Fleischfressende Pflanzen sind blühende Pflanzen, die Photosynthese betreiben und gleichzeitig Tiere fangen und verdauen. Sie nutzen diese Fähigkeit, um Nährstoffe aufzunehmen, die in ihren Lebensräumen knapp sind: Stickstoff, Phosphor und Mineralien sind in den sauren, staunassen Böden, auf denen diese Pflanzen wachsen, kaum verfügbar.
Weltweit existieren etwa 800 bis 860 Arten fleischfressender Pflanzen. Das Bemerkenswerte ist, dass die Karnivorie in der Pflanzenwelt mindestens ein Dutzend Mal unabhängig voneinander entstanden ist – ein klassisches Beispiel für konvergente Evolution. Kannenpflanzen, Sonnentau und Venusfliegenfalle gehören zu völlig unterschiedlichen Pflanzenfamilien, haben aber alle unabhängig voneinander Mechanismen zum Beutefang entwickelt.
Ein besonders faszinierender Aspekt dieser Evolution ist die Umfunktionierung biochemischer Werkzeuge: Fleischfressende Pflanzen haben ihre defensiven Enzyme zu Verdauungsenzymen umgewandelt. Statt völlig neue Enzyme zu entwickeln, passten die Pflanzen bereits existierende Systeme an ihre neue Aufgabe an – ein elegantes Beispiel dafür, wie Evolution mit vorhandenem Material arbeitet.
Die spezialisierte Lebensweise macht fleischfressende Pflanzen gleichzeitig anfällig für Umweltveränderungen. Ihre Standorte – saure, staunasse Feuchtgebiete – entstehen unter sehr spezifischen Bedingungen und gehören zu den gefährdeten Ökosystemen. Verändern sich diese Parameter, verschwindet die ökologische Nische, in der Karnivoren konkurrenzfähig sind.




