Erste Titel für Natur des Jahres
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Erste Titel für Natur des Jahres

Bild: Foto: Joy-of-Nature, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Jedes Jahr erklären verschiedenen Organisationen Tiere, Pflanzen oder gar ganze Landschaften für schutzwürdig. Damit weisen sie auf deren Bedrohung oder die Zerstörung eines Lebensraums hin. Waldkiefer, Turmfalke, Elch, Bach-Nelkenwurz und Puppenkernkeule machen den Anfang.

Der Überlebenskünstler: Die Gemeine Waldkiefer ist Baum des Jahres 2007

Mit der Wahl der Waldkiefer würdigte das Kuratorium Baum des Jahres (KBJ) eine bescheidene und zähe Schönheit, so Kuratoriumschef Silvius Wodarz. Sie komme selbst mit ungünstigen Lebensbedingungen und sogar langer Trockenheit zurecht.

Die Anpassungsfähigkeit der Waldkiefer kennt in der Tat viele Ausprägungen: In Regionen mit viel Schneefall entwickeln sich die Baumkronen schlanker, in windanfälligen Lagen, z. B. an der Küste oder im Hochgebirge, flachen die Kronen einseitig ab. Selbst in Felsritzen kann die Waldkiefer wachsen, bleibt allerdings sehr klein. Die Trumpfkarte des Baumes ist demnach eindeutig ihre Anspruchslosigkeit und Anpassungsfähigkeit an Klimaextreme, die die Besiedelung von Freiflächen und extremen Standorten - z. B. nach Waldbränden - wo andere Bäume keine Chance haben, ermöglicht.

Wohlriechende Nutzpflanze

Das Holz der Kiefer wird häufig bei der Herstellung von Möbeln verwendet.

Die 4-8 cm langen, blau- oder graugrünen Nadeln stehen immer in Zweierreihen an den Zweigen, beziehungsweise kurzen seitlichen Trieben. Aus den Nadeln wird das Kiefernöl gewonnen – ein ätherisches Öl, das sich zur Behandlung von Erkältungskrankheiten eignet. Die typische Duftnote – frisch und harzigholzig – nutzt auch die Kosmetikindustrie.

Die Waldkiefer auf einen Blick:

- Eine 100jährige Kiefer erzeugt etwa 1.600 Zapfen pro Jahr.

- Die Wurzeln können bis zu acht Meter tief wachsen und bis zu 16 Meter lange Seitenwurzeln haben.

- Sie kann 500 Jahre alt werden, in Einzelfällen noch älter.

- Weltweit gibt es rund 100 verschiedene Kiefernarten.

- Kiefern stellen über 20 Prozent der Waldfläche in Deutschland.

Greift sich den Titel „Vogel des Jahres 2007“: der Turmfalke

Der Naturschutzbund (NABU) und der Landesbund für Vogelschutz ernennen den Turmfalken zum Vogel des Jahres 2007. Obwohl der Greifvogel nicht auf der Roten Liste gefährdeter Arten steht, weisen Zählungen dennoch sinkende Bestände auf. Ein Mangel an Nistplätzen und Nahrungsangebot sind die Hauptgründe dafür.

Offene Landschaften mit den typischen einzelnen Bäumen und Hecken, die sein bevorzugtes Jagdrevier sind, werden immer abwechslungsloser. Nistplätze in dafür zweckmäßigen Gebäuden – Kirchtürme oder sanierungsbedürftige Gebäude – verschwinden mehr und mehr.

Nicht zuletzt: Der Einsatz von Pflanzen- und Insektenschutzmitteln in der Landwirtschaft vergiftet auch den Turmfalken, der sich als letztes Glied der Nahrungskette eine entsprechende Portion einverleibt.

Markenzeichen Flugkünste

Typisch für den Turmfalken ist sein Rüttelflug: Mit heftigen Flügelschlägen und aufgefächertem Schwanzgefieder steht er gleichsam in der Luft und späht nach seiner Beute. Entdeckt er ein Kleintier, setzt er zum Stoßflug an und greift zu.

Mit seinen rund 35 Zentimeter Körpergröße und seinen 75 Zentimeter Flügelspannweite geht er mit Vorliebe auf die Jagd nach kleinen Nagetieren wie Mäusen, aber auch auf Eidechsen und Insekten.

