Fremdsprachen: So lernt das Gehirn am besten
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Fremdsprachen: So lernt das Gehirn am besten

Bild: Foto: Marlis Decker, CC BY 4.0, via Wikimedia Commons

Vokabeln lernen: Networking für das Gehirn

Vokabeln lernen: Networking für das Gehirn

Um diese Vernetzung herzustellen, kommt es auf zweierlei an: Quantität und Qualität. Die Quantität liegt auf der Hand: Wenn wir ein Wort regelmäßig verwenden, hat unser Gehirn es auf Anhieb parat.

Auf die Qualität der Vernetzung haben Fremdsprachenlerner viel Einfluss: Je mehr Erinnerungen, Gefühle oder Assoziationen wir mit einem Ausdruck verbinden, desto leichter fällt dem Gehirn der Zugriff darauf. Die Erfahrung kennt jeder, der schon einmal im Gespräch um eine Vokabel gerungen hat: Wir wissen genau, dass wir das Wort eigentlich kennen müssten, vielleicht sogar, in welchem Kapitel des Lehrbuchs es auf der Vokabelliste stand. Aber es fällt uns partout nicht ein, wir ärgern uns sogar ein bisschen über uns selbst. Bis uns schließlich jemand mit dem gesuchten Wort auf die Sprünge hilft. Ab diesem Zeitpunkt bleibt die Vokabel präsent und ist jederzeit abrufbar – weil wir sie nun mit einer Erinnerung und einem Gefühl verbinden.

Es gilt also, mit neuen Vokabeln zu experimentieren: Beispielsätze zu bilden, sich Situationen auszudenken, in denen wir sie verwenden könnten oder auch einfach nur darüber nachzudenken, ob wir das Wort schön finden und wenn ja, warum.

Vor allem Beispielsätze sind perfekte Merkhilfen für das Gehirn. Sprachforscher raten dazu, Vokabeln grundsätzlich in Wortkombinationen zu lernen. Das hat nämlich noch einen weiteren Vorteil: Es unterstützt nicht nur die Vernetzung, sondern kann auch vor mancher Sprach-Stolperfalle bewahren. Wer zum Beispiel einfach nur lernt, dass Bus auf Englisch ‚bus’ heißt, formuliert möglicherweise den falschen Satz: „I drive with the bus“. Lernt man das Wort in typischen Kombinationen wie „I go by bus“ oder „I get off the bus“, lassen sich solche Fehler vermeiden.

Dass diese Art des Lernens besonders gut auf die Lernweise des Gehirns zugeschnitten ist, zeigt die Erforschung des kindlichen Spracherwerbs:  Kinder lernen in ihrer Muttersprache zunächst feste Ausdrücke und erst später einzelne Wörter. Zum Beispiel wissen sie früh, dass immer beim Zubettgehen „Gute Nacht!“ gesagt wird. Erst viel später analysiert ihr Gehirn, dass es sich um zwei voneinander unabhängige Wörter handelt.

Ins Sprachbad eintauchen

Auch als Erwachsene können wir noch von dieser angeborenen Sprachlernfähigkeit profitieren. In der Praxis ist es allerdings nicht immer leicht, Übungsgelegenheiten zu finden, denn eine echte Notwendigkeit, eine Fremdsprache anzuwenden, besteht in Deutschland selten.

Einige Gelegenheiten, um ins Sprachbad einzutauchen, kann sich aber jeder Lernwillige selbst schaffen. So bieten etwa DVDs die Möglichkeit, Filme oder Serien in der Originalsprache zu sehen. Untertitel allerdings sollten, wenn überhaupt, nur in der Fremdsprache zugeschaltet werden: Studien zeigen, dass es kaum Lerneffekte gibt, wenn die Untertitel in der Muttersprache mitlaufen.

Auch das Internet lässt sich zum Sprachenlernen einsetzen. Wer zum Beispiel zu seinem Lieblingsthema Beiträge in einem fremdsprachlichen Forum postet, in einer anderen Sprache chattet oder twittert, ist schon mitten drin in der Interaktion und dem Lernprozess.

Auch wer gern bei seinen englischen Lieblingssongs mitsingt, tut dabei fast nebenbei etwas für seine Fremdsprachenkenntnisse – schließlich lernen wir mit den Songtexten einen längeren Text auswendig, und der wiederum liefert eine Fülle an Wortkombinationen, die den Wortschatz erweitern können. Voraussetzung ist allerdings, dass wir nicht nur gedankenlos mitträllern, sondern uns auch mit dem Text beschäftigen – zum Beispiel, indem wir uns fragen, ob wir selbst diese Worte gewählt hätten oder wie wir uns stattdessen ausgedrückt hätten.

Ohne Spaß kein Preis

Ob DVD, Internet oder Sprachkurs – Hauptsache, das Lernen macht Spaß. Denn negative Gefühle sind Gift für das Lernen: Bei Langeweile, Angst oder Erfolgsdruck versagt das Gehirn seine Dienste. Der Grund: Das Limbische System, das im Gehirn für Belohnungen zuständig ist, spielt nicht mehr mit. Die Zusammenarbeit der Nervenbahnen verlangsamt sich, die Konzentration auf das Lernen fällt schwerer. Da trifft sich gut, dass Forscher bei einem traditionell besonders gefürchteten Lernkapitel Entwarnung geben können: Wer glaubt, die Grammatik nicht gut genug zu beherrschen, sollte nicht allzu betrübt sein. Zahlreiche Studien zeigen, dass Grammatikfehler für die Kommunikation nicht besonders störend sind.

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