
Guido Mocafico

Aber vor mehr als hundert Jahren war das anders: Wer damals mehr über diese Meerestiere erfahren wollte, der musste entweder selbst tauchen oder er musste mit einfachen Skizzen und Zeichnungen vorliebnehmen. Lebensechte Präparate der Tiere gab es dagegen kaum – oder sie waren ziemlich farblos und verformt. Denn vor allem wirbellose Meerestiere ließen sich wegen des fehlenden Skeletts nur schlecht erhalten
Im Jahr 1863 jedoch kam der naturwissenschaftlich interessierte Glasbläser Leopold Blaschka auf eine Idee: Vielleicht könnte man diese filigranen Wasserwesen ja in Glas nachbilden? In seiner Werkstatt in Böhmen begann der Glasbläser zu experimentieren. Aus dem geschmolzenen und verschieden eingefärbten Glas formte er nach und nach Quallen, Tintenfische, Meeresschnecken und Anemonen aus Glas – und das mit Erfolg.

Die gläsernen Meerestiere waren so lebensecht und bis ins Detail anatomisch korrekt, dass selbst zeitgenössische Naturwissenschaftler wie Franz Eilhard Schulze und Ernst Haeckel begeistert waren. In den darauffolgenden Jahrzehnten konnte sich Blaschka vor Aufträgen kaum retten. Mehrere tausend Modelle fertigte er an, die dann für die Lehre an Universitäten in aller Welt eingesetzt wurden.