Rund 50.000 Turmfalkenpaare leben in Deutschland, europaweit sind es rund 350.000. Damit ist der Turmfalke immerhin die am häufigsten vorkommende Falkenart in Europa. Hier geht es zur Bildergalerie Turmfalke

Muffelt sich zum Wildtier des Jahres 2007: der Elch

Die Schutzgemeinschaft Deutsches Wild kürt den Elch zum Wildtier des Jahres 2007. Der Elch hat, nachdem er in Deutschland nach dem 2. Weltkrieg nicht mehr anzutreffen war, wieder in die deutschen Wälder - nämlich nach Brandenburg und Bayern - zurückgefunden. Und das sogar auf natürlichem Wege.

Kennzeichen große Oberlippe

Mit einer Schulterhöhe von rund zwei Metern, einer Rumpflänge von bis zu drei Metern und einem Gewicht von bis zu 500 kg darf sich der Elch zu Recht größter Familienvertreter der Hirsche nennen. Während die weiblichen Tiere kein Geweih tragen, schmückt die Bullen ein Geweih von bis zu zwei Metern Breite. Seine volle und überstehende Oberlippe (Muffel) erleichtert dem Elch die Nahrungsaufnahme, das Äsen.

Eine schweißtreibende Angelegenheit: die Bach-Nelkenwurz ist Blume des Jahres 2007

Die Stiftung Naturschutz Hamburg und Stiftung Loki Schmidt beruft die Bach-Nelkenwurz als Blume des Jahres 2007. Die Blume ist eine Feuchtwiesenart und siedelt daher vorrangig in Flachmooren, Niederungen, Auen und in der Uferzone von Teichen und Bächen. Da diese Biotope tendenziell immer noch trocken gelegt werden, sind die dort lebenden Tiere und Pflanzen bedroht. In einigen Bundesländern steht die Blume auf der Roten Liste.

In der Wurzel steckt die Heilkraft

Die Bach-Nelkenwurz gehört zur Familie der Rosengewächse. Sie wächst bis zu 60 Zentimeter hoch und blüht von April bis Juni mit mehreren nickenden Blüten.

Doch was an ihr herausragend ist, wächst unter der Erde: Ihre Wurzeln enthalten Eugenol, Glykoside, Triterpene und Flavonoide, also Stoffe, die eine schweißtreibende, antibakterielle, entzündungshemmende und adstringierende (zusammenziehende) Wirkung haben.

Sorgt für Gleichgewicht im Ökosystem: die Puppenkernkeule wird Pilz des Jahres 2007

Die Deutsche Gesellschaft für Mykologie (DGfM) wählt die Puppenkernkeule zum Pilz des Jahres 2007. Sie ist auf der nördlichen Halbkugel verbreitet und ihr Bestand gilt nicht als gefährdet. Die Puppenkernkeule gehört zur Familie der Schlauchpilze und lebt von abgestorbenen, unterirdisch lebenden Insektenkörpern, nachdem er diese mit einer Pilzkrankheit infiziert hat. Damit leistet der Parasit einen Beitrag zum ökologischen Gleichgewicht, denn Schmetterlingsplagen erhalten so keine Aussicht auf Erfolg. Gleichzeitig werde die Anzahl der Insekten reduziert, so dass der Pilz wiederum weniger Wirte vorfindet, was das Überleben der Insekten begünstige, so die DGfM.

Heilender Schmarotzer

Die Puppenkernkeule soll Lunge und Nieren stärken, die Ausdauer steigern, beim Muskelaufbau unterstützen und noch dazu ein wirksames Aphrodisiakum sein. Bis zu 2.000 Jahre alte chinesische Kräuterbücher weisen bereits auf die heilenden Wirkungen des Pilzes hin. Nach Analyse der Inhaltsstoffe wurden viele Heilkräfte von Wissenschaftlern unserer Zeit bestätigt. Im Versuch zeigen die mumifizierten Insektenlarven mit den darauf lebenden Pilzen die beste Wirkung als Tee. Die Puppenkernkeule wird mittlerweile im Labor als Nährmedium herangezogen.

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