach in der Luft stehen, wird stabilisiert und schwebt langsam zu Boden.
Damit ist im Unterschied zu jedem anderen Fluggerät die Handhabung kinderleicht: Der Volocopter-Pilot gibt mittels eines Joysticks einfach nur die Richtung vor. Den Rest erledigt eine ausgeklügelte Kombination aus Sensoren und mehreren Bordcomputern. Sie sorgen dafür, dass der Volocopter auch bei Kurven stabil in der Luft liegt. Gesteuert wird über eine gezielte Drehzahländerung der 18 Rotoren, die jeweils von einem eigenen Elektromotor angetrieben werden. Im Gegensatz zum herkömmlichen Hubschrauber ist ihr Winkel dabei fest und nicht verstellbar.
Leise und emissionsarm
Der Volocopter ist der bisher der weltweit einzige Multicopter mit einer vorläufigen Verkehrszulassung als Ultraleicht-Luftfahrtgerät, wie die Entwickler erklären. Der Senkrechtstarter kann zwei Menschen tragen und wiegt dann rund 450 Kilogramm. Angetrieben von Akkus fliegt er immerhin bis zu 100 Kilometer pro Stunde schnell und ist dabei relativ leise, wie seine Entwickler betonen.
Bisher reichen die Wechselakkus des Volocopters zwar erst für rund 20 Minuten Flugzeit, aber die Forscher arbeiten bereits daran, die Reichweite auf mehr als eine Stunde zu erhöhen. Um schon jetzt Flugzeiten von mehreren Stunden zu ermöglichen, werden die zweisitzigen Volocopter zudem als seriell-hybride Elektrofluggeräte entwickelt. Hierzu wird ein Verbrennungsmotor einen Generator antreiben, der wiederum den Strom für die Elektromotoren erzeugt und die Akkus füllt.
Erfolgreicher Jungfernflug
Was der neuartige Flieger wirklich kann, hat er am 30. März 2016 bei seinem Erstflug bewiesen. "Wir behaupten seit Jahren, dass der Volocopter kinderleicht zu fliegen ist. Jetzt haben wir das eindrucksvoll unter Beweis gestellt", sagt e-volo Geschäftsführer Alex Zosel. Er saß beim Jungfernflug selbst am Steuerknüppel. "Ich hatte vor dem Flug absolut keine Flugpraxis mit dem VC200", betont Zosel. "Dieser ließ sich jedoch vom Boden aus super einfach steuern und landen. Das ist eine Revolution in der Geschichte der Hubschrauber."
Zosel und seine Kollegen erwarten, dass der Volocopter schon in zwei Jahren auf dem Markt sein könnte. Die Technik dieses neuen Leichtfliegers könnte künftig nicht nur Hobbypiloten in die Luft befördern. Auch selbstfliegende Lufttaxis bis hin zu ganzen Transportnetzwerken in der dritten Dimension könnten damit in greifbare Nähe gerückt sein.




