Frankfurt, 28. September — Die Europäische Zentralbank (EZB) hat einen Blockchain-basierten Zahlungsdienst namens Pontes gestartet. Der neue Service ermöglicht es Banken und Investoren, blockchain-basierte Transaktionen in Euro abzuwickeln, die direkt durch die EZB gedeckt sind. Damit schafft die Zentralbank eine Alternative zu Stablecoins und anderen privaten Geldformen im digitalen Zahlungsverkehr.
Der Dienst richtet sich an die Finanzmärkte und soll ab 2026 verfügbar sein. Mit Pontes können Marktteilnehmer Euro-Transaktionen auf Blockchain-Infrastrukturen abwickeln, ohne auf privatwirtschaftliche digitale Währungen zurückgreifen zu müssen. Die EZB positioniert sich damit als zentrale Instanz für Zentralbankgeld im digitalisierten Finanzsystem der Eurozone.
Monetäre Souveränität als strategisches Ziel
Der Schritt zielt nach Einschätzung von Experten auf die Sicherung der monetären Souveränität Europas ab. Die Organisation Positive Money UK bewertet den Ansatz als strategisch kritisch. Die EZB-Initiative richte sich sowohl gegen die wachsende Rolle von Kryptowährungen als auch gegen die Dominanz des US-Dollars im digitalen Zahlungsverkehr.
Durch die direkte Anbindung von Zentralbankgeld an Blockchain-Technologie verfolgt die EZB eine Doppelstrategie: Sie nutzt die technologischen Vorteile verteilter Ledger-Systeme, behält aber die Kontrolle über die Geldschöpfung und -abwicklung in staatlicher Hand. Stablecoins, die oft an den US-Dollar gekoppelt sind, würden damit eine regulierte Konkurrenz aus dem öffentlichen Sektor erhalten.
Infrastruktur-Wechsel im Euro-Zahlungsverkehr
Mit Pontes reagiert die EZB auf die zunehmende Verlagerung von Finanzmarkt-Transaktionen auf Blockchain-Plattformen. Bislang fehlte es Marktteilnehmern an einer Möglichkeit, solche Transaktionen in offiziellen Zentralbankgeld abzuwickeln. Die neue Infrastruktur verbindet traditionelle Euro-Liquidität mit modernen Settlement-Kanälen.
Die Verbindung von Zentralbankgeld mit Blockchain-Infrastruktur könnte das Finanzsystem fundamental verändern. Während Details zur technischen Ausgestaltung und zum Teilnehmerkreis bislang nicht öffentlich sind, signalisiert die Zentralbank damit eine aktive Rolle bei der Digitalisierung des Geldwesens — und grenzt sich von einer rein beobachtenden Haltung gegenüber privaten Digitalwährungs-Initiativen ab.

