Die Neue Welt im Westen fand im engeren Sinne der Florentiner Amerigo Vespucci. Er stellte 1504 die Behauptung auf, dass es sich bei den entdeckten Ländern um einen zusammenhängenden Kontinent handele und nicht um eine Asien vorgelagerte Inselkette. Auf einer von Martin Waldseemüller angefertigten Karte findet sich 1507 zu Ehren Amerigo Vespuccis erstmals die Bezeichnung »Amerika« für das neue Land. Endgültige Gewissheit brachte die Weltumsegelung Fernão de Magalhães 1519–1522. Er entdeckte für Spanien die Südwestpassage nach Indien, indem er die nach ihm benannte Straße zwischen dem südamerikanischen Kontinent und der Insel Feuerland durchfuhr. Auf der Reise starb er 1521 auf den Philippinen, doch erreichte eines seiner ursprünglich fünf Schiffe im Folgejahr Spanien.
Andere Nationen beteiligten sich zuerst nur zögerlich an den Entdeckungen und der Kolonisation. Im Auftrag der englischen Krone erkundete John Cabot 1497 die nordamerikanische Küste. Im 16. Jahrhundert setzte die Suche Englands und Frankreichs nach der Nordwestpassage ein, dem Seeweg über Nordamerika in das reiche Asien. 1556 scheiterte Stephen Burroughs, 1576 Martin Frobisher und zehn Jahre später auch John Davis. Das Packeis im Norden erwies sich noch als undurchdringlich. Konsequent wandten sich Frankreich und England dem nordamerikanischen Kontinent zu und leiteten dessen Kolonialisierung ein, aus der 200 Jahre später die USA hervorgehen sollten. Im Süden Amerikas und in Indonesien engagierte sich ab 1580 der junge niederländische Staat. Seine Seefahrer machten sich die Schwäche des entstandenen portugiesisch-spanischen Doppelstaates zunutze, der sein Riesenreich nicht flächendeckend beherrschen konnte. Das Zeitalter des europäischen Imperialismus begann, das für fast alle außereuropäischen Kulturen das Ende ihrer unabhängigen Existenz bringen sollte.
Überblick: Das Zeitalter der Entdecker
1500 Usbeken-Khanat: Muhammed Schaibani begründet das Usbeken-Khanat
1511 Kuba: Spanien nimmt die Insel in Besitz
1515 Schweiz: Ewige Neutralität
1517 Ägypten: Mamluken-Dynastie von Osmanen verdrängt
1517 Deutsches Reich: Martin Luthers 95 Thesen leiten Reformation ein
1519 Deutsches Reich: Karl V. vereinigt Deutsches Reich und habsburg. Spanien
1521 Mexiko: Hernándo Cortés erobert das Aztekenreich
1523 Schweden: Ende der Kalmarer Union mit Dänemark
1525 Deutschordenstaat: Säkularisierung durch Albrecht von Brandenburg-Ansbach
1526 Indien: Babur begründet das Mogul-Reich
1533 Südamerika: Eroberung des Inkareiches durch Pizarro
1534 England: Anglikanische Kirche löst sich von Rom
1544 Italien: Ende der Italienkriege
1547 Russland: Iwan IV. zum ersten Zaren gekrönt
1548 Europa: Einführung der Kartoffel aus Amerika
1555 Deutsches Reich: Augsburger Religionsfrieden
1570 Ostsee: Drei-Kronen-Krieg zwischen Dänemark und Schweden beendet
1571 Mittelmeer: Schlacht von Lepanto bricht osmanische Seeherrschaft im Westen
1581 Niederlande: Unabhängigkeit von Spanien
1590 Japan: Einigung unter Toyotomi Hideyoshi
1598 Frankreich: Toleranzedikt




